{"id":110,"date":"2015-01-04T01:54:31","date_gmt":"2015-01-04T00:54:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=110"},"modified":"2015-01-04T17:00:27","modified_gmt":"2015-01-04T16:00:27","slug":"kapitel-02-gersbach-und-seine-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=110","title":{"rendered":"Kapitel 02 &#8211; Gersbach und seine Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Kapitel 02a<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den Spuren der Altvorderen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Fritz Burger<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach altb\u00e4uerlicher Tradition l\u00e4utet in Gersbach t\u00e4glich um elf Uhr die Mittagsglocke: Ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df sich der Vorort Gersbach, trotz st\u00e4dtischer Obhut, bis heute einen Gro\u00dfteil seines l\u00e4ndlichen Charakters bewahrt hat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Sonntag, wenn das vierstimmige Gel\u00e4ut der Friedenskirche die Gl\u00e4ubigen zur Andacht ruft und der Klang der Glocken sich \u00fcber den Feierabendfelsen hin\u00fcber klingt in die Stadt, erinnert sich kaum einer der Gersbacher daran, da\u00df die Glocken und die Kirche im Dorf erst knapp 30 Jahre alt sind: Eine kurze Zeitspanne in der 700j\u00e4hrigen Geschichte des Dorfes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis zum Jahr 1954 stand die Pfarrkirche der Gersbacher in Pirmasens. Mehr als 700 Jahre riefen die Kirchenglocken, \u00fcber den Imserb\u00fchl hin\u00fcber, die Gersbacher zum Kirchgang nach Pirmasens. Zun\u00e4chst in die im Jahr 1225 erbaute Pfarrkirche, in der Landgrafenzeit in die Garnisonskirche, die sp\u00e4tere Lutherkirche. Dorthin gingen sie an Sonn- und Feiertagen zum Gottesdienst, dort wurden die Neugeborenen getauft, die der Schule entwachsenen jungen Menschen konfirmiert, dort schlossen die jungen Gersbacher ihren Bund f\u00fcrs Leben. Neben der alten Kirche, nahe dem Wedebrunnen, fanden die verstorbenen Gersbacher ihre letzte Ruhe. Sp\u00e4ter, als der Kirchhof f\u00fcr die Soldatenstadt zu klein geworden war, ruhten sie auf dem neuen, inzwischen alten Friedhof, drau\u00dfen vor der Mauer, nahe dem Buchsweiler Tor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und schon stehen wir inmitten der Geschichte unseres Dorfes, auf der Suche nach den Spuren unserer Altvorderen. Hierzu bedarf es zun\u00e4chst eines Blickes in die geschichtliche Vergangenheit und auf die Zeitabl\u00e4ufe der Besiedlung unseres Raumes. Der Heimatforscher Adolf Rothhaar, der lange Jahre Lehrer in Gersbach gewesen ist, hat es gerne \u00fcbernommen, f\u00fcr die Gersbacher, insbesondere f\u00fcr seine ehemaligen Sch\u00fcler und deren Nachfahren, in dem nun folgenden Beitrag \u00fcber die \u00e4ltere Geschichte Gersbachs zu berichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel 02b<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher Fr\u00fchgeschichte<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Adolf Rothaar<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon w\u00e4hrend der Steinzeit hielten sich Menschen auf der Gersbacher Gemarkung auf. Den Beweis daf\u00fcr liefert ein Steinbeil, das der Gersbacher Heimatforscher J\u00f6rg Reiser auf dem Gewann \u201cAn den Back\u00f6fen\u201d am Rande des Eischbergs fand. Lebten die Steinzeitmenschen zun\u00e4chst von der Jagd, bauten sie in der j\u00fcngeren Steinzeit Hirse, Gerste und Weizen an, hatten daneben in kleinen Siedlungen Schafe, Ziegen und Schweine, nicht zuletzt stellten sie auch einfache Tongef\u00e4\u00dfe her.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vor etwa 2000 Jahren verdr\u00e4ngten die Kelten, die in unsere Region zogen, die Urbev\u00f6lkerung. Spuren eines keltischen Ringwalls sind am S\u00fcdrand des Hochwaldes auf der benachbarten Windsberger Gemarkung, in dem Gewann \u201cLangen\u00e4cker\u201d, zu finden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kelten und Germanen mussten schlie\u00dflich den R\u00f6mern weichen, die, aus dem Bliesgau gekommen, von etwa 50 bis 500 nach Christus auch unsere Region beherrschten. Steinerne Zeugen der r\u00f6mischen Herrschaft sind die Reste eines r\u00f6mischen Hauses, die in dem Gewann \u201cAm Bildst\u00f6ckl\u201d entdeckt wurden, aber auch in dem Gewann \u201cEselskopf\u201d, nahe der Windsberger Gemarkung, wurde man in den sechziger Jahren auf das Fundament eines r\u00f6mischen Hauses aufmerksam. Und selbst auf der Eichelsbacher M\u00fchle, die ja ebenfalls auf der Gersbacher Gemarkung liegt, stand ein kleines Geb\u00e4ude, dessen unterer Teil aus der R\u00f6merzeit stammt. Die daf\u00fcr verwendeten Steine hatten Gr\u00f6\u00dfe und Form, wie ich sie 1958 in Windsberg bei der Freilegung eines r\u00f6mischen Hauses gesehen hatte. An der Ausgrabungsstelle f\u00fchrt die heutige R\u00f6merstra\u00dfe in Windsberg vorbei, die Gewann wird als \u201cKastellberg\u201d bezeichnet. Der jetzige Besitzer der Eichelsbacher M\u00fchle erz\u00e4hlt mir auch, da\u00df er sich beim Abri\u00df des erw\u00e4hnten kleinen Geb\u00e4udes beim Anblick der gro\u00dfen alten Steine gewundert habe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber auf dem M\u00fchlengel\u00e4nde und im Felsalbtal existierten fr\u00fcher noch weitere \u00dcberreste aus r\u00f6mischer Zeit. Schulrat Emrich aus Pirmasens erz\u00e4hlte mir vor Jahren, da\u00df sich bei der Eichelsbacher M\u00fchle neben dem Weg ein steinernes M\u00e4nnlein in Hockerstellung befunden habe. Manchem Lothringer Arbeiter, der in Pirmasens vor dem Ersten Weltkrieg besch\u00e4ftigt war, h\u00e4tte es beim Vorbeigehen in der Morgen- und Abendd\u00e4mmerung Furcht eingejagt. Ludwig Gottschall, ein aktiver Heimatforscher fr\u00fcherer Jahre, berichtete in der Pirmasenser Zeitung vom 6. April 1961 unter der \u00dcberschrift \u201cVerwittert, vergessen und verschwunden\u201d von einem Felsenbild bei der Eichelsbacher M\u00fchle, das im Jahr 1830 bei der Ableitung eines Weihers gefunden worden ist. Es k\u00f6nnte sogar schon vor der R\u00f6merzeit dort gewesen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oberhalb der Eichelsbacher M\u00fchle, in Richtung Bottenbach, befand sich auf dem \u201cM\u00fchlfeld\u201d ein r\u00f6mischer Friedhof. Dr. Carl P\u00f6hlmann berichtet in seinem Buch \u00fcber den Bliesgau: \u201cAuf dem M\u00fchlfeld, oberhalb der Eichelsbacher M\u00fchle, wurde im 19. Jahrhundert ein kleines r\u00f6misches Urnenfeld festgestellt, dessen Reste in das historische Museum nach Speyer kamen.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch eine der gut befestigten r\u00f6mischen Fernstra\u00dfen f\u00fchrte an Gersbach vorbei. Sie kam aus dem Bliesgau, f\u00fchrte am \u201cAdelbusch\u201d, am N\u00fcnschweilerer Sportplatz, entlang in Richtung Dusenbr\u00fccken, wo sie auf der Windsberger Gewann \u201cDie Furt\u201d das Bl\u00fcmelstal \u00fcberquerte und sich weiter zum Erkenstein im Herrenwald hinzog. Gegen\u00fcber der ehemaligen Rothm\u00fchle f\u00fchrte diese Stra\u00dfenverbindung den Berg hoch zur Gewann \u201cAuf der alten Stra\u00dfe\u201d und weiter am Nickelsbrunnen vorbei zum Gersbacher Sportplatz. Ab dieser Stelle zog sie sich \u00fcber den \u201cBreitsitters\u201d und am heutigen neuen Gersbacher Friedhof vorbei hin zur Winzler Gemarkung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der N\u00e4he des Gersbacher Sportplatzes, an der Gemarkungsgrenze zwischen Gersbach und Windsberg, die zugleich auch Landesgrenze zwischen Pfalz-Zweibr\u00fccken und Hanau-Lichtenberg war, befand sich in sp\u00e4terer Zeit \u201cDie alte Klink\u201d. Der Windsberger Gewanname erinnert noch daran. 1564 beschreibt sie der schwedische General Tilemann Stella mit folgenden Worten: \u201cAlte Klink am Breitsitters, welche gar verfallen und verloren ist.\u201d An der alten Klink f\u00fchrte auch die alte Hornbacher Stra\u00dfe vorbei. Sie war eine Zoll- und Wegstation, an der sich die Pferdefuhrwerke, die auf dieser wichtigen Stra\u00dfe unterwegs waren, etwas erholen konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eisberg, Grozineich und Atzbach<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zur R\u00f6merzeit, die durch den Einfall der Germanen, Alemannen und Franken vertrieben wurden. Sie siedelten sich meist in der N\u00e4he fr\u00fcherer r\u00f6mischer Siedlungen an und f\u00fchrten Land- sowie Forstwirtschaft ein. Unter fr\u00e4nkischer Herrschaft entstanden viele Kl\u00f6ster, darunter auch das vom Glaubensboten Pirminius gegr\u00fcndete Kloster Hornbach. In der zum Klosterbesitz geh\u00f6renden Waldmark Pirmasens entstanden, auf der heutigen Gersbacher Gemarkung, kleine Siedlungen, die aber schon vor dem 30j\u00e4hrigen Krieg wieder eingegangen sind: Eisberg, Grozineich und Atzpach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eisberg war auf der heutigen Gewann \u201cEischberg\u201d entstanden. Pfarrer Eulmann erw\u00e4hnt in seinem Buch den Ort Eisberg, dessen Bewohner in den zum Kloster Hornbach geh\u00f6renden Ort Pirmasens zur Kirche gegangen seien. 1296 bekennt Heinrich, der j\u00fcngste Sohn des Grafen Heinrich II., Probst in Speyer und Pfarrer zu Ninneswilre (N\u00fcnschweiler), auf die G\u00fcter in dem zur Pfarrei Birmesessen geh\u00f6renden Dorf Eisberg, die er f\u00fcr seine Pfarrei beanspruchte, kein Recht zu haben, da sie zum Hornbacher Klosterzehnten geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Atzpach wurde ebenfalls fr\u00fch eine W\u00fcstung. Der Ort war in der N\u00e4he des Bl\u00fcmelstales zwischen dem Eischberg und dem Kohlberg angesiedelt. Nur der Gewanname \u201cAtschbach\u201d erinnert heute noch an diese Siedlung. Als ich vor einigen Jahren nach den Spuren dieser fr\u00fcheren Siedlung suchte, traf ich Jakob Rothaar, der aus Gersbach stammte und heute in Hengsberg lebt. Er berichtete aus seiner Jugendzeit, als er auf einer elterlichen Wiese in der \u201cAtschbach\u201d das Gew\u00f6lbe eines Hauses gesehen hat. Als die Wiese ges\u00e4ubert wurde, sind die aufgefundenen Steine in den Keller dieses Hauses geworfen worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber Grozineich, auch Gro\u00dfeneich genannt, berichtet Lothar Kampfmann in seinem Buch \u201cDie W\u00fcstungen der Reichs\u00e4mter Homburg, Zweibr\u00fccken und St. Ingbert\u201d. 1295 wird der Ort in der gleichen Urkunde erw\u00e4hnt, in der auch Gersbach erstmals in der geschriebenen Geschichte erscheint. 1333 wiesen die Grafenbr\u00fcder Simon und Eberhard von Zweibr\u00fccken ihrem Vetter Walram II. \u201cdes schefers sun von Grozeneich\u201d zu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Friedrich Sprater, \u201cDie Pfalz in der Vor- und Fr\u00fchzeit\u201d<\/p>\n<p>Helmut Eulmann, \u201cDie Gottesscholle\u201d<\/p>\n<p>Philipp Schmidt, \u201cDu mein Heimatland\u201d<\/p>\n<p>Lorenz Kampfmann, \u201cDie W\u00fcstungen\u201d<\/p>\n<p>Dr. Carl P\u00f6hlmann, \u201cVortrag \u00fcber den niederen Landadel\u201d\u00b7<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel 02c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von den Anf\u00e4ngen bis ins 19. Jahrhundert<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Fritz Burger<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wer war der erste Siedler?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gr\u00fcndung des Dorfes Gersbach, das in der Urkunde 1295 Gerlisbach genannt wird, liegt im Dunkel der Geschichte. Da die Historiker \u00fcbereinstimmend der Meinung sind, \u201cEin Gemeinwesen, das in einer Urkunde genannt wird, muss zuvor bestanden haben\u201d, ist die eigentliche Gr\u00fcndung der Ansiedlung in der Zeit vor 1295 zu suchen. Ebenso ungewiss ist die Herkunft des Namens Gersbach. Vermutungen, wie sie Ernst Christmann, Martin Dolch und auch Adolf Rothhaar anstellen, wonach der Ortsname von dem Personenname Gerli oder Gerhard abgeleitet sind, haben ihre Berechtigung, ebenso aber auch die \u00dcberlegung, den Namen mit der Wildgans in Verbindung zu bringen. \u201cGerhard\u201d hie\u00df in der mittelalterlichen Tiersage die m\u00e4nnliche Gans, demnach k\u00f6nnte der Name auch als \u201cG\u00e4nserichbach\u201d gedeutet werden: Gersbach als die Siedlung am \u201cG\u00e4nserichbach\u201d, der zum Wallerstein hin aus mehreren Quellen gespeist wird, die \u201cwallende\u201d Gersbach, die sich in den Bl\u00fcmelsbach ergie\u00dft. Hier sei auch an das romantische, felsenreiche Gersbachtal bei Niedersimten erinnert, durch das ein B\u00e4chlein gleichen Namens flie\u00dft. Ob und wie weit ein Zusammenhang mit dem Ort Gersbach oder mit dessen Namenspatron besteht, ist nicht bekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der Grenze der Waldmark Pirmasens<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bevor wir nach dem Gr\u00fcnder und Namensgeber von Gersbach in den Registern des Benediktinerklosters Hornbach suchen, befassen wir uns mit der gro\u00dfen Waldmark des Kosters, in deren westlichen Grenzbereich unser Ort entstanden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Waldmark, deren Ausdehnung und Grenzverlauf erstmals in einem Aktenst\u00fcck aus der Zeit um 1500 beschrieben wird, war dem Kloster Hornbach im achten Jahrhundert wahrscheinlich von einem Grafen Werner geschenkt worden, beziehungsweise er hatte sie, wie in alter Zeit \u00fcblich, dessen Schutzpatron zugeeignet. Und da in dem im \u00f6stlichen Zipfel des Bliesgaues gelegenen gro\u00dfen Waldgebiet als erste Siedlung \u201cPirminiseusna\u201d &#8211; ein alleinstehendes, einzelnes Geh\u00f6ft des Pirminius &#8211; als das heutige Pirmasens entstand, spricht der Historiker von der Waldmark Pirmasens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ernst Christmann schreibt 1963 zu der vorstehenden Karte, in der die genauen Grenzen der Hornbacher Waldmark als strichpunktierte und punktierte Linien eingetragen sind: \u201cWer sie verfolgt erkennt: 1. die an Kloster Hornbach geschenkte Waldmark\u00a0 umfa\u00dft ein Landgebiet mit folgenden darin entstandenen Siedlungen: Pirmasens, dem eingemeindeten Ruhbank, Simten, Winzeln, Gersbach, Fehrbach, das n\u00f6rdlich von Pirmasens untergegangene Hunscheid (auf der Husterh\u00f6he), den auf dem linken Ufer der Rodalb gelegenen Teil von Dorf und Mark M\u00fcnchweiler, Ruppertsweiler und das westlich von Lemberg untergegangene Dorf Gutenbach. 2. Die Au\u00dfengrenzen all dieser aufgez\u00e4hlten Siedlungen zusammen stellen die Grenzen des einstigen St. Pirminslandes dar; die Waldmarkgrenzen sind also nach mehr als 1200 Jahren noch vorhanden.\u201d Zur Waldmark geh\u00f6rten, was Christmann nicht ber\u00fccksichtigt, bis zum Jahre 1198 auch der \u201cGudinberg\u201d und der \u201cRuprechtisberg\u201d, die Graf Heinrich I. dem Kloster abkaufte, um dort zur Sicherung der Ostgrenze seiner durch Besitzteilung im Jahr 1180 entstandenen Grafschaft Zweibr\u00fccken eine Burganlage zu errichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach entstand nahe der westlichen Grenze der Waldmark, die, soweit sie den sp\u00e4teren Bann ber\u00fchrte, um 1500 wie folgt beschrieben wird: \u201c&#8230; die Blidesbach abe bihs uff die Schelbach, die Schelbach (Felsalbe) abe bihs an den eselspatt, den eselspatt bihs an die Wespenhecke, von Wespenhecke faut Gerhards hecke abe bihs uff die felsalbe, die Felsalbe (Bl\u00fcmelsbach) bis an Fridenbecher grundeln, uff Friedenbecher grundeln uff und ginset abe bihs in die lambach, die lambach uff und oben hin bihs an den Staffelstein &#8230;\u201d<\/p>\n<p>Diese Grenze, gezogen im achten Jahrhundert, sollte f\u00fcr Gersbach bis zur Eingemeindung zur Stadt Grenze bleiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus den Urkunden des Klosters Hornbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der ersten H\u00e4lfte des zw\u00f6lften Jahrhunderts erscheinen in den Urkunden des Klosters Hornbach erstmals Ministerialen, Dienstleute, denen, obwohl H\u00f6rige, also Unfreie, die Verwaltung der Meierh\u00f6fe des Klosters \u00fcbertragen war. Daf\u00fcr erhielten sie besondere Rechte und jederzeit widerrufliche Lehen, also Landbesitz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einer Urkunde des Abtes Konrad aus dem Jahre 1182 werden unter anderen als Ministerialen genannt: \u201cGerwinus scultetus de Visbach und Gerhart\u201d. Zu jener Zeit wird in einer Auflistung \u201cder zum Zwecke der Finanzverwaltung und Handhabung der Rechtspflege\u201d in zehn Bezirke aufgeteilte Besitz des Klosters als neunter der &#8222;H\u00f6fe&#8220; Pirmasens genannt. Der Hofbezirk entsprach der Waldmark, mit den darin entstandenen Siedlungen \u201cFehrbach, Gudenbach, Nunscheit, Inshalben und M\u00fcnchweiler\u201d. Gerlisbach, also Gersbach, wird weder hier noch bei den Siedlungen genannt, die im Jahr 1225 zur Pfarrei Pirmasens geh\u00f6rten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Vermutung liegt nahe, kann aber nicht belegt werden, da\u00df dem 1182 genannten Ministerialen Gerhart f\u00fcr besondere Verdienste im Bereich des Klosterhofes Pirmasens eine Grundfl\u00e4che als Lehen und zum Eigennutz \u00fcberlassen wurde, die, wie die Gewanne Gerhardseck bezeugt, an die Grenze des Klosterhofes N\u00fcnschweiler stie\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wann Gerhart seine Siedlung begr\u00fcndete, steht nirgendwo geschrieben: Nehmen wir an, Mitte des 13. Jahrhunderts. Wie gro\u00df sein Landbesitz gewesen ist, wissen wir nicht. Einen Hinweis k\u00f6nnte uns die Banngrenze des Dorfes Gersbach geben, so wie sie bis zur Eingemeindung bestand. Sie umschloss sowohl das Gewann Eischberg, in der einst das D\u00f6rfchen Eisberg gelegen war, als auch die W\u00fcstung Atzbach im Bl\u00fcmelstal. Liegt nicht der Gedanke nahe, dass die Gemeinsleute in den abgelegenen und schutzlosen Siedlungen sich in die Obhut des kl\u00f6sterlichen Dienstmannes begaben oder gar dazu gedr\u00e4ngt worden sind, sich bei seinem Hof in der Gerlisbach anzusiedeln? Denn wo sollen die Menschen, die zu jener Zeit als Leibeigene an die Scholle \u201cgebunden\u201d waren, hingekommen sein? Von Grozineich wissen wir, dass die Winzeler diese Klosterleute als ihre Urv\u00e4ter ansehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Edlen von Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ministerialen als Angeh\u00f6rige einer neuen F\u00fchrungs- und Oberschicht, zun\u00e4chst aber noch als unfreie Diener der geistlichen oder weltlichen H\u00f6fe, fanden dank ihres sozialen Aufstieges durch Besitz und Rechte schon bald Beziehungen zum niederen Adel und bildeten mit ihm einen neuen Stand. So kamen Dienstleute in Verbindung mit den Familien der \u201cFreien und der Edlen\u201d, von denen einige zu hohem Ansehen gelangten.<\/p>\n<p>Genau 50 Jahre nach der ersten urkundlichen Erw\u00e4hnung von Gersbach erscheint im Jahre 1345 auch der Edelknecht Johann von Gersbach. \u00dcber ihn und seine famili\u00e4ren Verbindungen schreibt Adolf Rothhaar:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cIch will nun \u00fcber die adlige Familie von Gersbach berichten, die ihren Ursprung wohl in fr\u00e4nkischer Zeit hat. Die damaligen Herrscher belehnten manchmal Bauerns\u00f6hne wegen hervorragender Kriegs- oder Herrschaftsdienste mit einer Meierei, also Grundbesitz. Es entstand der niedere Landadel, so auch in N\u00fcnschweiler, Dellfeld und Windsberg. Besonders bekannt wurde aber der Landadel von Gersbach, der in hohem Ansehen stand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfarrer Philipp Schmidt aus N\u00fcnschweiler berichtet in seinem Buch \u201cDu mein Heimatland\u201d: \u201cDie bekannteste Familie ist die von Gersbach. Ihr \u00e4ltestes bekanntes Mitglied ist Johann von Gersbach. Er war Lehensmann des Klosters Hornbach, zu dessen Besitz der Ort Gersbach urspr\u00fcnglich geh\u00f6rte, und wird erstmalig am 5. August 1345 genannt. Diese reich beg\u00fcterte Familie trat durch Heirat von Ennychin von Gersbach mit dem Edelknecht Johann von N\u00fcnschweiler im Jahre 1426 in verwandtschaftliche Beziehung mit dem Adelsgeschlecht von N\u00fcnschweiler. Der Stammbaum des Gersbacher Adels, soweit bekannt:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johann von Gersbach, Edelknecht 1345<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich von Gersbach, Edelknecht 1365<\/p>\n<p>Seine Kinder: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Nikolaus, kinderlos<\/p>\n<p>Hensel, vier T\u00f6chter<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hensel von Gersbach 1373 bis 1410<\/p>\n<p>Seine Kinder: \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Katharina<\/p>\n<p>Margaretha<\/p>\n<p>Ennychin<\/p>\n<p>Uemel<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ennychin erhielt als Tochter Hensels als ihr Erbteil einen Teil von Tentelingen an Zehnten, Geld von Rich und Altheim und vom Hof an St. Wolfrit. Sie hatte Teil am burggesetzlichen zu Zweibr\u00fccken und Gauerbenschaft auf dem Drachenfels.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oberegierungsrat Dr. P\u00f6hlmann berichtete am 27. Januar 1927 beim historischen Verein in Zweibr\u00fccken \u00fcber den Landadel. Er erw\u00e4hnte dabei die Gersbacher Adelsfamilie als Beispiel daf\u00fcr, da\u00df sie wohl eine kleine, aber keineswegs unbedeutende Landadelfamilie war. Sie erscheine oft in Urkunden, besonders Hensel von Gersbach. P\u00f6hlmann best\u00e4tigte in diesem Zusammenhang, da\u00df sich zu dieser Zeit einzelne Bauern von der Scholle l\u00f6sten und bekannte Krieger oder Financiers wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit allen Herren des Westrichs habe dieser Hensel von Gersbach in Verbindung gestanden, mal als Lehensmann, mal als Bankier. Die von Gersbach haben im Bliesgau durch Verpf\u00e4ndung oder Kauf ein Gut nach dem anderen erworben, aber auch \u00fcber den Bliesgau hinaus mehrten sie ihr Land und Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da zuletzt aber keine S\u00f6hne mehr geboren wurde, starb die Linie der von Gersbach aus. Ihr erster Ahnherr ist nicht bekannt.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Soweit Adolf Rothaar zur Bedeutung des Gersbacher Landadels. Dass aus der Familie der Edlen von Gersbach nicht erst Hensel als Lehnsmann und Bankier auftritt, bezeugt eine Urkunde aus dem Jahre 1345, nach der Edelknecht Johann den in finanzielle Schwierigkeiten geratenen Grafen von Leiningen \u201cbehilflich\u201d ist. Die Urkunde des Landesarchivs Karlsruhe besagt: Im Jahr 1325 beurkunden der Domprobst (zu Worms) und sein j\u00fcngerer Bruder Emich, dass sie dem Edelknecht Johann von Gerspach f\u00fcr seine Schuld von 200 Pfd. Heller \u201cguter und geber\u201d j\u00e4hrlich 20 Pfd. Heller, das sind zehn Prozent \u201cuff unser Gueter zu Grevenstein und das dazu horet und uff unser Hofe zu Rodalben und das dazu horet das gegen Grevenstein dienet\u201d, verlegt haben. (PGBL 2\/28)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach in der Grafschaft Zweibr\u00fccken-Bitsch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Hinscheiden des Letzten aus der Familie der Edlen von Gersbach, Mitte des 15. Jahrhunderts, f\u00e4llt unser Dorf in eine scheinbar geschichtslose Zeit. Keine Urkunde erw\u00e4hnt das Dorf, kein Ereignis, das die Zeiten \u00fcberlebte, ist bekannt. So kann die Geschichte des Dorfes und die Entwicklung des Gemeinwesens nur gemessen werden an den allgemeinen Zeitabl\u00e4ufen, aus den Besitzverh\u00e4ltnisen, den Lebensgewohnheiten und an den von den Herrschaften auferlegten Pflichten und Rechten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir wissen nicht, wann die Leibeigenschaft der Pirminsleute vom Kloster an die Zweibr\u00fccker Grafen \u00fcberging. Wenn die Annahme richtig ist, dass die mit der Urkunde 1295 von den Grafen Eberhard und Walram vorgenommene Teilung sich in erster Linie auf Leibeigene bezog, m\u00fcsste diese mit der Gr\u00fcndung der Grafschaft Zweibr\u00fccken im Jahre 1180 und der \u00dcbernahme der Vogteirechte von Graf Heinrich I. vom Kloster zur Grafschaft \u00fcbergegangen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Graf Eberhard I. gr\u00fcndete im Jahre 1297, nach dem er mit dem lothringischen Herzog Friedrich einige lothringische D\u00f6rfer gegen die Burg und die Herrschaft Bitsch eingetauscht hatte, die Grafschaft Zweibr\u00fccken-Bitsch. Eberhard I. residierte in Bitsch und \u00fcberlie\u00df einem Amtmann auf Burg Lemberg, die Verwaltung seiner zweibr\u00fcckischen Erblande. Erst im Jahre 1333 teilten die Br\u00fcder, um unliebsamen Streitereien aus dem Weg zu gehen, die Grafschaft Zweibr\u00fccken endg\u00fcltig. Sie zogen die Herrschaftsgrenzen, vom Pirminstein bei Bottenbach kommend, zum \u201cschwarzen Stein\u201d im Felsalbtal, entlang der alten Waldmarkgrenze, durch die Eselskaut, \u00fcber das Gerhardseck, hinunter in das Bl\u00fcmelstal: Gersbach war und blieb ein Dorf an der Grenze.<\/p>\n<p>Forthin waren die Grafen von Zweibr\u00fccken-Bitsch die Landesherren. Sie beanspruchten den Zehnten, Abgaben und Steuern und sa\u00dfen zu Gericht. Sie alleine hatten das Recht auf die Jagd. Die Landesherren verf\u00fcgten \u00fcber die Leibeigenschaft \u201cihrer\u201d Leute. So wie im gesamten Amt Lemberg lebten auch in Gersbach Gemeinsleute, H\u00f6rige und Schirmer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gemeinsleute, H\u00f6rige und Rechtslose<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Gemeinsmann besa\u00df als vollberechtigtes Glied der Dorfgemeinschaft das Wahlrecht, aber auch die Verpflichtung, Steuern und Abgaben zu entrichten. Gemeinsmann konnte nur werden, wer verheiratet war und einen Besitz von 200 Gulden nachweisen konnte. Nur er wurde auch gez\u00e4hlt: Die \u00fcbrigen Mitglieder der Familie, Frau, Kinder oder im Haus wohnende Knechte und M\u00e4gde, blieben ungez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Leibeigene, die sie geblieben waren, mussten die Gemeinsleute Frondienste der verschiedensten Art leisten: Von pers\u00f6nlichen Verrichtungen \u00fcber Spanndienste als Erntehelfer, Treiber bei Jagden auf Menschen &#8211; Gesindel und fahrendes Volk &#8211; und Tiere bis hin zur Kriegsfron. Neben den \u00fcblichen Abgaben in Geld und Naturalien (Zehnten) bestand die Herrschaft beim Tod eines Gemeinsmannes auf das \u201cBesthaupt\u201d. Von den Hinterbliebenen musste das beste St\u00fcck Vieh im Stall abgeliefert werden. Daneben stand der Herrschaft das \u201cHauptrecht\u201d zu, das ihr erlaubte, sich auch das beste St\u00fcck M\u00f6bel anzueignen. Da aber die Landesherrn in st\u00e4ndigen Finanzn\u00f6ten lebten, wurde schon bald das \u201cBesthaupt\u201d und das \u201cHauptrecht\u201d in einen Geldwert umgelegt, der etwa zwei Prozent der Hinterlassenschaft betrug. Eine Wittfrau durfte nur mit der Zustimmung des Landesherren eine neue Ehe eingehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine etwas bessere soziale Stellung gegen\u00fcber der Hauptschicht der Gemeinsleute nahm der \u201cH\u00f6rige\u201d ein, aber auch er war kein \u201cfreier\u201d Mann. Der Herrschaft \u201ch\u00f6rig\u201d, oblag ihm die Verpflichtung zu gemeinen, h\u00e4uslichen und landwirtschaftlichen Diensten. War er Hofbesitzer, so vererbte sich seine \u201cHube\u201d &#8211; ein unteilbares Areal aus Land, Wiesen und Wald &#8211; an einen seiner S\u00f6hne, den die Herrschaft nach dem Tod des \u201cH\u00f6rigen\u201d durch Los ermittelte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den Besitzlosen z\u00e4hlten die \u201cSchirmer\u201d, auch Bei- oder Hintersassen genannt. Sie besa\u00dfen keinerlei b\u00fcrgerliche Rechte. Es waren verm\u00f6genslose Fremdlinge, die als Tagel\u00f6hner, G\u00e4ngler oder als Hirten im Dorf ihr s\u00e4uerliches Brot verdienten. Da sie nur als Geduldete im Land sa\u00dfen und nur unter dem Schutz oder Schirm der Herrschaft standen, hatten sie allj\u00e4hrlich ein sogenanntes \u201cSchirmgeld\u201d zu entrichten, das in der Regel von dem Gemeinsmann oder H\u00f6rigen entrichtet wurde, bei dem sie als Knecht oder Magd dienten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bleiben in der sozialen Rangordnung die \u201cWildf\u00e4nge\u201d: Dazu z\u00e4hlten uneheliche Kinder, aber auch Junggesellen, wenn sie 35 Jahre alt waren und eine Aufforderung zur Heirat nicht befolgten. \u201cDie meisten wohl sind heimatlose Menschen gewesen, die verarmt, meist ohne festen Willen zu arbeiten, im Lande herumzogen.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dorfrechte<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Verwaltung und zur Wahrung der Dorfrechte richtete die Herrschaft schon sehr fr\u00fch sogenannte \u201cSchulthei\u00dfereien\u201d ein, zu deren Aufgabe \u201cauch die Einbeziehung der von den \u201carmen Leuten\u201d, das hei\u00dft von den Untertanen zu entrichtenden Zinsen, G\u00fcllen und andere Abgaben, auch des Zehnten, der urspr\u00fcnglich an die Kirche, den Pfarrer abzugeben war\u201d, geh\u00f6rte. Gersbach unterstand zu jener Zeit der Schulthei\u00dferei Pirmasens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Verantwortung f\u00fcr das d\u00f6rfliche Geschehen, insbesondere f\u00fcr die Einhaltung von Recht und Ordnung in der Gemeinde, oblag dem \u201cHeimburger\u201d, der \u201callj\u00e4hrlich am Stephanstag (26. Dezember) in der Weise gew\u00e4hlt wurde, da\u00df der bisherige Heimburger und sein Vorg\u00e4nger der versammelten Gemeinde zwei taugliche M\u00e4nner vorschlagen, damit sie einen mit Stimmenmehrheit zum neuen Heimburger w\u00e4hlt. Der Gew\u00e4hlte hat das Amt ein Jahr lang getreulich zu verwalten. Die B\u00fcrger mu\u00dften ihm Handtreu geloben, er der Herrschaft. Der bisherige Heimburger war verpflichtet, ihm als Mitgehilfe flei\u00dfig an die Hand zu gehen\u201d (aus: \u201c200 Jahre Pirmasens\u201d).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber die Aufgaben des Heimburgers, der mit unserem heutigen B\u00fcrgermeister oder Ortsvorsteher vergleichbar ist, gibt ein aus dem Jahr 1691 vorliegendes \u201cWeisthum\u201d Auskunft:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Urkunde,\u00a0 die 27 Artikel enth\u00e4lt, ist weitgehend als Fort- oder Festschreibung teils Jahrhunderte alter Dorfrechte zu verstehen. Zu den wichtigsten Aufgaben und Verpflichtungen des Heimburgers z\u00e4hlen: Er ruft im Bedarfsfall durch ein Glockenzeichen die B\u00fcrger zur Gemeindeversammlung. Wer ohne triftigen Grund fernbleibt, wird bestraft. Allmonatlich hat der Heimburger mit seinem Gehilfen und einem zugezogenen B\u00fcrger die Feuerstellen und Kamine zu besichtigen und diejenigen zu bestrafen, die nicht die notwendige Vorsicht walten lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Heimburger und sein Gehilfe gehen einmal im Vierteljahr von Haus zu Haus, um das mit der Herde ausgetriebene Vieh aufzuschreiben, mit der versammelten Gemeinde den Hirtenlohn festzusetzen, demgem\u00e4\u00df die zu entrichtende Vieh\u00fctegeb\u00fchr festzulegen, allsdann das Geld einzusammeln und dem Hirten auszuh\u00e4ndigen. Der Heimburger ist von der Pflicht nicht ausgenommen, wenn die Gemeinde einmal keinen Hirten hat, reihum mit den anderen Bauern die Hut der Gemeindeherde zu \u00fcbernehmen. Die Mehrzahl der Artikel befasst sich mit Problemen der Viehwirtschaft, der Nutzungsrechte, Schadensfestlegung und \u00e4hnlichem. Andere Bestimmungen betreffen die \u00f6ffentliche Ordnung, Fragen des B\u00fcrgerrechts und regeln die Aufgaben der Gemeinde beim Tod eines ihrer B\u00fcrger.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Stephanstag hat der Heimburger zwei \u201cSch\u00fctzen\u201d f\u00fcr Feld und Wald zu bestimmen, die wie seit fr\u00fcheren Zeiten reihum aus der B\u00fcrgerschaft zu nehmen sind. Ebenso bestimmt er zwei \u201c\u00c4chter\u201d, die an Fr\u00fcchten, Gras oder G\u00e4rten durch Vieh oder auf andere Weise entstandener Schaden zu sch\u00e4tzen haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Heimburger hat bei seinem Abgang am Stephanstag der Gemeinde Rechnung \u00fcber Einnahmen und Ausgaben zu erstellen, sodann die \u201cvorbeschriebenen Punkte oder Articul\u201d der Gemeinde verst\u00e4ndlich vorzulesen \u201cund dem neuen Heimburger drauff angelobt werden\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alte Wege und Stra\u00dfen<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erledigung vieler t\u00e4glicher Aufgaben mussten die Gersbacher, seit es den Ort gibt, sich in das naheliegende Pirmasens begeben: Dort stand die Pfarrkirche, dort sa\u00df der Amtmann der Herrschaft, dort entwickelte sich schon sehr fr\u00fch Handel und Handwerk.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Suchen wir nach den Spuren unserer Altvorderen, so m\u00fcssen wir auch nach den Wegen und Pfaden suchen, die sie \u00fcber Jahrhunderte gegangen sind. Wege, die unsere Generation teils noch heute kennt und die die Gersbacher in den Jahren der Not nach 1945 in die Stadt zur Arbeit und zur Schule f\u00fchrten. Lassen wir unseren Gedanken freien Lauf, gehen zur\u00fcck in die Gr\u00fcnderzeit und folgen den Pfaden \u00fcber Felder und durch W\u00e4lder hin\u00fcber in das Dorf\u00a0 \u201can der Weed\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da war das \u201cHutp\u00e4\u00e4dche\u201d, das vom Dorf \u00fcber den Matzenberg und die Sang zum \u201cBildst\u00f6ckel\u201d f\u00fchrte. Es d\u00fcrfte die \u00e4lteste Wegverbindung zum Pfarrdorf gewesen sein. Am \u201cBildst\u00f6ckel\u201d traf der Pfad dann mit dem Weg zusammen, den die wenigen Bewohner der einst auf dem Eischberg gelegenen Ansiedlung \u201cEisberg\u201d gegangen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gibt der Name des l\u00e4ngst vergessenen \u201cBildst\u00f6ckel\u201d der Wegkreuzung auf der H\u00f6he, oberhalb der Riegelwiesen, nicht eine eher historische Bedeutung? W\u00e4re es abwegig, daran zu denken, da\u00df die M\u00f6nche des Klosters Hornbach, lange bevor es Gersbach und Eisberg gegeben hat, vom Klosterhof N\u00fcnschweiler her durch das Bl\u00fcmelstal den k\u00fcrzesten Weg nahmen, am \u201cBildst\u00f6ckel\u201d vorbei, hin\u00fcber zur Klostersiedlung am Wedebrunnen? Hat es nicht unten in einem engen Seitental die Ansiedlung \u201cAtschbach\u201d gegeben? Auf einer alten Landkarte f\u00fchrt ein Weg von der B\u00e4renh\u00fctte durch den Plauel an die Furt, um aus der Atsch- oder Atzbach am Kahlenberg anzusteigen zum \u201cBildst\u00f6ckel\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gemeinsleute, alte und junge, aus Gersbach und Eisberg gingen gemeinsam den steinigen Weg durch die \u201cAppeldell\u201d hinunter ins Tal. Dort, wo sie das Steinb\u00e4chel \u00fcberschritten, trafen sie mit den Leuten aus \u201cGrozineich\u201d zusammen, deren Ansiedlung, von Wald umgeben, in der Talspanne unter dem \u201cKnopp\u201d versteckt gelegen war. Alle hatten sie den gleichen Weg, an der Felswand des Imserb\u00fchl vorbei, in die weite Talsenke, an deren Ende in Pirmasens ihre Pfarrkirche stand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>So blieb es, bis Landgraf Ludwig IX. durch die Fr\u00f6hn die Stadtmauer zog. Dann mussten die Gersbacher \u00fcber den Imserb\u00fchl steigen, um \u00fcber den \u201cGersbacher Weg\u201d auf den Pirmasenser Matzenberg zu kommen und von dort weiter zum Buchsweiler Tor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gefahren sind die Gersbacher mit ihren Kuhfuhren, Handkarren und Ochsengespannen in fr\u00fcheren Zeiten am \u201cAspentrog\u201d vorbei zur alten Heer- und Handelsstra\u00dfe, die droben am \u201cBreitsitters\u201d vorbeizog. Ihren Verlauf, von Hornbach kommend bis zur \u201calten Klink\u201d, kennen wir aus dem fr\u00fchgeschichtlichen Beitrag von Adolf Rothaar. Lorenz Kampfmann beschreibt den Streckenverlauf, von Pirmasens aus gesehen, in den Pirmasenser Geschichtsbl\u00e4ttern 1934:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cVielspurig und breit ausladend, beginnt diese mittelalterliche Stra\u00dfe, die in einen H\u00f6hen- und Talweg zerf\u00e4llt, heute hinter der Pirmasenser Ziegelh\u00fctte. Nachdem sie in wechselnder Breite von drei bis zehn Metern die geraume Ackerflur des \u201cGeh\u00e4nderwaldes\u201d fast bolzengerade durchzogen hat, biegt sie vor dem Dorfe Winzeln, beim Wasserturm, rechts ein, durchquert den Ort und gewinnt beim Schulhaus wieder das freie Feld. Hier, durch der Bauern Bodengier, zu einem gemeinen Gewannenweg geworden, folgt sie anf\u00e4nglich den Telegraphenstangen, sp\u00e4ter aber strebt sie zur Waldabteilung \u201cBreitsitters\u201d\u00a0 hin\u00fcber. In beh\u00e4biger Breite s\u00e4umt sie nun dieses Forstes \u00f6stliche Seite. Nachdem sie dann den Gersbacher Sportplatz gestreift hat, kriecht sie bei ihrer Artgenossin, der Distriktsstra\u00dfe Gersbach-Windsberg unter&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Oskar Sch\u00e4fer hie\u00df die Kaiserstra\u00dfe vor dieser Bezeichnung \u201cKirchhofsweg\u201d, was f\u00fcr die alte Wegf\u00fchrung nach Winzeln und Gersbach spricht, denn die dort gestorbenen B\u00fcrger wurden bis zum Jahr 1889 auf dem Friedhof in Pirmasens bestattet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im Bauernkrieg&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst im fr\u00fchen 17. Jahrhundert erscheint Gersbach wieder in einer Urkunde. So wissen wir nicht, wie sich das Dorf unter der Herrschaft der Grafen von Zweibr\u00fccken-Bitsch entwickelte oder wie viel Einwohner es z\u00e4hlte. Wir wissen auch nicht, ob und wie weit Gersbach von den Auswirkungen des Bauernkrieges 1525 betroffen war. Wir kennen zwar die Ursachen des Bauernkrieges, die soziale Not und die weitgehende Rechtlosigkeit der h\u00f6rigen B\u00fcrger, kennen auch die zw\u00f6lf Artikel des Manifestes der Bauernbewegung, aber von einem organisierten Protest der Bauern im Amt Lemberg ist nichts bekannt. Anders dagegen verlief der Bauernaufstand im Bitscher Land, wo der lothringische \u201cKolbenhaufen\u201d w\u00fctete. Die aufgebrachten Bauern besetzten die Burg Bitsch, aus der der Graf fliehen mu\u00dfte. Sie pl\u00fcnderten und zerst\u00f6rten Teile des Lemberger Schlosses, das Kloster St\u00fcrzelbronn, brandschatzten den Ransbrunnerhof und die Kapelle in Trulben. Andere st\u00fcrmten die Mauern desKapitel 02c\/p Gr\u00e4fenste \/pp ppin und steckten den Kaltenbacherhof in Brand.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8230;wird hanau-lichtenbergisch&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen gravierenden Einschnitt in der Geschichte des Amtes Lemberg brachte der Tod des Grafen Jakob, dem letzten im Mannesstamm der Grafen von Zweibr\u00fccken-Bitsch, an Pfingsten 1570. Graf Philipp V. von Hanau-Lichtenberg, mit der ein Jahr vor ihrem Vater verstorbenen Tochter des Grafen Jakob verheiratet, trat die Erbfolge an. Wegen der beabsichtigten Einf\u00fchrung des Luthertums als Landesreligion, auch im lothringischen Bitscherland, erregte Philipp das Missfallen des Lehnsherrn, Herzog Karl III. Nachdem auch die Tochter des bereits 1540 gestorbenen \u00e4lteren Bruders von Jakob, des Grafen Johann, ihren Erbanspruch geltend machte, kam es zum Erbstreit. Herzog Karl nahm den Streit zum Anla\u00df, das gesamte Lehen einzuziehen und den lothringischen Teil der Grafschaft, sowie im Jahr 1572 auch die Burg Lemberg, die zur H\u00e4lfte der Lehenshoheit Lothringens unterstand, durch seine Soldaten besetzen zu lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8230;und alle Bewohner lutherischen Glaubens<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>34 Jahre dauerten Streit und Besetzung im Amt Lemberg, bis der vor dem Kaiser gef\u00fchrte Prozess durch einen f\u00fcr Hanau-Lichtenberg recht nachteiligen Vergleich sein Ende fand. Graf Reinhard I., der Sohn des inzwischen verstorbenen Philipp V., unterschrieb 1606 in Nancy den mit dem lothringischen Herzog ausgehandelten Vertrag, wonach das Bitscher Land an Lothringen zur\u00fcckfiel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Amt Lemberg und mit ihm die ehemaligen lothringischen D\u00f6rfer auf der Hackmesserseite waren endg\u00fcltig hanau-lichtenbergisch geworden. Bereits im Jahr 1575 hatte aber Graf Philipp V. f\u00fcr das Amt Lemberg das Luthertum als \u201ceinzigste und rechtsm\u00e4\u00dfige Landesreligion\u201d verf\u00fcgt. \u201cDie Untertanen, auch die Gersbacher, mussten den lutherischen Glauben annehmen. Die Pfarrkirche, s\u00e4mtliche G\u00fcter und die Einnahmen der Pfarrei gingen an die Lutheraner \u00fcber. Der erste lutherische Pfarrer in Pirmasens, Ulrich Fr\u00f6lig, kam aus Trier.\u201d Ausgenommen waren nach dem Vertrag von 1606 die Bewohner der aus der Pfarrei Walschbronn ausgegliederten D\u00f6rfer Eppenbrunn, Trulben, Vinningen, Hilst, Schweix und Kr\u00f6ppen: Sie blieben katholisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit ihrer Pfarrkirche waren auch die Gersbacher lutherisch geworden. Erstmals wurden sie auch von der Herrschaft gez\u00e4hlt: Im Jahr 1620 lebten im Dorf 19 Familien. Einschlie\u00dflich dem Gesinde d\u00fcrften das etwa 75 bis 80 Einwohner gewesen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im 30j\u00e4hrigen Krieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu jener Zeit ersch\u00fctterte schon der 30j\u00e4hrige Krieg das Land. \u00dcber das Schicksal des Dorfes Gersbach w\u00e4hrend der schrecklichen Kriegsjahre gibt es keine Nachrichten. So bleibt auch unbekannt, wann letztendlich das Dorf ausgepl\u00fcndert, niedergebrannt, die Menschen vertrieben wurden oder umgekommen sind. Vermutlich erfolgte der endg\u00fcltige Untergang im Jahr 1635, als die kaiserlichen Truppen Zweibr\u00fccken und Kaiserslautern belagerten und auch die D\u00f6rfer im Schwarzbachtal \u201czu Grunde richteten\u201d. Ebenso d\u00fcrften die Heerz\u00fcge der Spanier 1621\/22, der Schweden 1632 und der Kroaten und Panduren, die 1636 das Amt Lemberg auspl\u00fcnderten, nicht schadlos an Gersbach vor\u00fcbergegangen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon im Jahr 1634 bat der Pirmasenser Pfarrer Feuerlein um seinen Abschied, \u201cweil er sich als v\u00f6llig \u00fcberfl\u00fcssig vorkommt, da der Krieg und das Sterben die meisten Leute aufgerieben und die Gemeinde ver\u00f6det ist\u201d (aus: \u201c200 Jahre Pirmasens\u201d). Im Jahr 1635 wird die Burg Lemberg von kaiserlichen Kriegsv\u00f6lkern eingenommen und 1636 verbrannt. \u201cWas die armen Untertanen anbelangt, sind sie nunmehr ganz fertig gemacht, da\u00df es zu erbarmen ist.\u201d Ein Satz, der aus einem Bericht des Lemberger Amtmannes stammt und der die Auswirkungen der verheerenden Kriegsz\u00fcge auf das Land und die Menschen deutlich werden l\u00e4sst. Aus einem im Jahr 1641 aufgenommenen Amtsinventar geht hervor, \u201cda\u00df die meisten D\u00f6rfer ver\u00f6det, fast alle M\u00fchlen und H\u00f6fe niedergebrannt oder verfallen, die Felder verwildert\u201d sind. Ein Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung ist \u201cdes Hungers und an Seuchen gestorben. Viele durch die herumziehende Soldateska vertrieben oder ermordet\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Friedensschluss 1648 lagen weite Teile des Landes verwaist. \u201cBrand, Mord und Raub an Flecken, Menschen und Vieh und anderem zur Lebensnotdurft Geh\u00f6rendem hatten dem Amt Lemberg unaussprechlichen Schaden getan\u201d. Von 430 im Jahr 1620 gez\u00e4hlten &#8211; abgabepflichtigen &#8211; Untertanen waren 13 Jahre nach dem Krieg erst wieder 72 zur\u00fcckgekehrt. Im Jahr 1680 sind von 94 Untertanen des Amtes 53 Alteingesessene und 41 Neusiedler gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Jahre nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nur langsam entwickelte sich nach dem jahrzehntelangen Kriegsgeschehen das Dorf- und Gemeinschaftsleben wieder. Nach einem Schatzungsbericht des Amtes Lemberg lebten im Jahr 1661 in Gersbach vier Familien. Im Jahr 1648 waren es genauso viele, etwa 20 bis 24 Seelen. Aufgef\u00fchrt im Schatzungsregister waren nur die abgabepflichtigen Familienv\u00e4ter, die Gemeinsleute, alle anderen waren \u201cHandfr\u00f6ner\u201d, die im Kirchenbuch verzeichnet, im herrschaftlichen Schatzungsregister aber nicht genannt wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u00e4ltesten Gersbacher und ihre Sippen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erste Kunde \u00fcber die Neubesiedlung von Gersbach gibt das von Walter Siegl 1959 bearbeitete \u201c1. Pirmasenser Sippenbuch\u201d, das sich weitgehend auf die Eintragungen in den Kirchenb\u00fcchern der Jahre 1640 bis 1740 st\u00fctzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Zerst\u00f6rung von Burg und Dorf Lemberg verlegte die Herrschaft den Sitz des Amtes im Jahr 1689 nach Pirmasens. Bereits seit dem Jahr 1634 war Pirmasens der Hauptsitz der lutherischen Amtspfarrei. Das \u00e4lteste Kirchenbuch beginnt im Jahr 1640: \u201cEs enth\u00e4lt die Kaisalien aller Orte des Amtes, so da\u00df sich das Kirchenspiel \u00fcber die Orte Herschberg, H\u00f6hein\u00f6d, Bieber- und Apostelm\u00fchle, M\u00fcnchweiler, Salzwoog, Lemberg, Eppenbrunn, Hilst, Schweix, Riedelberg, Vinningen, Gersbach, Winzeln, Fr\u00f6schen, Thaleischweiler eingeschlossen, erstreckte\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Siegl entnimmt der ab 1657 vom Schulthei\u00dfen Oswald Stegner aufgestellten Kirchenrechnung die Namen der ersten Siedler in den D\u00f6rfern des Amtes Lemberg.<\/p>\n<p>In diesem Jahr, neun Jahre nach dem Ende des Krieges, \u201cz\u00e4hlt Gersbach noch immer zu den zehn unbewohnten Orten des Amtes.\u201d Erst in den Abrechnungen 1658 und 1659 werden als Bewohner in Gersbach genannt: Wolf Stegner, Jacob Korb und Diebold Hauck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diebold Hauck:<\/p>\n<p>Er erscheint im Sippenbuch nicht. Bei insgesamt elf Eintragungen von Familien mit dem Namen Hauck oder Haug &#8211; mit bis zu 13 Kindern &#8211; wird Gersbach nicht genannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jacob Korb:<\/p>\n<p>Er heiratet in Gersbach, das Datum und der Name seiner Frau sind nicht verzeichnet. Korb hat drei Kinder. Sein 1647 geborener Sohn gleichen Namens (der Geburtsort wird nicht genannt), hat mit Anna Margarete zehn Kinder, drei sterben als S\u00e4uglinge. Der 1687 geborene Sohn Johann Jacob, gestorben 1756, wird Kirchen\u00e4ltester in Gersbach. Er ist mit Anna Maria Knerr aus Lemberg verheiratet. Sie haben acht Kinder, die zwischen 1719 und 1740 geboren sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolf Stegner:<\/p>\n<p>\u00dcber die Sippe Stegner schreibt Walter Siegl in der Heimatbeilage der Pirmasenser Zeitung im Jahr 1956, da\u00df Oswald Stegner von der Herrschaft als Schulthei\u00df in Pirmasens eingesetzt worden war: \u201cVermutlich stammt er aus Gersbach, dort lebt zur gleichen Zeit sein \u00e4lterer Bruder Wolfgang, genannt Wolf (geboren 1597) . Oswald begr\u00fcndete die Pirmasenser Linie. Kinderreicher sind die Nachkommen des Wolf Stegner in Gersbach. Er selbst hatte vier Kinder: Hans Michael verheiratete sich nach Vinningen, Oswald bleibt in Gersbach, Johann Eberhard und Hans Adam leben in Winzeln und begr\u00fcnden diese Stammlinie. Die dritte Stegner Generation z\u00e4hlt schon 26 Kinder. Die vierte ist dann schon so stark, da\u00df sie ganze Listen f\u00fclllen w\u00fcrde. Die Stegner sind aber auch jene, die immer im Gemeindeleben mitwirken. Wir finden bei ihnen Kirchenzensoren, Kirchen\u00e4lteste, Gerichtssch\u00f6ffen und Schulthei\u00dfe. Von Beruf sind es durchweg Bauern.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hans Heinrich Knerr:<\/p>\n<p>Ein Schweizer Einwanderer, der 1656 in Venckhofen im Bernerland geborene Hans Heinrich Knerr (seine Familie war 1657 in Winzeln se\u00dfhaft geworden), heiratete 1682 die Tochter des Schulthei\u00dfen Faul in Pirmasens und lie\u00df sich als Ackerer in Gersbach nieder. Sein Sohn Jacob blieb als Leinenweber und Wirt in Gersbach. Dessen j\u00fcngerer Bruder Johann Eberhard, ebenfalls Leinenweber, war Gerichtssch\u00f6ffe und Schulthei\u00df in Donsieders, wo er die Stammlinie Knerr begr\u00fcndete. Der j\u00fcngere Bruder des Hans Heinrich Knerr, ebenfalls noch in der Schweiz geboren \u201cging am 15. August 1719 eine zweite Ehe ein, mit der Witwe des verstorbenen\u00a0 Schuldieners Johann Gubleth in Gersbach. Gerade diese Kirchenbucheintragung zeigt, wie alt in Gersbach das Schulwesen ist\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Faulen 1626 &#8211; Faul 1641:<\/p>\n<p>In einem Amtsinventar \u00fcber \u201cdas Gr\u00e4fliche Schlo\u00df und das Haus zu Lemberg\u201d aus dem Jahr 1626 wird ein \u201cSteffen Faulen, B\u00fcrger zu Gersbach\u201d als Sch\u00f6ffe genannt. Im Kirchenbuch erscheint ein Hans Jacob Faul, der vor 1641 heiratete und M\u00fcller in Gersbach und Simten gewesen ist. Seine drei Kinder\u00a0 werden 1641, 1643 und 1648 in Gersbach geboren . Der j\u00fcngste Sohn wird B\u00e4cker und wohnt in Pirmasens. Es ist anzunehmen, da\u00df Hans Jacob Faul als M\u00fcller in der Eichelsbacher M\u00fchle se\u00dfhaft war, obwohl im Jahr 1635 in einer Verm\u00f6gensaufstellung des Amtes Lemberg vermerkt wird: \u201cNichts. M\u00fchlen zu Riedelberg, Eichelberg und Simpten verbrannt.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Daniel Schweitzer:<\/p>\n<p>Die \u00e4lteste Eintragung im Kirchenbuch d\u00fcrfte die von Daniel Schweitzer sein, \u201cin Gersbach gestorben und beerdigt im Jahre 1644\u201d. Weitere Angaben fehlen. Ihm folgt im Register ein Peter Schweitzer, Hofmann aus Mehlingen, der vor 1721 verstorben ist. Seine Tochter Kathrin \u201cfiel am 22. Februar 1722 vom Heustock, war schwanger und hatte eine Fr\u00fchgeburt, dabei starb sie\u201d. Ihr Bruder Balthasar Schweitzer heiratete 1721 Maria Magdalena Stegner. Sie hatten zehn Kinder, davon sechs Buben.<\/p>\n<p>Diebold Fuhrmann:<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich heiratete ein Jacob Schweitzer, K\u00fcfer in Gersbach, die Tochter des Kirchenzensors in Gersbach, Hans Jacob Diebold Fuhrmann. Diebolds zweitgeborener Sohn, Hans Jacob, kam am 29. Mai 1729 ums Leben, \u201cals er mit seinem Lehrherrn, dem K\u00fcfer Georg Gerhard (aus Winzeln), morgens fr\u00fch verbotenerweise auf das Wildschweinschie\u00dfen ausgegangen, wurde er auf der Stelle erschossen, nach Pirmasens gebracht und dort am 30. Mai 1729 begraben\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johann Nicolaus Weber:<\/p>\n<p>Der Schuhmacher Nicolaus Weber, geboren 1636, wurde nach dem 30j\u00e4hrigen Krieg in Gersbach ans\u00e4ssig. Er kam mit seiner Frau Anna Appolonia, geboren 1635, aus Mauschbach, Zweibr\u00fccker Jurisdiktion. Das Ehepaar Weber hatte vier S\u00f6hne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der 1669 geborene Johann Jacob \u201cwird Z\u00f6llner und Gastgeber zur Herberge Lemberg\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Gersbach verblieb der 1670 geborene Johann Kasper, dessen erste Ehefrau Anna Stegner im Alter von 22 Jahren im Kindbett verstarb (1695). Die zweite Frau, Anna Barbara Knerr, geborene Faul, starb im M\u00e4rz 1712. Ihre Tochter Eva heiratete Johann Jacob Ziliox aus Pirmasens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die dritte Ehefrau von Johann Kasper Weber, Anna Ottilia Kre\u00df, verstarb im M\u00e4rz 1717: \u201cSie hatte acht Tage zuvor ein Kn\u00e4blein geboren\u201d. Die 1714 geborene Tochter Maria Katharine heiratete den \u201cGrenadier und Tagel\u00f6hner\u201d Georg Nicolaus Hoch aus Winzeln, der \u201cins Neuland (Ungarn)\u201d ging. Sie starb wie ihre Mutter, \u201cnachdem sie acht Tage zuvor mit gro\u00dfen Schmerzen ein Kind geboren\u201d (1737).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus der vierten Ehe des Johann Kasper Weber mit Anna Gertrud Gl\u00e4\u00df, geboren 1692 in Winzeln, entsprangen neun Kinder, davon sechs Knaben. Sie erscheinen allesamt im Kirchen- und Sippenbuch nicht mehr.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Tod seiner vierten Ehefrau heiratete Johann Kasper Weber im Juni 1744 Anna Maria, Witwe von H. Hrch. Huben vom Ransbrunnerhof. Johann Kasper Weber starb 1747 im 76. Lebensjahr, seine f\u00fcnfte Ehefrau, die wie alle anderen mit dem Vornamen Anna gerufen wurde, starb 1747 mit 60 Jahren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der dritte Sohn des Johann Nicolaus Weber, Johannes, geboren 1679 in Dellfeld, wurde \u201cK\u00fchhirt in Gersbach\u201d. Er heiratete \u201cvor 1695\u201d Anna Elisabeth. Von neun Kindern, der erste Sohn Johannes wird 1692, der zweite 1695 geboren, sind f\u00fcnf Knaben. Der viertgeborene Johann Georg starb 1712 im 11. Lebensjahr \u201cdurch einen Unfall auf der Nachtweide\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johannes Weber geht am 16. M\u00e4rz 1734 eine zweite Ehe ein, mit Anna Katharina Karb, geboren 1683, Witwe von Johann Michael Staller. Er stirbt am 25. Februar 1752 sechs Tage nach seiner Ehefrau.<\/p>\n<p>Von seine S\u00f6hnen aus der ersten Ehe waren zwei in Gersbach geblieben: Paul, mit Anna Katharina Steiner verheiratet, wohnte mit seiner Familie &#8211; vier Kinder &#8211; in Pirmasens. Johann Heinrich, geboren 1692, heiratet am 16. Mai 1719 Anna Dorethea Holtz aus Hornbach. Er stirbt, erst 29 Jahre alt, am 20. Dezember 1721. Seine S\u00f6hne Johannes waren am 24. Juni 1720 und Johann Diebold am 10. November 1721 in Gersbach geboren worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Johann Peter Weber, geboren am 17. Februar 1710, verheiratete sich am 26. Januar 1733 mit der Tochter des Leinenwebers und Wirtes Johann Jacob Knerr, Juliana Marie. Der Ehe entsprangen neun Kinder, davon sieben Knaben. Sie webten das weitgespannte Netz der Gersbacher Weber-Sippe, die mit dem Schuhmacher Johann Nicolaus Weber begann, der um 1660 von Mauschbach nach Gersbach \u00fcbersiedelte. Er verbrachte, als seine Frau im Januar 1708 verstorben war, seinen Lebensabend bei seinem Sohn Johann Jacob in Lemberg, wo er am 12. M\u00e4rz 1712 im 76. Lebensjahr starb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nikolaus Ziliox:<\/p>\n<p>Nikolaus Ziliox, der die Wirren des 30j\u00e4hrigen Krieges \u00fcberlebte, ist der Ahnherr aller heute noch lebenden Mitgliedern dieser Familie in und um Pirmasens. \u201cIm Jahre 1661 lebt Nikolaus Ziliox noch, er war hochbetagt und wird als Gemeinsmann im Schatzungsregister von Pirmasens genannt\u201d. Ob Nikolaus Ziliox identisch ist mit dem im Lemberger Amtsinventar genannten Sch\u00f6ffen Zyliox Hungken oder einem seiner Nachfahren, ist nicht bekannt. Der erste Gersbacher Ziliox, ein Spro\u00df der vierten Generation,\u00a0 kam durch seine Heirat im Jahre 1715 mit\u00a0 Maria Margarete Tritthard nach Gersbach. Johann Peter Ziliox wurde herrschaftlicher Schulthei\u00df in Gersbach, war Schwager des zuvor genannten Diebold Fuhrmann und Vater von acht Kindern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Berufe im Sippenbuch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die im Sippenbuch genannten Berufe:<\/p>\n<p>Wundarzt &#8211; Johann Jakob Bayer, katholisch, um 1720, Sch\u00e4fer dreimal, Hirth f\u00fcnfmal, Kuhhirth sechsmal, Schweinehirth viermal, Feldsch\u00fctz viermal, Wiesenknecht einmal, Zimmermann dreimal, K\u00fcfer zweimal, Leinenweber viermal, Weber einmal, Pottaschbrenner einmal, Wagner zweimal, Hosenstricker einmal, Wirt einmal, Gerichtssch\u00f6ffe einmal, Kirchenzensor einmal, Kirchen\u00e4ltester einmal.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cGr\u00e4ntzbegehung 1657\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Graf Friedrich Casimir (1641 bis 1685) brachte nicht nur die Verwaltung und &#8211; soweit m\u00f6glich &#8211; die Finanzen seiner Grafschaft Hanau-Lichtenberg in Ordnung, er wollte auch die Grenzen seines Herrschaftsbereich \u201cabgesteint\u201d wissen. So erlie\u00df er im Jahr 1651 eine Verordnung \u201cmit der Maasgabe dass alle Bann- oder Scheydt Steyn, welche etwan bey diesen Kriegen oder L\u00e4nge der Zeyt abkommen, wiederumbegesetzt, und allj\u00e4hrlich durch einen ordentlichen Umgang ersucht und aufrecht erhalten werden\u201d: So erfolgte im April 1657 eine Begehung der Grenzen des Amtes Lemberg. Nach dem \u201cExtract auss dem Gr\u00e4ntzbegehungs protocoll\u201d wurde die Gersbacher Gemarkungsgrenze, die zugleich Herrschaftsgrenze gegen\u00fcber Pfalz-Zweibr\u00fccken gewesen ist, am 9. und 10. April begangen.<\/p>\n<p>Vom Pirminstein durch den Pittsitters suchten die Grenzg\u00e4nger nach sieben im Jahr 1623 gesetzten Steinen. Der siebte am Wagsberg weist auf die Bach (Felsalb) \u201cund den Wag (Weiher unterhalb der schon 1547 erw\u00e4hnten, jetzt sogenannten \u201cPapier M\u00fchl\u201d)&#8230; Geht man von dannen die Bach hinauf bis an den Schwartzenstein&#8230;, welcher dreyecket, steht daran zur Rechten die Jahreszahl 1623, grad f\u00fcr sich HANAU, und zur Linken, doch etwas schregs gegen den Berg hinauf PFALTZ&#8230; Geht man wieder zur Lincken im Thal nach der Windtsperger Klincke (1500: Esels Pfadt, jetzt Esels Dell) zu, so eine gute Viertelstund Weegs, kommen (wir) auf zwey liederliche ungesetzte fast kugeliche Stein; also dass man vor n\u00f6thig erachtet&#8230; zur Verh\u00fctung mehrern Streits, zwey neue Stein rechtsk\u00fcnftig zu setzten.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cDen 10. April 1657: Von das zeucht es sich an ein Musquetenschuss im Wald, der Renspronn oder Windtsperger Wald genannd, und unten hinaus bis nechst in den anderen Wald. Von dar geht der Scheydt in diesem Wald (1500: Wespen Hecke) an einen Pfuhl hin, &#8230;bis vor den Wald hinaus, alwo wieder ein dicker Marckstein, auf anderthalben Schuh hoch, am Geroldz Eck (1500: Faut Gerhards Hecke) stehet, gr\u00e4nzt daran zur Lincken Windtsperg, so pf\u00e4lzisch, und zur Rechten Pirmasenser Pfadt. Vor der grad f\u00fcrbass zur Lincken hin bis an die Beltzm\u00fchl, so noch pf\u00e4lzisch; und zur Rechten dieser M\u00fchle \u00fcber den Beltzwag hin\u00fcber&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach an der schwedischen Grenze<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Grenze zwischen Hanau-Lichtenberg und dem Herzogtum Zweibr\u00fccken, letztmals abgesteint im Jahr 1759, was eine Reihe noch erhaltener Grenzsteine bezeugt, folgte der Spur der alten Waldmarkgrenze aus dem achten Jahrhundert. Gersbach war und blieb das Dorf an der Grenze, f\u00fcr einige Jahrzehnte sogar an der Grenze zu Schweden. Es war die Zeit, als Karl XII., K\u00f6nig von Schweden (1697 bis 1718), Pfalzgraf und Herzog von Zweibr\u00fccken war und seine pf\u00e4lzischen Besitzungen von einem k\u00f6niglich schwedischen Gouverneur verwalten lie\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit den Herrschaften erlosch in den Revolutionsjahren auch die Bedeutung ihrer Grenzen. Die ehemalige Herrschaftsgrenze, zuletzt zwischen Hessen-Darmstadt und Zweibr\u00fccken, trennte k\u00fcnftig nur noch die Gemeinde Gersbach von Windsberg und Hengsberg. So blieb es bis zur Eingemeindung von Gersbach und Windsberg im Jahr 1972, Hengsberg war schon drei Jahre zuvor zur Stadt Pirmasens gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im Lemberger Forst<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach war zu jener Zeit im Lemberger Forst gelegen, der in seiner Weitr\u00e4umigkeit der Ausdehnung der alten Waldmark entsprach. In dem nordwestlichen Teil nutzten die Bauern der zum ehemaligen Kirchenspiel geh\u00f6renden D\u00f6rfer den ihnen von alters her zugesprochenen \u201cWeidestrich\u201d im sogenannten Dechtumswald. Dar\u00fcber lesen wir in der Waldvisite des Lemberger Forstes aus dem Jahr 1688:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cIn dieser Forstbeschreibung haben die Underthanen ihren \u201cDechtem Walt\u201d, nemlich diese Dorffschafften, als Lemberg, Pirmasens, Wintzlen, die Egelsbacher Mil, Gerschbach und Ferbach, undt sein das die Berge des Dechtem Waltes: Das Gehen, der Hohricht Walt, Breit Siders, der Sumerwald bis zum Roden Sol, das Hasen Eck, der Lemberger Doldogels Munder (?), das Mort Loch, der Sinnelsberg, der Dirkenfels, der Reidelschachen, die Grumsteich, die Schwan&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem Pirmasenser Weistum vom Jahr 1691 entnehmen wir: \u201cDen Weydestrich betreffend, haben die Pirmasenser das Recht durch die Wintzler Erlen hin\u00fcber in den Wintzler Bann, dem Weg nach bis zu dem grossen Ohrener Bronnen, umb alda ihr Herd Viehe zu tr\u00e4nkhen, zu fahren. Hingegen haben die Wintzler gleiches Recht, in den Pirmasenser Bann dem Weg nach bis uff den Wasserfelsen, alda zu tr\u00e4nkhen, zu fahren, doch beederseiths ohne Schaden der Fr\u00fcchten. Den Eyschberg belangend, welcher im Gerspacher Bann lieget, hat die Gemeindt Pirmasens, wie andere Gemeindten, als Wintzlen und Verbach, ihr Recht mit ihrem Viehe undt Ackerbau zu fahren&#8230;\u201d \u201cWie wir daraus zu ersehen verm\u00f6gen, kam der Weidewirtschaft in ihren verschiedenen Formen, n\u00e4mlich der \u201cSchmalzweide\u201d, das ist die Eichel- und Buchenmast der Schweine, sowie der \u201cRauhweide\u201d damals noch besondere Bedeutung zu.\u201d (nach: \u201cDer Westrich\u201d von Michael Lothar Cunz).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Protokoll \u00fcber einen Umgang des Pirmasenser Dechtums im Jahr 1765 wird vermerkt: \u201cIngleichen befinden sich in denen Winzler und Gerspacher B\u00e4nnen weitere Dechthums Districte, nehmlich der Gehenner Wald, Hohrech Wald und Breit Sieders, wie auch Esels Kopf nebst dem Gerhards Eck, wobei zu wissen, dass die Hengstberger Gemeinde, pfalz-zweibr\u00fcckischer Jurisdiction, in dem Hohrech Wald und Breit Sieders bis an den Hohlengraben den Dechthum mit zu geniessen berechtigt ist.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Forstfrevel im Quart Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neben der Weidewirtschaft hatte der Wald zu jener Zeit noch eine Reihe anderer Funktionen zu erf\u00fcllen. Die widerrechtlichen Rodungen der K\u00f6hler und Pottaschbrenner f\u00fcgte den W\u00e4ldern oft gro\u00dfe Sch\u00e4den zu. So beklagten sich die Dorfgemeinschaften \u201cals nemlich Pirmasens, Wintzlen, Gerschbach und Fehrbach\u201d, da\u00df man ihnen \u201cdie besten Mastb\u00e4ume vor Potasch umhauete\u201d. Nach einer Untersuchung der herrschaftlichen F\u00f6rster im gesamten Amt Lemberg ergaben sich mehrere Freveltaten, auch im \u201cQuart Gerschbach\u201d, die letztlich zu einer strengen Verordnung und Bestrafung durch den Landesf\u00fcrsten f\u00fchrte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Absatz eins der Verordnung aus dem Jahre 1726 lautet wie folgt:<\/p>\n<p>\u201cDenen Edel-Vest auch Ehren-Vest und Hoch-Gel\u00e4hrten, Unseren Lieben Getreuen zu Unserer Hanau Lichtenbergischen Regierung verordneten R\u00e4then und Befehlshabern von Buchsweiler. Johann Reinhard, Graff zu Hanau, Rhieneck und Zweybrucken, Herr zu M\u00fcntzenberg, Lichtenberg und Ochsenstein, Erb-Marschall und Obervogt von Strassburg. Unseren gn\u00e4digsten Gruss zuvor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Edel-Vest, auch Ehren-Vest und Hochgel\u00e4hrte Liebe Getreue!<\/p>\n<p>Uns ist gehorsam referiret, was dieselben wegen des von den Potasch Brennern Hannss Caspar Weber und consorten in denen Waldungen unseres Ambts Lemberg verursachten Schadens unter dem 18. Octobris vorigen Jahrs vor einen unterth\u00e4nigen Bericht und ohnmaassgebliche Bedencken erstattet haben. Obs sich nun wohl allerdings geb\u00fchret h\u00e4tte, dass bemelter Schaden durch einen oder mehr Forst-Verst\u00e4ndige ordentlich taxiret worden w\u00e4re, so lassen wir es jedoch um Vermeidung mehrerer Weitl\u00e4uffigkeit und darauss nothwendig entstehender gr\u00f6sserer Kosten, bey der bereits geschehenen Untersuchung bewenden und haben dahero derselben Gutachten bewandten Umst\u00e4nden nach der Gestalt approbiret, dass 1. Hannss Caspar Weber und Michel Gast, beyde von Gerspach, welche in dem Gerspacher Forst gearbeitet, vor den darinnen causirten Schaden 100 Gulden, wegen abgehauener gr\u00fcner B\u00e4ume aber, und weilen sie dieselben vorher nicht zeichnen lassen, zusammen 60 Gulden zur Straffe, und 2. Johann Jost Wahl, welcher im Breitsieders, Gerspacher Banns, und Haaricht, Wintzler Banns, gearbeitet, gleichfalls vor die Schadens Ersetzung 30 Gulden, zur Straffe aber 20 Gulden erlegen&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts &#8211; Jahre des Hungers und der Not<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts war keine friedvolle Zeit: Es waren die Jahre des Hungers und der Not. 1666 w\u00fctete die Pest im Land. Auch davon gibt das Sippenbuch Zeugnis: \u201cHeinrich Mayer, Schmied in Pirmasens, gest. 29. November 1666 &#8211; wohl an einer Seuche, an der als erste seine Frau, Anna Katharina Stegner, starb. Sie hat den Anfang zur Contagnion &#8211; Ansteckung einer Seuche &#8211; gemacht, was man aber nicht wusste (geb. 7. Januar 1644, gest. 15. November 1666).\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Ende des 30j\u00e4hrigen Krieges begannen die Feindseligkeiten der Franzosen. Die Soldateska zog von Lothringen herbei, raubend und pl\u00fcndernd. Mehr als drei Jahrzehnte beunruhigten sie mit ihren Kriegsz\u00fcgen das Land. 1665 schleppten die franz\u00f6sischen Soldaten die gesamte Ernte des Amtes Lemberg weg. 1677 brannten sie Pirmasens nieder. \u201cG\u00e4nzlich verbrannt waren auch Waldfischbach, H\u00f6heischweiler, N\u00fcnschweiler und Windsberg.\u201d Im Jahr 1689 wurden Dorf und Burg Lemberg zerst\u00f6rt. \u201cErst 1699 r\u00e4umen die Franzosen nach dem Frieden von Rijsijk das g\u00e4nzlich ausgesogene Gebiet\u201d: \u00dcber das Schicksal von Gersbach in dieser Zeit ist nichts bekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach in der hanau-lichtenbergischen Zeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Graf Johann Reinhard III., der Gro\u00dfvater des sp\u00e4teren Landgrafen Ludwig IX., regierte von 1685 bis 1736 die Grafschaft Hanau-Lichtenberg. Seine Jagdleidenschaft f\u00fchrte ihn des \u00f6fteren in den wildreichen Forst des Lemberger Amtes. Mit einer Jagdgesellschaft kam der erst 15j\u00e4hrige Ludwig im Jahr 1735 erstmals nach Pirmasens, um in dem von seinem Gro\u00dfvater in den Jahren 1720 bis 1725 errichteten Jagdschlo\u00df zu n\u00e4chtigen. Ludwig und sein Bruder standen in der Obhut ihres Oheims, in der Residenz Buchsweiler, wo sie nach dem Tod ihrer Mutter eine h\u00f6fische Erziehung erhielten. Sie besuchten auch die Universit\u00e4t Stra\u00dfburg und unternahmen mehrere Bildungsreisen nach Frankreich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Reinhard III., der letzte im Mannesstamm der Hanau-Lichtenberger, verf\u00fcgte rechtzeitig vor seinem Ableben 1736, da\u00df nicht der Ehemann seiner Tochter, Christine Charlotte, Landgraf Ludwig VIII. von Hessen-Darmstadt, die Erbfolge antreten solle, sondern deren erstgeborener Sohn Ludwig. Bis zu dessen Vollj\u00e4hrigkeit im Jahr 1741 bestellte die Regierung in Buchsweiler einen Regentschaftsrat, der die Grafschaft verwaltete. Erbprinz Ludwig heiratete am 12. August 1741 die 20j\u00e4hrige Prinzessin Karoline von Zweibr\u00fccken-Birkenfeld.<\/p>\n<p>Der junge F\u00fcrst hatte seine Freude am Soldatenspiel. Schon vor seiner Hochzeit hatte er im els\u00e4ssischen B\u00e4renthal eine 37 Mann starke Leibgrenadierkompanie gebildet, mit der er nach Pirmasens zog und dort eine Garnison gr\u00fcndete. Er selbst trat 1742 in franz\u00f6sische Dienste und 1743 in den Dienst des von ihm verehrten \u201cAlten Fritz\u201d. 1764 nahm er seinen Abschied vom Preu\u00dfischen Dienst: \u201cSeit Jahren kr\u00e4nklich, jedoch kein gro\u00dfer Kriegsheld.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon bereits 1757 war Ludwig nach Pirmasens zur\u00fcckgekehrt, um &#8211; bis auf wenige Monate Aufenthalt in Darmstadt und Wien &#8211; in seinem Garnisonsort zu bleiben. Die Garnison z\u00e4hlte 143 Mann. Ludwig verblieb auch in Pirmasens, als 1768 sein Vater starb und er als Landgraf Ludwig IX. nun auch Hessen-Darmstadt regierte. Seine Frau Karoline, nach Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich dem Gro\u00dfen \u201ceine der geistreichsten Frauen der damaligen Zeit\u201d, residierte in den Hofkreisen in Darmstadt. Ihr oblag auch die Erziehung ihrer sieben Kinder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbacher Grenadiere in der Garnison des Landgrafen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ludwig IX. erweiterte die Garnison durch das st\u00e4ndige Hinzuf\u00fcgen von Truppenteilen. Er rekrutierte den Hauptteil seiner Mannschaft aus den im Reichsland liegenden Gebieten seiner Herrschaft &#8211; das Elsa\u00df stand unter franz\u00f6sischer Souver\u00e4nit\u00e4t. Alle jungen M\u00e4nner von zw\u00f6lf bis 26 Jahren waren gestellungspflichtig. Sechs Jahre dauerte die Wehrpflicht. Besonderes Augenmerk hatten die Aushebungskommissionen auf die \u201clangbeinigen Bauerns\u00f6hne\u201d, zu denen nach den Stammrollen des Landgrafen auch 31 Gersbacher, die mehr oder weniger freiwillig Grenadiere gewesen sind, z\u00e4hlten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher Grenadiere:<\/p>\n<p>Vor- und Zuname\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Alter b. Eintritt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Gr\u00f6\u00dfe\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Dienstzeit\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Regiment<\/p>\n<p>Hrch. Diehm\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 20\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1782-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Gottfr. Fuhrmann\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 22\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1782-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Georg Hatzfeld\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 17\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1783-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Hrch. Hatzfeld\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1784-87\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Andreas Hauter\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 36\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/7\/2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1763-68 (+7) RE<\/p>\n<p>Peter Hauter\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 36\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1763-72\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Hrch. H\u00fcgel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1779-81\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Mich. Hummel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 23\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5 3\/4\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1788\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Mich. Hummel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 6 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1789-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Georg Joas\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 21\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/5\/3\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bis 1746\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Jakob Joas\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 9 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1779-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Hrch. Kn\u00f6rr\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 17\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 3 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1778-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Jak. Kn\u00f6rr\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 25\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/6\/0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bis 1745\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Jak. Kn\u00f6rr jr.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 6 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1766-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Konrad Korb\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 4 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1786-88\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Andreas Cunz\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 24\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/5\/2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ffl. 1752\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Jak. Meerwein\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 19\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5 1\/2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1778-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Adam Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 28\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1760-71\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Adam Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 22\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 8 1\/2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1765-77\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Daniel Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 23\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/4\/0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ffl. 1751\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Georg Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 39\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 gest. 1784\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Gottf. Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 21\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 9 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1770-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Jak. Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 6 1\/2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1784\/86\/90\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Daniel Schweizer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 24\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 6 1\/2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1762-73\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Hrch. Schweizer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 20\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5 3\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1789-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Adam Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 17\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/2\/0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bis 1746\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Christ. Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1776-77\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Georg Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 6 1\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1772-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Jakob Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 20\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5 3\/4 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1762-90\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>Martin Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 24\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/2\/3 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bis 1747\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Werner Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 27\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5\/5\/1\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 bis 1748\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RL<\/p>\n<p>Nikolaus Wingert\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 21\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 6 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1766-88\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 RE<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>RE = Regiment \u201cErbprinz\u201d \/ RL = Regiment \u201cLandgraf\u201d Ffl. = Fahnenflucht<\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfe: 1 Fu\u00df = 0,32 Meter = 12 Zoll<\/p>\n<p>\u00c4lteres Ma\u00df: Bsp. 5\/11\/3 = 5 F 11 Z = 1,93 Meter<\/p>\n<p>Sonst: Grundma\u00df 5 F = 1,62 Meter + Z, Bsp. 6 Z = 1,62 Meter, 16 Zentimeter = K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe 1,78 Meter<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Landgraf Ludwig IX. l\u00e4\u00dft in seiner Residenz- und Garnisonsstadt ein Exerzierhaus, Kasernen, Wachth\u00e4user, Offiziers- und Grenadierh\u00e4user, aber auch Kirchen, Schulen, ein Rathaus und eine M\u00fcnz errichten. 1763, am Namenstag des Landgrafen und nach Fertigstellung der die Garnison umschlie\u00dfenden Mauer, wird Pirmasens zur Stadt erhoben, die jedoch erst 1769 einige Privilegien und ein Siegel erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ludwig IX. starb am 6. April 1790. Zu diesem Zeitpunkt z\u00e4hlt Pirmasens rund 9.000 Einwohner, wovon 2.400 dem Milit\u00e4r angeh\u00f6rten. Da 65 Prozent der Soldaten verheiratet gewesen sind, bestand die Soldatenkolonie, einschlie\u00dflich Frauen, Kindern und Gesinde aus etwa 6.000 Menschen. Ludwig X. verlegte die Residenz nach Darmstadt und l\u00f6ste die Garnison in Pirmasens auf. Ende 1790 lebten noch rund 5.000 MenEin Schweizer Einwanderer, der 1656 in Venckhofen im Bernerland geborene Hans Heinrich Knerr (seine Familie war 1657 in Winzeln se\u00dfhaft geworden), heiratete 1682 die Tochter des Schulthei\u00dfen Faul in Pirmasens und lie\u00df sich als Ackerer in Gersbach nieder. Sein Sohn Jacob blieb als Leinenweber und Wirt in Gersbach. Dessen j\u00fcngerer Bruder Johann Eberhard, ebenfalls Leinenweber, war Gerichtssch\u00f6ffe und Schulthei\u00df in Donsieders, wo er die Stammlinie Knerr begr\u00fcndete. Der j\u00fcngere Bruder des Hans Heinrich Knerr, ebenfalls noch in der Schweiz geboren \u201cging am 15. August 1719 eine zweite Ehe ein, mit der Witwe des verstorbenen\u00a0 Schuldieners Johann Gubleth in Gersbach. Gerade diese Kirchenbucheintragung zeigt, wie alt in Gersbac pp\/ph das Schulwesen \/pist\u201d.schen in Pirmasens, drei Jahre sp\u00e4ter noch rund 3.000.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg der Stadt und ihrem Niedergang war das Schicksal vieler B\u00fcrger der umliegenden D\u00f6rfer, auch in Gersbach, verbunden. Aus den Diensten des Landgrafen entlassen, lebten in Gersbach auch drei Invalide, Nikolaus Hartmann, Christian Nicolai und Johann Bernhardt, die einen Jahressold von 18 Gulden und 15 Kreutzern erhielten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach in der Franzosenzeit<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Umw\u00e4lzungen im nahen Frankreich und die drohenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Soldaten der franz\u00f6sischen Revolution beschleunigten zweif\/pAdam Stegner\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 22\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 8 1\/2 Z\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1765-77\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 REellos die R\u00fcckf\u00fchrung der landgr\u00e4flichen Regierung nach Darmstadt und die Garnisonsaufl\u00f6sung in Pirmasens. Bereits im Sommer 1789 war es in den els\u00e4ssischen Besitzungen zu Unruhen gekommen, ebenso in den \u00fcberrheinischen Landesteilen Lichtenau und Willst\u00e4tt.<\/p>\n<p>Der franz\u00f6sischen Begeisterung vorausgegangen war der im patriotischen Taumel erfolgte Beschluss der franz\u00f6sischen Nationalversammlung, alle Privilegien und das Lehensrecht abzuschaffen. Als der greise Ludwig IX. davon erfuhr, rief er aus: \u201cDie Franzosen haben sich da eine Suppe eingebrockt, an der sie lange werden zu kauen haben und ich nicht mitessen m\u00f6chte.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die bittere Suppe auszul\u00f6ffeln hatten aber seine zur\u00fcckgebliebenen Landeskinder, denn nach dem Abzug der letzten Grenadiere im Juli 1792 und der kurz zuvor erfolgten Kriegserkl\u00e4rung Frankreichs an Kaiser und Reich begannen auch im Amt Lemberg die Unruhen. Zun\u00e4chst in B\u00e4renthal und Obersteinbach, dann schlossen sich die ehemals zu Bitsch geh\u00f6renden D\u00f6rfer der \u201cHackmesserseite\u201d der aufr\u00fchrerischen Bewegung an. Auf Bitten der Bev\u00f6lkerung wurden diese zusammen mit Simten und Erlenbrunn bereits Anfang 1793 mit Frankreich vereinigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Februar 1793 errichteten 400 Aufst\u00e4ndige in Pirmasens einen Freiheitsbaum. Im M\u00e4rz pflanzten die Windsberger ihren Freiheitsbaum und nach einigem Z\u00f6gern auch die Winzler Bev\u00f6lkerung. Die Errichtung eines Freiheitsbaumes verweigerten die Bewohner der Lemberger Annexen Ruhbank, Salzwoog und Kettrichhof. Im Sommer des gleichen Jahres begannen auch die kriegerischen Auseinandersetzungen. Franz\u00f6sische, kaiserliche und preu\u00dfische Verb\u00e4nde l\u00f6sten in der Region im Wechselspiel der Kr\u00e4fte einander ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cIn dieser unsicheren Zeit beobachteten jede Nacht zwei Mann auf dem Kirchturm der Johanneskirche die Stadt, bereit, beim geringsten L\u00e4rm Sturm zu l\u00e4uten.\u201d An einem Sonntag im Juli kamen die Franzosen mit Kavallerie und Infanterie in die treugebliebenen Gemeinden Fehrbach, Winzeln, H\u00f6hein\u00f6d und Gersbach, \u201czogen das Vieh\u00a0 aus den St\u00e4llen und pl\u00fcnderten die H\u00e4user&#8230; In Riedelberg lagen 700 Franzosen mehrere Wochen lang und sogen es v\u00f6llig aus.\u201d (aus: \u201c200 Jahre Pirmasens\u201d).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Pf\u00e4lzerwald war Kriegsschauplatz geworden: Schlie\u00dflich tobte am 14. September 1793 die Schlacht bei Pirmasens. An der Banngrenze von Gersbach, drunten im Bl\u00fcmelstal, fiel die Entscheidung. Die Franzosen von der Husterh\u00f6h und vom Schachen zur\u00fcckgedr\u00e4ngt, flohen, von den preu\u00dfischen Truppen verfolgt, in Richtung Hornbach, wobei sie schwere Verluste an Menschen und Material erlitten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach wird franz\u00f6sisch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis zum 22. September 1793 blieben die Preu\u00dfen in Pirmasens, um dann in Richtung Wei\u00dfenburg abzuziehen. Zwei Tage sp\u00e4ter kamen die Franzosen und besetzten die Stadt und das Umland. Eine lange Zeit der Requisition, von Raub und Pl\u00fcnderung, wollte kein Ende nehmen. Die Kommission\u00e4re und ihre st\u00e4ndig wiederkehrenden Ausleerungskommissionen wurden gef\u00fcrchtet wie das Feuer und gehasst wie die Pest.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Friedensschluss von Preu\u00dfen und Franzosen 1795 war unsere Region endg\u00fcltig franz\u00f6sisch geworden, nach dem Frieden mit \u00d6sterreich 1797 sogar die ganze Pfalz. Die Neuorganisation der Verwaltung nach franz\u00f6sischem Recht lief nur z\u00f6gernd an. Auch die Gersbacher mussten mit dem neuen franz\u00f6sisch-republikanischen Kalender leben. Das Jahr 1 der ungeteilten Frankenrepublik begann am 22. September 1793. Es war in zw\u00f6lf Dekaden zu je 30 Tagen aufgeteilt. Sonntage und kirchliche Feiertage wurden gestrichen. Die Gersbacher trugen ihre blau-wei\u00df-rote Kokarte in der Tasche oder, wie 1792 gesetzlich verordnet, am Rockaufschlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anstelle von Zehnten, Abgaben und Frondiensten traten nach franz\u00f6sischem Recht die Steuern, wobei selbst \u201cFenster- und T\u00fcrensteuern\u201d zu entrichten waren. Auch das b\u00fcrgerliche Recht und das Gerichtswesen wurde neu geordnet. Die W\u00e4lder und G\u00fcter der ehemaligen Herrschaft und der Kirchen wurden enteignet und an zahlungsf\u00e4hige B\u00fcrger versteigert. Die Pfarrer wurden verfolgt, Gottesdienste verboten, selbst Hochzeiten und Beerdigungen erfolgten ohne religi\u00f6ses Zeremoniell. Die jungen M\u00e4nner hatten beim franz\u00f6sischen Staat Kriegsdienst zu leisten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl erst im Jahr 1801 die Vereinbarungen von 1795 und 1797 v\u00f6lkerrechtlich best\u00e4tigt wurden, hatten die Franzosen bereits im Januar 1798 eine Territorialeinteilung der Rheinpfalz vorgenommen, bei der der Kanton Pirmasens mit \u201cG\u00f6rtsbach\u201d zum D\u00e9partement Donnersberg geh\u00f6rte. Gersbach und Winzeln wurden der \u201cMairie\u201d Vinningen zugeordnet. Die Amtssprache war franz\u00f6sisch.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach wird bayerisch<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das revolution\u00e4re Frankreich m\u00fcndete bald in die Napoleonische Herrschaft, der rasch &#8211; fast &#8211; ganz Europa untergeben war. Aber auch ihr war nur eine kurze Dauer beschieden. Napoleons Sturz und die Befreiung aus der franz\u00f6sischen Herrschaft wurde in der Stadt Pirmasens und den umliegenden Ortschaften schon im Mai 1814 mit einem Siegesfest gefeiert. Der zweite Friedensvertrag vom 20. November 1815 verwies Frankreich in die Grenzen von 1790. Die Pfalz wurde, nachdem mit \u00d6sterreich eine Einigung erzielt werden konnte, dem K\u00f6nigreich Bayern zuerkannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pf\u00e4lzer beobachteten die politischen Ereignisse mit Vorbehalt, f\u00fcrchteten sie doch die R\u00fcckf\u00fchrung in die Untert\u00e4nigkeit der Monarchie und zugleich die Schlie\u00dfung der Grenze zu Frankreich, wohin sich in den vergangenen 15 Jahren starke wirtschaftliche Beziehungen entwickelt hatten. Aber auch in M\u00fcnchen misstrauten viele ihren rheinbayerischen Landeskindern, die den freiheitlich-demokratischen Geist der Revolution in ihren Herzen trugen. So kam es, wie es kommen musste, Wirtschaft und Handel lagen darnieder, die Not regierte das Land, ein fruchtbarer N\u00e4hrboden war f\u00fcr die revolution\u00e4re Bewegung, die schon im Jahr 1819 einsetzte und mit dem Hambacher Fest 1832 ihren ersten H\u00f6hepunkt erreichte, geschaffen. Wieder trugen die Menschen Kokarten, diesmal in den Farben schwarz-rot-gold und freiwillig. Wieder wurden, sehr zum Missfallen der Regierung in M\u00fcnchen, Freiheitsb\u00e4ume gepflanzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher d\u00fcrften an der Freiheitsbewegung 1832 nicht beteiligt gewesen sein, denn in einem \u201cSchwarzen Buche\u201d, das ver\u00f6ffentlicht wurde, ist kein Gersbacher genannt. Anders scheint es mit der revolution\u00e4ren Bewegung der Jahre 1848\/49 gewesen zu sein, die die Losl\u00f6sung der Pfalz von Bayern und die Bildung einer demokratischen Republik zum Ziel hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Notar Ludwig Diehl, der F\u00fchrer der republikanischen Bewegung in Pirmasens und dem Umland, gr\u00fcndete einen \u201cVolksverein\u201d, dem mehrere hundert Mitglieder aus den Reihen der \u201cExzentrischen und Unzufriedenen\u201d beitraten. Diehls Mitstreiter, der Kaufmann Michael Baumann, \u201cgab am 12. Juni Anweisung an die Schmiede und Schlosser, Sensen f\u00fcr die Freisch\u00e4rler herzustellen\u201d. Die Mitglieder der gebildeten B\u00fcrgerwehr \u201cversammelten sich in der Stadt und in den D\u00f6rfern zu kriegerischen \u00dcbungen und hatten in Scheunen Flinten, Dreschflegel und Sensen zum Losschlagen gesammelt.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da\u00df dies auch in Gersbach so gewesen ist, bezeugt die noch heute im \u201cTrampeleck\u201d &#8211; am Westring &#8211; stehende \u201cExerzierscheier\u201d, auf die August Rothaar in seinem folgenden Beitrag \u00fcber die Auswanderer einen Hinweis gibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 16. Juni 1849 zogen auch die Freisch\u00e4rler aus der Umgebung von Pirmasens gegen die vom bayerischen K\u00f6nig beorderten Preu\u00dfen: In den W\u00e4ldern bei Rinnthal kam es zum Kampf. \u201cAber was half alle Begeisterung, alle Tapferkeit, zu ungleich waren die Kr\u00e4fte verteilt.\u201d Der Zusammenbruch der Aufst\u00e4ndischen war nicht aufzuhalten, f\u00fcr die Anf\u00fchrer blieb nur der Weg in die Emigration \u00fcbrig. Viele tausend Auswanderer, die sich mit den wirtschaftlichen und politischen Verh\u00e4ltnissen in Deutschland nicht abfinden konnten, folgten ihnen \u201c\u00fcber den gro\u00dfen Teich\u201d in das Land der Freiheit und der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten, nach Amerika.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel 02d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbacher Auswanderer<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Adolf Rothaar<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1986 trafen sich in Clearfield Co, Pennsylvania, die Nachkommen vieler Gersbacher Auswanderer, die sich dort in den Jahren zwischen 1830 und 1870 angesiedelt hatten. Zu jener Zeit gab es im alten Gersbach, am jetzigen Westring, auf dem Matzenberg, am Fl\u00f6ssel und Umgebung fast kein Haus ohne Auswanderer. Mi\u00dfernten, nasse Jahre, Lebensmittelverteuerung und auch politische Gr\u00fcnde hatten sie dazu bewogen, ihre Heimat zu verlassen. Im Westring steht beim Anwesen Ziliox noch eine alte Scheune aus dieser Zeit, ein Fachwerkbau. Sie wird von alten Gersbachern Exerzierscheune genannt, weil sich dort junge M\u00e4nner w\u00e4hrend der Freiheitsbewegung auf den Freiheitskampf vorbereitet hatten. Vielleicht waren einige von ihnen dadurch in Schwierigkeiten geraten und hatten auch aus diesem Grund die Heimat verlassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Auswandern wurde durch eine \u201cSpezialagentur\u201d in Pirmasens, die Auswanderungspapiere besorgte und die Schiffe f\u00fcr die \u00dcberfahrt vermittelte, erleichtert. Auch in Bitsch gab es eine solche Agentur. Die Schiffahrt dauerte f\u00fcnf bis sechs Wochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Clearfield siedelten sich damals folgende Familien aus Gersbach an: Christian Haag und seine Frau Katharina Knerr, Johann Friedrich Hatzfeld und seine Frau Catharina Risch, Johann Adam M\u00f6rschel mit Frau Margaretha Stegner, Georg Adam Faudie und Frau Katharina Weber, Jakob Heilbrunn und Frau Charlotte (Winzeln), Heinrich Joas und Frau Elisabeth Ziliox, Adam Weber und Frau Margaretha Faudie, Gottfried Weber und Frau Katharina Schmidt, Karl Ziliox und Frau Elisabeth Weber, Johann Georg Weber und Frau Charlotte Ziliox, Gottfried Ziliox und Frau Charlotte M\u00f6rschel, Georg Knerr und Frau Louise Wei\u00dfgerber, Familie Kunz, Christian Hatzfeld und Frau Salomea Zumstein, Adam Wei\u00dfgerber und Katharina Ammann, Heinrich M\u00f6rschel und Margaretha Ziliox, Georg Adam Korb und Kath. Barbara Amann, Familie Georg Wingert. Diese Familien kn\u00fcpften nun enge Bande: Bei der Ansiedlung, beim Hausbau und beim Roden der Felder half man sich gegenseitig &#8211; die Nachbarschaftshilfe war gro\u00df.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kirchenbau der Gersbacher Siedler<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher Siedler bauten im Jahr 1842 eine eigene Kirche zwischen Luthersburgh und Troutville in Clearfield Co. Sie tr\u00e4gt den Namen \u201cSalem Lutheran Church\u201d. Im September 1843 wurde sie eingeweiht. Wenn man in den ersten Kirchenb\u00fcchern dieser Kirche bl\u00e4ttert, glaubt man, ein Buch einer Gersbacher Kirche vor sich zu haben. Die ersten Eintr\u00e4ge sind alle in der alten deutschen Schrift sorgf\u00e4ltig niedergeschrieben. Auf einer Liste ist zu lesen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Margarethe Scherer\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 geb.\u00a0\u00a0\u00a0 14.10.1842 Gersbach<\/p>\n<p>Katharina Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 15.04.1831 Pirmasens<\/p>\n<p>Adam Wei\u00dfgerber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 13.02.1830 Gersbach<\/p>\n<p>Margaretha Ziliox\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 21.03.1836 Gersbach<\/p>\n<p>Friedericke Degener\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 04.09.1836 Stiebel\/Westphalen<\/p>\n<p>Maria Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a007.1809 Winzeln<\/p>\n<p>Georg Adam Heilbrunn\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 06.10.1836 Winzeln<\/p>\n<p>Katharina M\u00f6rschel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 15.11.1826 Gersbach<\/p>\n<p>Georg Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 12.01.1825 Gersbach<\/p>\n<p>Margaretha Ziliox\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 23.01.1824 Gersbach<\/p>\n<p>Caroline H\u00fcther\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 13.06.1830 W\u00fcnschberg (=Windsberg)<\/p>\n<p>Christian Hatzfeld\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 20.08.1829 Gersbach<\/p>\n<p>Georg Jakob Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 16.11.1832 Gersbach<\/p>\n<p>Joh. Friedrich Oswald\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 10.07.1824 Sachsen<\/p>\n<p>Georg Jakob Ziliox\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 31.01.1830 Gersbach<\/p>\n<p>Friedrich Knerr\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 05.05.1827 Gersbach<\/p>\n<p>Georg Adam M\u00f6rschel\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 23.04.1834 Gersbach<\/p>\n<p>Christian Korb\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 01.10.1827 Gersbach<\/p>\n<p>Heinrich Hatzfeld\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 20.05.1835 Gersbach<\/p>\n<p>Adam Knerr\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 17.03.1827 Bayern<\/p>\n<p>Heinrich Georg Weber\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 18.05.1830 Gersbach<\/p>\n<p>Heinrich Ziliox\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 06.03.1829 Gersbach<\/p>\n<p>Georg Hatzfeld\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 05.04.1841 Pfalz (=Gersbach)<\/p>\n<p>Adam Haag\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe den Einwanderungsweg einiger Gersbacher verfolgt und mir von ihrer Siedlungszeit berichten lassen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Georg Knerr und seine Frau Louise Wei\u00dfgerber wanderten mit ihren f\u00fcnf Kindern im Jahr 1831 aus. Sie kamen zun\u00e4chst nach Philadelphia. Dort kauften sie sich einen Wagen und zwei Pferde und machten sich auf den Weg nach Warren in Pennsylvania. Sie fuhren von Sunburg, Bellefonde nach Clearfield. W\u00e4hrend sie dort f\u00fcr eine Essenspause an einem Rastplatz anhielten, unterhielten sie sich mit dem Landlord. Ein Fremder gesellte sich hinzu und erz\u00e4hlte, dass in der N\u00e4he ein Deutscher lebe, der Kunz hei\u00dfe. Da horchten sie auf, denn sie wussten, dass ein fr\u00fcherer Nachbar mit dem Namen Kunz nach Amerika ausgewandert war. Ihn wollten sie vor ihrer Weiterfahrt nun noch kurz aufsuchen. Gro\u00df war die Wiedersehensfreude, als man sich traf: Nachdem sie \u00fcber alles gesprochen hatten, \u00fcberredete Kunz sie, doch an diesem Ort zu bleiben. Auf seinen Rat bekamen sie 181 acre (=293 Morgen) Land auf der Seite von Troutville. Es war schweres, unbebautes Holzland. Auf die Familie Knerr (Kn\u00f6rr) wartete viel Arbeit. Zuerst f\u00e4llten sie die B\u00e4ume f\u00fcr ein Holzhaus mit einem zweiseitigen Dach, lediglich der Schornstein wurde mit Steinen gebaut. Sie arbeiteten flei\u00dfig, bis sie eine sch\u00f6ne Farm besa\u00dfen. Die Frau unterst\u00fctzte ihren Mann in der Anfangszeit bei allen Arbeiten kr\u00e4ftig. Sie starb am 7. August 1865, Georg Knerr am 23. Oktober 1880 im Alter von 93 Jahren. Sie hinterlie\u00dfen sechs Kinder, von denen eines schon im Amerika geboren war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Lebens des Farmers Heinrich Weber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich Weber wurde in den Vereinigten Staaten durch seine gro\u00dfen F\u00e4higkeiten und sein fortschrittliches Denken eine gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeit. Im \u201cComemorative Biographical Record\u201d wird folgendes berichtet: Herr Heinrich Weber von Brady township, Clearfield country, war 1830 in Gersbach geboren worden. Als er acht Jahre alt war, brachten ihn seine Eltern Gottfried Weber und Catharina Schmidt auf einem Segelschiff mit in die Neue Welt, nach einer langen m\u00fchseligen Fahrt von 42 Tagen. Sie siedelten sich in Clearfield country an. Der Vater kaufte hier 175 acre (= etwa 285 Morgen) wildes, unbebautes Land in Brady township. Nur etwa zehn acre (= 16 Morgen) konnten sofort bepflanzt werden. Die Familie lebte zun\u00e4chst provisorisch in einem kleinen Holzhaus. Es dauerte bis zum Jahr 1849, bis sie alles unter viel M\u00fche und Gefahren kultiviert hatte. Sp\u00e4ter baute sie sich auch ein gr\u00f6\u00dferes Haus. 1851 starb die Frau.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich Weber war das \u00e4lteste von vier Kindern dieser ehrw\u00fcrdigen Familie. Seine Schwester Katharina, auch in Gersbach geboren, war in Brady township aufgewachsen und heiratete Friedrich Korb, der ebenfalls dort lebte. Beide waren zun\u00e4chst auf der Farm der Webers t\u00e4tig, dann siedelten sie nach Cleveland (Ohio) um, wo sie bis zu ihrem Tod mit ihren vier Kindern lebten. Heinrichs Bruder Gottfried, der in Clearfield geboren wurde, heiratete Margaretha Wingert, deren Eltern ebenfalls aus Gersbach eingewandert waren. Sie lebten in einem Teil des alten Wohnhauses. Ihre Tochter heiratete wiederum einen Jakob Haag, Nachbarssohn der Auswandererfamilie Haag aus Gersbach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich Weber besuchte w\u00e4hrend der Wintermonate gewissenhaft die Lokalschule, in den Sommermonaten arbeitete er flei\u00dfig auf der elterlichen Farm bei der Urbarmachung und Verbesserung mit. Auf dieser Fram wirkte er dann sp\u00e4ter selbst als der Farmer. Im Jahr 1867 baute er eine Scheune, die jetzt noch in Gebrauch ist, im gleichen Jahr errichtete er auch ein sch\u00f6nes ger\u00e4umiges Wohnhaus f\u00fcr seine Familie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcberall f\u00fchrte er Verbesserungen ein, so dass heute die Farm eine der sch\u00f6nsten in Brady township ist. Er wirtschaftete stets ordentlich und sparsam. Im Jahre 1851 heiratete er Cath. Ziliox, eine Tochter von Karl Ziliox und Frau Maria Elisabetha Weber, die ebenfalls eine Farmerfamilie in Brady township gewesen sind. Nach einer gl\u00fccklichen Ehe von mehr als 40 Jahren starb die Ehefrau von Heinrich Weber im jahr 1893. Die neun Kinder des Ehepaares heirateten fast alle Nachfahren anderer Gersbacher Einwanderer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heinrich Weber war ein guter Demokrat, der immer hervorragend und aktiv in der Gesellschaft mitarbeitete. Er war f\u00fcr zwei Perioden Schuldirektor. Im christlichen Glauben war er, als Lutheraner, gemeinsam mit seiner Familie mit der Kirche fest verbunden. Er war ein Mann von gro\u00dfer G\u00fcte und freundlicher Art. Mit seinem gro\u00dfen Scharfsinn setzte er sich bis zu seinem Tod 1919 immer vorbildlich f\u00fcr die Gemeinschaft ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher Auswanderer in Clearfield blieben durch Nachbarschaft und Heirat immer in enger Verbindung, die selbst bis heute noch andauert, auch wenn viele Familien aus ihrer Nachkommenschaft in anderen US-Bundesstaaten wohnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel 02e<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom 19. Jahrhundert bis zum Dritten Reich<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Fritz Burger<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cDer Kessel war zu klein\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Pirmasenser Schriftstellerin Erneste Fuhrmann-Stone, eine Enkeltochter des\u00a0 Maschinenbauers Jakob Sandt, schreibt in ihrem Buch \u201cIm Spiegel\u201d aus der Zeit der Hungerjahre 1848\/49, in der ihr Ururgro\u00dfvater Karl Weber einer der wenigen in Gersbach gewesen ist, der sich \u201c\u00fcber Wasser halten und der sich \u201cB\u00e4ckerbrot\u201d kaufen konnte\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anders sah es beim Schreiner Peter Schmidt aus. \u201cDie Not sa\u00df mit am Tisch. Sie war auch auf dem Acker und im Stall daheim. Mehr als 40 Familien mussten auswandern, aus den \u00fcbrigen H\u00e4usern der eine oder der andere. Es war ein bitteres Wort, als der alte Schreiner Schmidt, &#8230; mit den Seinen beim k\u00e4rglichen Mahl sa\u00df und sagen musste: der Kessel ist f\u00fcr uns alle zu klein, zwei von Euch Kindern m\u00fcssen fort! Nun war es beschlossen. Zwei der Kinder mussten fort, die 18j\u00e4hrige N\u00e4herin Luise Schmidt und ihr Bruder Jakob, der auch das Schreinern erlernt hatte&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jakob \u00fcberlebte die \u00dcberfahrt nicht. Er ruht im Seemannsgrab. F\u00fcr Luise hatte das Schicksal eine gl\u00fcckliche Zukunft bestimmt. Sie heiratete einen Farmersohn. Er besa\u00df sieben Farmen, f\u00fcr jedes der Kinder die sie zur Welt brachte eine. Doch nach Gersbach kam sie nie wieder, so sehr sie, ihre Eltern und Geschwister, sich das gew\u00fcnscht hatten. \u201cWenn ich an das gro\u00dfe Wasser denk und meinen Bruder Jakob, so kann ich den weiten Weg nicht mehr kommen\u201d, schrieb Luise ihrem alten Vater als Trost.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach &#8211; Zahl der Einwohner<\/p>\n<p>1620\u00a0\u00a0 zirka 32<\/p>\n<p>1658\u00a0\u00a0 zirka 20<\/p>\n<p>1769\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 170 (M. 37\u00a0 W. 39\u00a0 Ki. 82\u00a0 Ges. 12)<\/p>\n<p>1770\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 218<\/p>\n<p>1771\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 150<\/p>\n<p>1773\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 176<\/p>\n<p>1776\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 201<\/p>\n<p>1777\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 169<\/p>\n<p>1779\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 200<\/p>\n<p>1780\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 237<\/p>\n<p>1787\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 217<\/p>\n<p>1802\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 304 (K. 7\u00a0 Ref. 41\u00a0 Luth. 256)<\/p>\n<p>1834\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 443 (K. 10\u00a0 Prot. 433)<\/p>\n<p>1849\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 421<\/p>\n<p>1861\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 365 (K. 16\u00a0 Prot. 349)<\/p>\n<p>1899\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 504<\/p>\n<p>1906\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 538<\/p>\n<p>1919\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 668<\/p>\n<p>1933\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 720<\/p>\n<p>1940\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 850<\/p>\n<p>1963\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 1150<\/p>\n<p>1996 zirka 1600<\/p>\n<p>Verschiedene Quellen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ortsname Gersbach im Wandel der Jahrhunderte<\/p>\n<p>1295\u00a0\u00a0 Gerlisbach<\/p>\n<p>1348\u00a0\u00a0 Gerspach<\/p>\n<p>1390\u00a0\u00a0 Gerspercher Gemarkung<\/p>\n<p>1534\u00a0\u00a0 Gerstbach<\/p>\n<p>1626\u00a0\u00a0 Gerspach<\/p>\n<p>1688\u00a0\u00a0 Gerschbach<\/p>\n<p>1726\u00a0\u00a0 Gerspach<\/p>\n<p>1798\u00a0\u00a0 G\u00f6rtsbach<\/p>\n<p>Verschiedene Quellen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von 1848 bis 1900<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Auswirkungen der Hungerjahre und der Auswanderung auf die Bev\u00f6lkerungsentwicklung werden deutlich an den Einwohnerzahlen. Im Jahre 1834 werden in Gersbach insgesamt 443 Einwohner gez\u00e4hlt. 1849 waren es 421 und 1861 nur noch 365, davon 349 Protestanten und 16 Katholiken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch im Jahr 1848 bildete Gersbach und Winzeln zusammen mit Vinningen ein B\u00fcrgermeisterei. Peter K\u00f6lsch I. in Vinningen ist B\u00fcrgermeister, Jakob Weber IV. in Gersbach Adjunkt, also Ortsvorsteher, gewesen. Erst einige Jahre sp\u00e4ter wurde Gersbach Winzeln zugeordnet und bildete mit den M\u00fchlen im Felsalbtal eine B\u00fcrgermeisterei.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die zweite H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts, die Zeit der Industrialisierung, brachte auch f\u00fcr Gersbach eine positive Entwicklung. Hierbei war der Einfluss der naheliegenden Stadt, in der die ersten Schuhfabriken entstanden, deutlich zu sp\u00fcren. Das &#8222;Hutp\u00e4\u00e4dche&#8220; erhielt wieder st\u00e4rkere Bedeutung, denn t\u00e4glich gingen viele M\u00e4nner und Frauen zur Arbeit in die &#8222;Fabrik&#8220;, andere machten Heimarbeit. Neue, bessere Stra\u00dfen durchzogen das Land. W\u00e4hrend die Stadt noch 1862 auf den \u201cDampfstra\u00dfenwagen\u201d hoffte, begann schon bald der Ausbau der Eisenbahnlinie, \u00fcber die im Jahr 1875 &#8211; vom &#8222;Hutp\u00e4\u00e4dche&#8220; aus sichtbar &#8211; der erste Zug nach Pirmasens rollte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach fand Verbindung zur weiten Welt durch die Einf\u00fchrung eines Landzustellerbereichs: Schon seit 1858 kam der Landbote in seiner Dienstuniform w\u00f6chentlich mindestens einmal auf seinem Weg von Pirmasens \u00fcber Winzeln, Windsberg, Dusenbr\u00fccken, N\u00fcnschweiler, H\u00f6hm\u00fchlbach, H\u00f6heischweiler, Hengsberg und Fehrbach auch in Gersbach vorbei. Sp\u00e4ter stellte auch die Privatpost Kn\u00f6rr aus Pirmasens, selbst am Sonntag, Briefe, Karten und P\u00e4ckchen zu. Das Porto betrug zehn Pfennige.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Gersbach entwickelten sich kleine Handwerksbetriebe, darunter im Jahr 1867 die Werkstatt des Mechanikus Jakob Sandt. Dieser wird auch als Vertreter der Gemeinde im Distriktarmenpflegerath genannt. Vertreter des gr\u00f6\u00dferen Grundbesitzes ist Gottfried D\u00e4ther, Ackerer. Carl G\u00f6ttel, Ackerer, geh\u00f6rt dem Presbyterium an. Lehrer Buchheit wirkt als \u201cHausvater\u201d im protestantischen Waisenhaus in Pirmasens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbach \u201cKongries\u201d dienten in der Garnison Zweibr\u00fccken bei dem 22. bayerischen Infanterieregiment. Von dort zogen sie auch in den Krieg 1870\/71, der im Sommer des Jahres 1870 die Bev\u00f6lkerung in gro\u00dfen Schreck und Angst versetze. Aber gl\u00fccklicherweise blieb das Grenzland diesmal verschont, der Krieg verlagerte sich sehr rasch in das Innere Frankreichs.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von den Wiesen im Bl\u00fcmelstal<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ackerer Gottfried D\u00e4ther beklagt sich am 19. Januar 1866 beim k\u00f6niglichen Bezirksamt \u00fcber die unzureichende Reinigung des M\u00fchlgrabens in der Bl\u00fcmelsbach, im Fehrbacher Bann, der \u201cschon seit urdenklichen Zeiten von den angrenzenden Wiesenbesitzern, der absoluten Notwendigkeit halber, allj\u00e4hrlich im Sp\u00e4therbst ausgehoben und geputzt\u201d wurde. Dies sei in den letzten Jahren, so D\u00e4ther, \u201cauf h\u00f6chst ungeh\u00f6rige Weise, n\u00e4hmlich nie in der geh\u00f6rigen Breite und Tiefe\u201d geschehen. Dadurch k\u00f6nne er seine Wiese nicht bew\u00e4ssern, was ihm zu hohen Schaden gereiche. Schon am 1. Februar 1866 gibt der B\u00fcrgermeister Jennewein von Fehrbach die Beschwerde \u201cmit gehorsamsten Bemerken zur\u00fcck, dass der in Rede stehende M\u00fchlgraben .. schon vor Wochen gereinigt und eine Beschwerde D\u00e4thers nicht m\u00f6glich ist &#8230;.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bereits in den Jahren 1860 und 1863 hatte Gottfried D\u00e4ther, mit Heinrich M\u00f6rschel und sechs weiteren \u201cConsorten\u201d, Klage gegen den M\u00fcller Friedrich Schopfer von der Pelzm\u00fchle wegen zu hohen Wasserstandes und der dadurch erfolgten \u00dcberflutung der Talwiesen gef\u00fchrt. Nach einer von der \u201cK\u00f6niglichen Bayerischen Regierung der Pfalz &#8211; Kammer des Innern\u201d am 20. August 1861 erfolgten Ortsbesichtigung wurde die Beschwerde der Gersbacher Wiesenbesitzer als unbegr\u00fcndet abgewiesen, da der M\u00fcller nicht gegen die am 16. Juli 1857 erfolgte \u201cAufpfahlsetzung\u201d und die ihm \u201czugewiesene Stauh\u00f6he\u201d versto\u00dfe: \u201dDie Wiesenbesitzer, nicht der M\u00fcller sind also an der steten Versumpfung der Wiesen\u00a0 schuld, die leicht abgewendet werden kann durch die Anlage eines Flutgrabens und durch einen Gradstich des Mutterbaches\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus den Akten der Brandversicherung<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Archiv der Stadt Pirmasens finden sich in der Akte \u201cK\u00f6nigliches Bezirksamt\u201d die Unterlagen der \u201cPf\u00e4lzischen Geb\u00e4udeversicherung\u201d aus der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts. Hierin wird \u00fcber Br\u00e4nde in Gersbach berichtet und die \u201cnach erfolgter Absch\u00e4tzung des verursachten Schadens den genannten Brandgesch\u00e4digten zukommende Verg\u00fctung\u201d festgesetzt. So erh\u00e4lt der Ackerer Phillip G\u00f6ttel, f\u00fcr den infolge eines Brandes am 24. Januar 1866 an seinem im Wert von 800 Gulden versicherten \u201cWohn- und Oekonomie-Geb\u00e4udes\u201d entstandenen Schaden eine Verg\u00fctung von zwei Gulden und 24 Kreuzern.<\/p>\n<p>Bei Friedrichs Schaefers Wittw. entstand bei einem Brand am 11. M\u00e4rz 1869 ein Schaden von 19 Gulden und 45 Kreuzern. Dem Ackerer Gottfried D\u00e4ther III. wird nach einem Brand am 24. April 1869 bereits am 9. Mai eine Entsch\u00e4digung von 16 Gulden und zw\u00f6lf Kreuzern zugesprochen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem Ackerer und Wirth Georg Weber dagegen wird f\u00fcr seine am 25. Juli 1868 abgebrannten Geb\u00e4ude eine Entsch\u00e4digung versagt, weil \u201cunzweifelhaft feststeht und durch die k. Gendarmerie konstatiert wurde, dass der nebige Brand von der Elisabeth Weber, minderj\u00e4hrigen Tochter des Besch\u00e4digten Georg Weber, dadurch veranlasst wurde, das dieselbe Streichfeuerzeug aus einem Korb entnahm, welch letzterer unter einem Tisch in dem offenen Tanzsaal stand, und damit das Heu auf dem nahegelegenen Stallboden anz\u00fcndete\u201d. Weber wird mit der Begr\u00fcndung der fahrl\u00e4ssigen Handlung und der Verletzung der Aufsichtspflicht Selbstverschulden unterstellt. Aus diesen Gr\u00fcnden sah sich die Geb\u00e4udeversicherung au\u00dferstande, den Schaden zu regulieren: \u201cDagegen wird vorbehaltlich Regresses an besagtem Weber, dem gleichfalls mit besch\u00e4digten Ackersmann Georg Adam Knerr, den begutachteten Betrag von drei Gulden zuerkannt\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Georg Weber protestierte gegen die Entscheidung. Danach wird am 17. Dezember 1868 \u201cdem Rubrikaten f\u00fcr erlittenen Schaden\u201d folgende Entsch\u00e4digung zuerkannt:<\/p>\n<ol>\n<li>a) an dem Wohn- und Oekonomiegeb\u00e4ude 2134 Gulden, 94 Kreuzer<\/li>\n<li>b) an der Brennerei, Wohnung (Tanzsaal) 311 Gulden<\/li>\n<li>c) an dem Schuppen \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a039 Gulden 12 Kreuzer<\/li>\n<li>d) an den Schweinest\u00e4llen \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a02 Gulden<\/li>\n<\/ol>\n<p>Gesamt:\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a02487 Gulden 6 Kreuzer<\/p>\n<p>Aus der H\u00f6he der Schadenssumme ergibt sich das Ausma\u00df des Brandschadens, an dem f\u00fcr insgesamt 3380 Gulden versicherten Gesamtbesitz des Georg Weber. Gleichzeitig wird dem Gesch\u00e4digten zur Kenntnis gebracht, \u201cda\u00df die Entsch\u00e4digung wegen vollst\u00e4ndiger Ersch\u00f6pfung der Brandkasse erst Anfang Februar kommenden Jahres ausbezahlt werden kann\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 12. Januar des Jahres 1872 brannte das Gemeindehirtenhaus in den Almen samt Stallungen ab. Die pf\u00e4lzische Geb\u00e4udeversicherung erstatte f\u00fcr die \u201ctotale Brandbesch\u00e4digung\u201d den vollen Versicherungswert in H\u00f6he von 550 Gulden. Zur Regulierung angewiesen wurden zun\u00e4chst nur 350 Gulden. Die Restzahlung erfolgte erst nach \u201cVorlage eines b\u00fcrgermeisteramtlichen Zeugnisses \u00fcber die vollendete feuerverordnungsm\u00e4\u00dfige Wiederherstellung der besch\u00e4digten Geb\u00e4udlichkeiten\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der erste Brandschaden, der in Reichsmark abgerechnet wurde, war der des Jakob Bohrer. Am 22. November 1877 wurde durch einen Brand sein Wohnhaus teilweise besch\u00e4digt. Die Scheuer brannte bis auf die Grundmauern ab. F\u00fcr den Schaden an dem mit 860 Reichsmark versicherten Wohnhaus erhielt Jakob Bohrer 363,98 Mark, f\u00fcr die Scheuer den Versicherungswert von 770 Mark, davon 663,98 Reichsmark als Abschlag, die restlichen 500 Reichsmark nach der \u201cFertigstellung der gesch\u00e4digten Geb\u00e4ude\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher Gemeinder\u00e4te in den Jahren 1870 und 1880<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus den Jahren 1870 und 1880 liegen uns zwei Protokolle \u00fcber die \u201cBeeidung der B\u00fcrger aus Gersbach\u201d, die in den Rat der B\u00fcrgermeisterei Winzeln berufen wurden, vor. Hier die Protokollausz\u00fcge, zun\u00e4chst das Dokument von 1870:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cAm 8. Januar haben jeder der nachbenannten Gemeinderaths Mitglieder von Gersbach, also:<\/p>\n<ol>\n<li>G\u00f6ttel Karl, 2. Bohrer Jakob, 3. Ziliox Heinrich, 4. Weber Hrch. VII. in die H Kuntz Heinrich, alle aus Gersbach, in Eid und Pflicht genommen\u201d.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im Kaiserreich<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Begeisterung \u00fcber den gemeinsamen Sieg der deutschen Landsmannschaften f\u00fchrte schon bald zur Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches. Am 18. Januar 1871 \u00fcbernahm K\u00f6nig Wilhelm I. von Preu\u00dfen die Kaiserw\u00fcrde, zu der ihn K\u00f6nig Ludwig II. von Bayern, im Namen der F\u00fcrsten und freien St\u00e4dte Deutschlands, aufgefordert hatte. 41 Millionen Deutsche unterstanden der von F\u00fcrst Bismarck gepr\u00e4gten und von Preu\u00dfen weitgehend bestimmten Reichsgewalt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Optimismus begann die \u201cneue Zeit\u201d, auch in Gersbach. Die Mark l\u00f6ste schon bald den Taler, den Gulden, den Kreutzer und den Franken als Zahlungsmittel ab. Das Meterma\u00df verdr\u00e4ngte das Zoll, den Schuh, die Rute und den Fu\u00df. Der Liter und das Kilo lie\u00dfen das Malter, den Simmer, den Sester und das Ma\u00df vergessen. Es folgten reichseinheitliche Gesetze, Zollbestimmungen, Handels- und Zivilrechte und vieles andere mehr, auch durch die rasche Entwicklung in allen Bereichen des Wirtschaftslebens bestimmt. Ein gesellschaftlicher Umbruch ersch\u00fctterte selbst die Dorfgemeinschaften und lie\u00df die schwindende Bedeutung des Bauerstandes deutlich werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine Haufensiedlung in der Mulde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cGersbach ist eine Haufensiedlung in der Mulde\u201d lesen wir im zweiten Band der \u201cKunstdenkm\u00e4ler Rheinland\/Pfalz\u201d. Um den Dorfbrunnen und am \u201cFl\u00f6ssel\u201d gruppieren sich, \u00fcberwiegend verputzt, Einfirst- und Wohnh\u00e4user mit wechselnden Giebel- und Traufanlangen. Zum Matzenberg hin und an der Stra\u00dfe nach Windsberg stehen langgestreckte Einfirsth\u00e4user, die teils mit Wohn-, Scheuer- und Stallgeb\u00e4uden zu Hakenlagen ausgebaut sind. Die Backh\u00e4user, hier wie \u00fcberall im Schwinden begriffen, standen getrennt vom Wohnhaus. Ebenso die \u201cAltensitze\u201d, die noch heute bei einigen Hofanlagenerhalten sind. Vereinzelt gab es Ziehbrunnen oder eigene Brunnen beim Haus. Die Zehntscheunen, l\u00e4ngst ausgedient, standen bis vor wenigen Jahren am Dorfplatz und zwei im \u201cTrampeleck\u201d (Westring), das gemeindeeigene Hirtenhaus in den \u201cAlmen\u201d auf dem heutigen Denkmalsplatz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Inmitten der Mulde, beim Dorfbrunnen, dort wo das \u201cG\u00e4wweleck\u201d und das \u201cTrampeleck\u201d zusammensto\u00dfen, errichtete die Gemeinde im Jahr 1834 ein Schulhaus. Drei Generationen Gersbacher Kinder lernten in dem im klassizistischen Stil erbauten Schulgeb\u00e4ude lesen, rechnen und schreiben. Im Jahr 1901 zogen die Jungen und M\u00e4dchen mit geschm\u00fcckten Sommertagsstecken und einer Brezel als Belohnung in das neue Schulhaus droben auf dem \u201cNeuhof\u201d. Damit die Schule, in der auch die \u201cAmtsstube\u201d untergebracht war, nicht so alleine am Dorfrand stand, errichtete die bayerische Forstverwaltung an der Ecke gegen\u00fcber ein von einer hohen Gartenmauer umgebenes staatliches Forsthaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Ortstra\u00dfe wird chaussiert<\/p>\n<p>\u201cB\u00fcrgermeisteramt Winzeln\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 5. August 1890<\/p>\n<p>An<\/p>\n<p>das K\u00f6nigliche Bezirksamt Pirmasens<\/p>\n<p>Betreff Wegherstellung in der Gemeinde Gersbach<\/p>\n<p>Die Gemeinde Gersbach hat bescGersbach wird bayerischhlossen, einen Ortsweg zu chaussieren, d\/pamitpol derselbe in richtiger Form angelegt wird und die Arbeiten beaufsichtigt werden, hat der Gemeiderath von Gersbach den Distriktstra\u00dfenw\u00e4rter Friedrich Knerr von Vinningen zum Stra\u00dfenaufseher f\u00fcr diese Regiearbeit gedungen&#8230;. Namens des Gemeinderathes von Gersbach, bitte ich gehorsamst, den Stra\u00dfenw\u00e4rter Knerr die Genehmigung zur F\u00fchrung der Bauaufsicht g\u00fctigst ertheilen zu wollen. Gehorsamst Gaubatz B\u00fcrgermeister\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 19. August schreibt der B\u00fcrgermeister erneut an das K\u00f6nigliche Bezirksamt:<\/p>\n<p>\u201cNach dem mit dem Wegebau alsbald begonnen werden soll, bin ich so frei hohe Beh\u00f6rde an mein am 5. l. Monats vorgelegte Gesuch zu erinnern\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Doch bis zum 7.November m\u00fcssen sich die Gersbacher gedulden. \/p AnAn diesem Tag schreibt der Bezirksbauschaffner Schmitt, \u201cdas dem Ansuchen\u00a0 unter der Bedingung zu entsprechen sein d\u00fcrfte, da\u00df der Stra\u00dfenw\u00e4rter auf die Dauer dieser Verwendung einen Stellvertreter zur Versehung seines Dienstes auf eigene Kosten aufstellt\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach und nach schlo\u00df sich die L\u00fccke von der Mulde herauf. Die neuen H\u00e4user und Gewerbebauten begrenzten mehr und mehr die \u00fcber die H\u00f6he f\u00fchrende Pirmasenser Stra\u00dfe, an deren Ende im Jahr 1889 der erste gemeindeeigene Friedhof angelegt wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher lieb\u00e4ugelten mit den Errungenschaften der Neuzeit: Mit elektrischem Strom und Stra\u00dfenbeleuchtung, aber auch im Stillen mit der Anbindung an die geplante Bahnlinie nach Bitsch. Der nahende Krieg im Jahr 1914 machte jedoch alle Hoffnungen zunichte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sitten und Brauchtum im Wandel der Dorfgemeinschaft<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Wandel in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderten auch das Gemeinschaftsleben in Gersbach. Sitte und Brauchtum, das Zusammenleben an sich wandelte sich rasch: Anstelle der \u201cMaistuben\u201d traten die Gastr\u00e4ume der Wirtschaften. Dort wurde nun \u00f6ffentlich gefeiert, was zuvor im Kreis der Gro\u00dffamilie getan worden war. Gesellige Vereine fanden Zulauf, die Menschen trafen sich zu Gesang, Sport und Spiel, aber auch in Gruppierungen mit beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen. Schon im Jahr 1890 wird der Obst- und Gartenbauverein im Ort gegr\u00fcndet. Um die Jahrhundertwende sangen die Gersbacher, standesgem\u00e4\u00df getrennt, im Arbeitergesangverein oder im b\u00fcrgerlichen Chor. Die Gesangstradition wird bis heute von der 1907 gegr\u00fcndeten \u201cLiedergemeinschaft\u201d fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Pfingstquack &#8211; Hexennacht \u2013 Kerwetanz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den traditionellen Brauchtumsfesten z\u00e4hlt in Gersbach neben Weihnachten und Ostern der Umtrieb der Jugend in der Hexennacht vor dem 1. Mai. Im b\u00e4uerlichen Jahreslauf hatte neben dem Pfingstquack, der Sonnenwende und dem Erntedanktag auch der Stephanstag (26. Dezember) als Gesindetag und Zahltag f\u00fcr Pachtzins und Gef\u00e4lle eine besondere Bedeutung. In der Vorweihnachtszeit gingen die Hausmetzger reihum: \u00dcberall, wo Schweine im Stall grunzten, stand das Schlachtfest bevor. Es war ein Festtag nicht nur f\u00fcr die eigene Familie, auch die Verwandschaft und die Nachbarn bekamen ihren Teil ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was aber vor allem, und mit allen Bewohnern, im Dorf gefeiert wurde, war und ist am letzten Sonntag im September die \u201cKerb\u201d. Die Kirchweih im Dorf ohne Kirche konnte nur ein weltliches Fest sein. \u201cEine Fre\u00df- und Saufkerb\u201d, die nicht immer im Sinn der Kirche verlief und der \u201cmit Hilfe des Staates der Garaus gemacht werden sollte\u201d: Was hier, wie auch anderswo, nicht gelang. Mit der Begr\u00fcndung \u201cEs is nur \u00e4mol Kerb im Johr\u201d r\u00fcstete sich das Dorf schon Wochen zuvor: Die \u201cgut Schdubb\u201d wurde aufpoliert, es wurde gekocht und gebacken, denn die \u201cviereckisch Vawandschaft\u201d ist in Scharen gekommen. Die \u201cKerwebuwe\u201d holten den Kerwestrau\u00df, die \u201cKerweredd\u201d wurde \u201cgedichtet\u201d, die Musik spielte zum Tanz auf. Schlie\u00dflich wurde \u201cder Hammel ausgetanzt\u201d und am dritten Tag \u201cdie Kerb begrab\u201d. Die G\u00e4ste, die aus der Stadt gekommen waren &#8211; am Kerwesonntag gab`s gebratene Gans, auch ins \u201cSandte Wertschaft\u201d &#8211; erhielten als Proviant f\u00fcr den Heimweg einen Gugelhupf, der, im wei\u00df-blauen T\u00fcchlein verpackt, am Spazierstock baumelte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gersbacher und ihre Utznamen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was waren das f\u00fcr Zeiten, als \u201ces Schererfritze Hennrich mit es Betzedrickers Fried\u201d tanzte und \u201cde Hiwwelhennrich \u00e4nner iwwer de Dorscht\u201d getrunken hatte und schlie\u00dflich die \u201cHengschberjer Knuppelkepp\u201d den Mut fanden, die Gersbacher mit ihrem Utznamen \u201cLickeweck\u201d zu foppen. Auf dem Heimweg durch die \u201cButterga\u00df\u201d sangen die Burschen: \u201cDie Gerschbacher Lickeweck fresse gern dicke Weck, saufe gern roter Woi, morje soll die Hochzeit soi.\u201d Andere sangen zum \u00c4rger der Gersbacher: \u201cHicke, Racke, Wicke, Wacke, mit de dicke Arschbacke, mit de dinne Sohle, de Deiwel soll eich hole.\u201d Vom Neckvers bis zur Schl\u00e4gerei dauerte es oft nicht lange. So auch beim Neujahrsansingen, zu dem die Gersbacher Jugend fr\u00fcher nach Hengsberg zog. Auf dem Heimweg sangen sie, nach gewonnener Schlacht: \u201cUnn siegreich hommer die Hengschberjer geschla.\u201d Noch drei weitere Necknamen f\u00fcr die Gersbacher nennt der Volkskundler Helmut Seebach in seinem Buch \u201cPf\u00e4lzer Volkshumor\u201d: \u201cSie halten Fi(e)rkel, sie sind die \u201cHerdsheweler\u201d, das hei\u00dft Herdeh\u00e4feler (H\u00e4fner, Ofenbauer), \u201cunn de Hansjop\u201d von nebenan nennt sie die Hanauer.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Wirthaush\u00e4ndel und seine Folgen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass ein Wirthaush\u00e4ndel einen b\u00f6sen Ausgang finden kann, besagt ein Blick in die Gerichtsakten des Jahres 1870: \u201cIn der beim K\u00f6nigl. Bezirksgericht in Zweibr\u00fccken anhangigen von amtswegen eingeleiteten Untersuchung gegen Georg W., 35 Jahre alt, Wirth in Gersbach, Kanton Pirmasens, wegen vors\u00e4tzlicher K\u00f6rperverletzung des Schusters Georg B. von Gersbach mit nachfolgendem Tode desselben am 6. November 1870. In Betracht, da\u00df, wenn auch nach dem Ergebnisse der gepflogenen Untersuchung gen\u00fcgende Anzeichen daf\u00fcr vorliegen, da\u00df der beschuldigte W. den Schuster Georg B., indem er denselben am 6. lfd. Monats mittels mehrerer St\u00f6\u00dfe zum Tanzsaale seiner Wirthschaft hinaus und die Treppen hinunterverbracht hat, eine vors\u00e4tzliche Mi\u00dfhandlung zugef\u00fcgt hat, doch der Fall m\u00f6glich erscheint, da\u00df diese Mi\u00dfhandlung nur wegen zuf\u00e4lliger, dem T\u00e4ter nicht bekannter Umst\u00e4nde, insbesondere wegen der eigent\u00fcmlichen Leibesbeschaffenheit des Besch\u00e4digten, der vielleicht als Branntweins\u00e4ufer eine besondere Unbeholfenheit und Ungelenkheit der Glieder, oder eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Knochenspr\u00f6digkeit besa\u00df, den Tode zur Folge gehabt hat.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im ersten Weltkrieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit Hurra-Rufen und Begeisterung hatte die deutsche Jugend den Kriegsausbruch 1914 bejubelt, berichten die Chronisten. Die Menschen auf dem flachen Land wurden eher von den Kriegsereignissen \u00fcberrascht, so auch in Gersbach. Die Plakatanschl\u00e4ge \u00fcber die Mobilmachung und die Kriegserkl\u00e4rung, insbesondere aber die ersten Einberufungsbefehle, l\u00f6sten im Ort mehr Sorgen um die Zukunft als Begeisterung aus. Und auch die Hoffnungen auf ein baldiges Kriegsende erf\u00fcllten sich nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon im August des Jahres 1914 hatte sich der Gemeinderat mit der durch die Kriegslage gebotenen Armenunterst\u00fctzung zu befassen. Die Armenkasse, eine gemeindeeigene Einrichtung, zahlte Unterst\u00fctzung an Arbeitslose und an durch Einberufungen zum Heer unterst\u00fctzungsbed\u00fcrftige Heimatangeh\u00f6rige. Zahlen \u00fcber Empf\u00e4nger und die H\u00f6he der Leistungen sind nicht bekannt. Im Vergleich zu den im Juli gleichen Jahres beschlossenen Ortsl\u00f6hnen, von t\u00e4glich 3,20 Reichsmark f\u00fcr M\u00e4nner und 2,70 Reichsmark f\u00fcr Frauen \u00fcber 21 Jahre und bis zu zwei Mark f\u00fcr Jugendliche unter 16 Jahren, d\u00fcrfte die Unterst\u00fctzung nicht besonders hoch gewesen sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Aufforderung zu Spenden und sonstige, von Amts wegen geforderte Betr\u00e4ge f\u00fcr kriegsbedingte Einrichtungen wiederholten sich immer \u00f6fter. Da war aus der Gemeindekasse Wolle zu kaufen, \u201cdie im weiblichen Handarbeitsunterricht zu Winterw\u00e4sche f\u00fcr die Soldaten verarbeitet werden\u201d musste. Dann sollten die Einrichtung eines \u201cpf\u00e4lzischen Krieger-Erholungsheimes\u201d und viele andere Aufgaben und Projekte mehr durch Spenden mitfinanziert werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Antrag des durch die Einberufungen zum Heer dezimierten Gemeinderates, zur Heu- und Getreideernte 1915 die Mannschaften aus Gersbach, welche sich bei Ersatztruppenteilen in der Heimat befanden, zu beurlauben, traf bei den Milit\u00e4rs auf keine allzu gro\u00dfe Resonanz.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Angstk\u00e4ufe, Wucherpreise und Schwarzmarkt brachten schon bald die Lebensmittelversorgung in Schwierigkeiten. Lebensmittel und Versorgungsg\u00fcter wurden rationiert, Bezugs- und Berechtigungsmarken ausgeteilt. Auf den ersten Blick erschien es f\u00fcr die Landbev\u00f6lkerung leichter als f\u00fcr die Menschen in der Stadt, in diesen harten Zeiten zu \u00fcberleben, aber die Gemeinder\u00e4te waren gehalten, die staatlichen Reglementierungen zu unterst\u00fctzen. So befasste sich der Gemeinderat in den Jahren 1916 und 1917 in mehreren Sitzungen mit der Bildung von Aussch\u00fcssen und Kommissionen zur Sicherung der Lebensmittelversorgung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In den Verkaufsgesch\u00e4ften mussten verbindliche Preislisten ausgeh\u00e4ngt und Waagen aufgestellt werden. Der Preis f\u00fcr einen Zentner Speiskartoffeln wurde auf f\u00fcnf Mark festgelegt. Die f\u00fcr die Verteilung der Kartoffeln gew\u00e4hlte Kommission musste den Bedarf an das Bezirksamt melden. Daneben bestand eine Lebensmittelkommission sowie ein Milch-, Butter- und Eierausschu\u00df. Ein Viehbestandsverzeichnis war ebenfalls zu f\u00fchren. Die Bildung eines \u201cFleischversorgungsverbandes\u201d, \u201cfalls der Metzger im Ort f\u00fcr den Bedarf zu sorgen nicht imstande ist\u201d, wurde diskutiert. Schlie\u00dflich war es Aufgabe einer \u201cKohlenversorgungskommission\u201d, eine Neuaufnahme des Brandvorrates zu erstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was den Gemeinderat gleichviel und auf Dauer besch\u00e4ftigte, waren die zunehmenden Felddiebst\u00e4hle der \u201cst\u00e4dtischen Selbstversorger\u201d, die schon in der Erntezeit 1915 begonnen hatten. Aus sp\u00e4teren Jahren liegen Beschl\u00fcsse vor, \u201c\u00fcber polizeiliche Vorschriften die Feldhut betreffend\u201d und zur \u201cBildung einer Sicherheitswache\u201d. Danach war \u201cdas Betreten der Feldwege zu jeder Tages- und Nachtzeit f\u00fcr alle unbeteiligten Grundbesitzer verboten\u201d. Selbst Grundbesitzern war das Betreten des Feldes\u00a0 \u201cin der Nachtarbeitszeit, d.i. von abends acht Uhr bis morgens sechs Uhr\u201d untersagt. Um diese Vorschriften zu \u00fcberwachen, ordnete die Gemeinde eine \u201cSicherheitswache als Gemeindedienst\u201d an, zu dem unentgeltlich alle m\u00e4nnlichen Personen vom vollendeten 21. bis zum vollendeten 55. Lebensjahr verpflichtet wurden. Wer der Anordnung der Ortspolizeibeh\u00f6rde nicht Folge leistete, wurde bestraft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine f\u00fcr die B\u00fcrger wenig erfreuliche Entscheidung war der schon im Januar 1916 erfolgte Beschluss \u00fcber die Erhebung einer \u201cB\u00fcrgerrechtsgeb\u00fchr\u201d, die gem\u00e4\u00df einer \u00c4nderung der pf\u00e4lzischen Gemeindeordnung zu erheben war: \u201cDie Wirksamkeit des B\u00fcrgerrechts und die Teilnahme an den Gemeindenutzungen in der Gemeinde Gersbach wird von der Bezahlung einer Geb\u00fchr abh\u00e4ngig gemacht. Die Geb\u00fchren werden in folgender H\u00f6he festgelegt: 1. F\u00fcr Reichsangeh\u00f6rige\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 70 Mark<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li>F\u00fcr Nichtdeutsche 340 Mark<\/li>\n<li>F\u00fcr gering bemittelte Personen auf 85 Mark<\/li>\n<\/ol>\n<p>Zu den gering bemittelten Personen geh\u00f6ren diejenigen, deren Gesamtsteuer f\u00fcnf Mark nicht \u00fcberschreiten.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber alle Verordnungen, Verpflichtungen und Belastungen der B\u00fcrger konnten das bittere Ende &#8211; den verlorenen Krieg &#8211; nicht verhindern: Mit 24 Gefallenen und Vermissten hat auch Gersbach seinen Blutzoll zahlen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Zeit nach dem verlorenen Krieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem verlorenen Krieg war auch das glorreiche Kaiserreich am Ende. Im nahen Pirmasens hatte sich ein Arbeiter-, B\u00fcrger- und Soldatenrat gebildet, der die gem\u00e4\u00dfigte Richtung der Mehrheitssozialisten vertrat. F\u00fcr revolution\u00e4re Bestrebungen blieb aber wenig Zeit. Mit der Besetzung der Pfalz am 30. November 1918 durch die Franzosen regierte das Milit\u00e4r. Verordnungen, Verbote und Repressalien waren nun an der Tagesordnung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Schatten der Milit\u00e4rdiktatur gedieh in jener Zeit der grenzenlosen Not und der aufgew\u00fchlten Leidenschaften eine h\u00e4ssliche Pflanze, die von dem Kommandanten der achten franz\u00f6sischen Armee, General G\u00e9rard, und seinen Leuten liebevoll gepflegt wurde: der Separatismus. Bis zum Fanal von Pirmasens am 12. Februar 1924 verlebten die Menschen eine leidvolle Zeit. Der passive Widerstand der Pf\u00e4lzer l\u00e4hmte das \u00f6ffentliche Leben. Die Inflation erreichte ihren H\u00f6hepunkt. Ein Heer von Arbeitslosen belagerte die Stra\u00dfe, 19.000 Menschen in der Pfalz waren ausgewiesen, 2.000 davon aus dem Raum Pirmasens. Unz\u00e4hlige unbescholtene B\u00fcrger sa\u00dfen in den Gef\u00e4ngnissen: eine trostlose Situation.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Die Separatisten &#8211; eine Kindheitserinnerung von Karoline Hoffmann<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>\u201cAm 4. Dezember 1923 kam am Morgen Postagent und Adjunkt Adam Bohrer zu meinem Vater. Er bat darum, ihn als Gemeinderatsmitglied nach Pirmasens zu begleiten. Man wolle mit den Separatisten verhandeln, wie es auch die Gemeinde Windsberg tat. Dort war Tags zuvor Schreckliches geschehen: Die Separatisten hatten, wie so oft, ihre Macht \u00fcber die Bev\u00f6lkerung gezeigt. Diesmal wurde aber durch eine unkontrollierte Schie\u00dferei ein Mann lebensgef\u00e4hrlich verletzt, der einen Bauchschuss erhielt, aber gerettet werden konnte, ein zweiter Windsberger B\u00fcrger wurde jedoch durch eine verirrte Kugel am Kopf t\u00f6dlich getroffen: Drei kleine Kinder waren Halbwaisen geworden, seine schwangere Frau gebar genau einen Monat sp\u00e4ter ihr viertes Kind.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>So machten sich am Nachmittag B\u00fcrgermeister, Adjunkt und Ratsmitglieder der beiden Gemeinden zum Cannossagang auf. Der Chef der Separatisten, ein Herr Schwab, empfing die M\u00e4nner und h\u00f6rte sich ihre Argumente an. Schon sah es nach einem Erfolg aus, als pl\u00f6tzlich ein Spitzel in den Raum trat. \u201cBeide Gemeinden strotzen vor Waffen\u201d, verk\u00fcndete er, was Schwab ausrasten lie\u00df: Sofort nahm er alle M\u00e4nner als Geiseln, verh\u00e4ngte f\u00fcr jede Gemeinde eine Strafe von 40.000 franz\u00f6sischen Francs, zahlbar innerhalb von 60 Stunden. Andernfalls w\u00fcrden die ersten f\u00fcnf B\u00fcrgerfamilien ausgewiesen. Nach z\u00e4hem Ringen durften zumindest die Dorfvorsteher nachhause, denn sie mussten sehen, wo die 40.000 Francs aufzutreiben waren.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Meine Mutter, meine Schwester, 13 Jahre alt, und ich, fast zehn Jahre alt, sa\u00dfen daheim und warteten voller Angst auf den Vater. Um sechs Uhr abends war Sperrstunde, da durfte niemand mehr auf die Stra\u00dfe. Gegen halb elf Uhr riskierten meine Mutter und ich dennoch den Weg zum Hause Bohrer. Die Familie wohnte direkt neben der Schule. Gegen drei Uhr morgens wiederholten wir diesen Gang, nachdem der erste Versuch erfolglos geblieben war, blieben diesmal aber bei Frau Bohrer, die dar\u00fcber recht froh war. Endlich kam gegen halb f\u00fcnf Uhr am Morgen ihr Mann nach Hause und berichtete, was in der Stadt geschehen war. Wir schlichen uns im Morgengrauen, an den Hausw\u00e4nden entlang, wieder heim.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Kaum war die Sperrstunde vorbei, kam mein Cousin Adolf und berichtete, da\u00df ein Separatist an seiner Haust\u00fcr gewesen sei. Er habe ihm im Befehlston mitgeteilt, da\u00df August Weber &#8211; mein Vater &#8211; aus Gersbach als Geisel festgehalten werde. Ihm k\u00f6nne Essen gebracht werden, auch der Besuch seines Neffen Adolf sei erlaubt worden.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Adolf, der daraufhin meinen Vater besucht hatte, kehrte zur\u00fcck und hatte von ihm etwas \u00fcber das Canapee und die Schrotm\u00fchle erkl\u00e4rt bekommen. Damit hatte mein Vater ihm mitteilen wollen, da\u00df er Waffen verstecken sollte. Adolf ging zuerst ins Wohnzimmer, wo Vaters S\u00e4bel hing. Ihn steckte er in der Getreidescheuer in einen Sack und lie\u00df ihn an der Wand hinunter. Dann ging es zur Schrotm\u00fchle, wo das Luftgewehr lag. Es wurde in einer Holzlkiste im Mist vergraben.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Adolf berichtete zudem, da\u00df er seinen Onkel August noch nie so mutlos und verzweifelt gesehen habe. Dann stieg er auf sein Fahrrad, auf dem schon die Schulmappe lag, und fuhr rasch davon: Er wollte rechtzeitig in der Realschule sein. Am Nachmittag schaute der Gemeindediener vorbei und fragte: \u201cIhr hann jo k\u00e4 Waffe?\u201d Ohne \u00fcberhaupt die Antwort abzuwarten, ging er schon wieder. Schlie\u00dflich hatte er sein Pflicht, nach vorhandenen Waffen zu fragen, ja erf\u00fcllt.<\/em><\/p>\n<p><em>Die M\u00e4nner, die nach Hause entlassen worden waren, blieben nicht unt\u00e4tig, schlie\u00dflich ging es auch um die 40.000 Francs. Am folgenden Tag fuhr eine Gersbacher Abordnung nach Speyer zur Regierung zu einem Mann namens Heintz aus dem Dorf Orbis. Er war \u00fcber den Bericht der Gersbacher sehr betroffen, denn an Tote hatte er nicht gedacht. Daher ordnete er auch an: \u201cDie Geldstrafen werden aufgehoben und die Geiseln in Pirmasens freigelassen.\u201d<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Als ich am 7. Dezember aus der Schule kam, war mein Vater wieder daheim. Wenn wir beide uns sp\u00e4ter unterhielten und ich die Worte meines Cousins \u00fcber seine Mutlosigkeit erw\u00e4hnte, anwortete mein Vater: \u201cMein liebes Kind, in den Kriegsjahren hatte ich nicht so viel Angst, da\u00df ich euch nicht mehr lebend sehe, wie in diesen drei Tagen als Geisel.\u201d F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war dieses Erlebnis niemals vergessen. Noch heute, wenn ich nach \u00fcber 72 Jahren daran denke, kann ich ein Zittern nicht vermeiden.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Polizeidiener im Friseursalon<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sa\u00df der alte Gersbacher Polizeidiener Jakob Schindeldecker nicht pers\u00f6nlich im Friseursalon. Die Frauen, die zum Ondulieren gekommen waren, sprachen \u00fcber ihn. Wen wundert es, dass gleich zwei der anwesenden Gersbacher Frauen mit dem Polizeidiener verwandt gewesen sind: Jakob Schindeldecker war der Gro\u00dfvater von Helga B\u00e4hr, zugleich aber auch der Gro\u00dfvater der Schwiegermutter von Hilda Ehrhardt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Frauen erz\u00e4hlten aus ihrer Kinder- und Jugendzeit, als der Polizeidiener ein gef\u00fcrchteter Mann im Dorf gewesen ist. Gro\u00df und stattlich kam er in seiner Uniform daher: \u201cDe Jakob\u201d war \u201cdas Auge des Gesetzes\u201d in Person. Respekt verschaffte ihm sein gro\u00dfer Stock, den er st\u00e4ndig bei sich trug. Laut und stimmgewaltig sorgte er f\u00fcr die Ordnung im Dorf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon im Jahr 1911 war Jakob Schindeldecker im Dienst, bis ihn in den sp\u00e4ten drei\u00dfiger Jahren die Dorfjugend w\u00e4hrend einer Schlittenpartie \u201cdienstuntauglich\u201d fuhr. Die Buben und M\u00e4dchen hatten es nicht in b\u00f6ser Absicht getan: Sie rodelten an einem kalten Winterabend immer wieder die \u201cHohlga\u00df\u201d hinunter bis zu den gro\u00dfen Kastanienb\u00e4umen am Dorfbrunnen. Nat\u00fcrlich wu\u00dften sie, da\u00df das Rodeln auf der Dorfstra\u00dfe verboten war. Pl\u00f6tzlich trat, laut schimpfend, der Polizeidiener einem der schnellen Rodler in den Weg. Bremsen war vor Schreck nicht mehr m\u00f6glich. Den alten Schindeldecker hatte es aber b\u00f6se erwischt. Er mu\u00dfte seinen Dienst aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden quittieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da war aber auch noch \u201cde Gem\u00e4ndiener, de Schindeldecker Fritz\u201d, ein Enkelsohn des Polizeidieners. Er ist der letzte gewesen, der mit der Schelle durch das Dorf ging. \u201cEr rief immer so sch\u00f6n Bee&#8230; kanntmachung\u201d, erinnert sich eine der Frauen, die andere vermutet: \u201cEigentlich mi\u00dft er die Glock noch han.\u201d Eine der Friseurkundinnen versprach, einmal nachzuforschen, ob er noch ein Bild hat, das ihn als Gemeindediener zeigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht nur \u201cvunns Schindeldeckers\u201d ist aber im Friseursalon gesprochen worden, auch von der Glockenweihe im alten Betsaal mit Pfarrer Arnold. Es mu\u00df irgendwann in den zwanziger Jahren gewesen sein. Frau Ehrhardt hat sich noch an den Bibelspruch erinnert: \u201cMeinen Frieden lasse ich Euch&#8230;\u201d Pfarrer Arnold hatte sie \u00fcbrigens auch 1939 w\u00e4hrend der Evakuierung, \u201cin der Fremde\u201d in Gem\u00fcnden, getraut.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch manches \u00fcber die Ortsgeschichte lie\u00dfe sich im Friseursalon erfahren. Man m\u00fc\u00dfte sich nur die Zeit nehmen, und sei es allein f\u00fcr die \u201cDauer einer Dauerwelle\u201d: So lange haben M\u00e4nner aber bekanntlich keine Geduld.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Kriegerdenkmal<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine w\u00fcrdige Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die Gefallenen des Krieges 1914\/18 errichtete die Gemeinde Gersbach in den Jahren 1930\/31.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erstmals wurde in der Sitzung des Gemeinderates am 16. Februar 1925 \u00fcber ein Kriegerdenkmal gesprochen und durch einen Mehrheitsbeschluss mit einem Betrag von 200 Reichsmark aus der Gemeindekasse der Grundstock daf\u00fcr gelegt. Erst am 16. Mai 1927 befasste sich der Gemeinderat auf Antrag des Ratsmitgliedes Bohrer mit der Angelegenheit wieder. Es erging ein einstimmiger Beschluss, \u201cam n\u00e4chsten Freitag s\u00e4mtliche Vereinsvorst\u00e4nde zu einer gemeinsamen Sitzung einzuladen\u201d.<\/p>\n<p>Es dauerte bis zum 16. August 1929, bis der Gemeinderat, gedr\u00e4ngt von der notwendigen Anlage eines neuen Gr\u00e4berfeldes auf dem Friedhof, \u00fcber den Standort des Denkmales diskutierte. Nach einem vorliegenden Gutachten \u201ckommt als geeigneter Platz nur das Gel\u00e4nde des niedergelegten Hirtenhauses oder der Friedhof in Frage\u201d. Da eine Einigung nicht erzielt werden konnte, beschlossen die Ratsmitglieder am 30. August 1929, auf Kosten der Gemeindekasse Kostenvoranschl\u00e4ge einzuholen. Nach einer Ortsbesichtigung errechnete die Landesgewerbeanstalt Kaiserslautern f\u00fcr \u201cdie Herstellung der Anlagen, ausschlie\u00dflich des Denkmalgesteines selbst, \u00fcberschl\u00e4gig, f\u00fcr den Platz in der Ortsmitte 3.160 Reichsmark, f\u00fcr den Platz am Friedhof 6.949,28 Reichsmark.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gleichzeitig empfiehlt der Gutachter \u201cschon aus k\u00fcnstlerischen Erw\u00e4gungen den Platz in der Dorfmitte beizubehalten\u201d. Dar\u00fcber aber sollte nach einem Gemeinderatsbeschluss eine \u201cdurch rechtzeitige Bekanntmachung mit der Ortsschelle\u201d einzuladende B\u00fcrgerversammlung entscheiden. Nach l\u00e4ngerer Diskussion am Abend des 26. Oktober 1929 stimmten 57 B\u00fcrger f\u00fcr den Platz in der Dorfmitte, 15 f\u00fcr den Friedhof, einer der Anwesenden enthielt sich der Stimme.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach Kl\u00e4rung der Standortfrage holte das \u201cDenkmalkomitee\u201d Entw\u00fcrfe und Kostenvoranschl\u00e4ge f\u00fcr das Denkmal ein. Das Denkmal, mit knieendem Krieger, Gesamth\u00f6he 4,20 Meter, mit 800 Buchstaben Inschrift, sollte nach einem Angebot des Bildhauers Rumpf, Kaiserslautern, 4.200 Reichsmark kosten, desgleichen mit einer Kriegergruppe, 4,70 Meter hoch, 4.450 Reichsmark. Schlie\u00dflich fand das von Heinrich Rech entworfene Modell des Bildhauers Hermann Wagner, Pirmasens, mit der \u00fcberlebensgro\u00dfen Figur des ruhenden Kriegers zum Preis von 5.000 Reichsmark den Zuschlag.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Unter gro\u00dfer Beteiligung der Bev\u00f6lkerung, des Kriegervereines, der \u00f6rtlichen Gesangvereine und des Kirchenchores wurde das Denkmal im Fr\u00fchjahr 1931 eingeweiht. Von den in der Feierstunde gesprochenen mahnenden Worte zum Erhalt des Friedens war bei den Aufm\u00e4rschen an den Heldengedenktagen der folgenden Jahre kaum noch eines zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine zweite Weihestunde fand 36 Jahre sp\u00e4ter statt. Die Gemeinde Gersbach lie\u00df im September 1967 an dem \u201cnach R\u00e4umung des Rheinlandes (durch die Franzosen am 30. Juni 1930) errichteten Kriegerdenkmal eine Bronzetafel anbringen, mit 73 Namen, der im Krieg 1939\/40 gefallenen und vermissten S\u00f6hne der Gemeinde\u201d. Wieder erklang das Lied vom guten Kameraden. Eine Abordnung der Bundeswehr hielt die Ehrenwache. Mahnende Worte f\u00fcr den Frieden und f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung der V\u00f6lker wurden gesprochen, Worte des Trostes und der Hoffnung auf eine friedliche Zukunft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Errichtung des Ehrenmales in den Jahren 1930\/31 und die Anfertigung der Bronzetafel 1967 konnten nur mit finanzieller und materieller Unterst\u00fctzung der Gersbacher B\u00fcrger verwirklicht werden. Die Anlage des Denkmalplatzes 1930 und die Neuanlage 1967 oblag der Gemeinde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im \u201cTausendj\u00e4hrigen Reich\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das traurige Ende des Dritten Reiches d\u00fcrfte bei vielen B\u00fcrgern in Gersbach noch in Erinnerung sein. Nur wenige aber wissen von den Anf\u00e4ngen der nationalsozialistischen Bewegung, die bereits im Jahre 1925 in Kaiserslautern und wenig sp\u00e4ter in Pirmasens und Zweibr\u00fccken Parteiorganisationen bildete und rasch auf das \u00f6rtliche und politische Leben in den Landgemeinden sp\u00fcrbaren Einfluss nahm.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach einem vorliegenden Bericht des sp\u00e4teren B\u00fcrgermeisters Fritz Hildebrand fasste in Gersbach die nationalsozialistische Bewegung schon sehr fr\u00fch Fu\u00df. Bereits im Juni 1926 konnte die erste Zelle der NSDAP gegr\u00fcndet werden: \u201cObwohl die junge Kampfgemeinschaft gerade im Ort einen starken und z\u00e4hen Gegner hatte, f\u00fchrten die folgenden Jahre zur Niederringung derselben\u201d und schon Jahre 1930 hatte in der Gemeinde Gersbach die NSDAP die absolute Mehrheit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die politischen Ereignisse in der Zeit der Weimarer Republik, die letztlich zur Macht\u00fcbernahme der Nationalsozialisten und zur Berufung Adolf Hitlers zum Reichskanzler f\u00fchrte, sind in vielen Publikationen ver\u00f6ffentlicht. Aus verst\u00e4ndlichen Gr\u00fcnden fanden dabei lokale Geschehnisse nur dann Ber\u00fccksichtigung, soweit sie von \u00fcber\u00f6rtlicher Bedeutung gewesen sind. Zu den Gemeinden, \u00fcber die aus jener Zeit wenig berichtet wird und in deren Archiven aussagef\u00e4hige Ratsprotokolle oder sonstige Schriftst\u00fccke fehlen, z\u00e4hlt Gersbach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es ist anzunehmen, denn gegens\u00e4tzliche Informationen liegen nicht vor, dass in Gersbach, dessen wahlberechtigte B\u00fcrger weitgehend protestantischen Glaubens und viele sozialdemokratischer Gesinnung gewesen sind, kaum Widerstand gegen die durch die Nationalsozialisten innerhalb weniger Wochen durchgesetzte \u201cGleichschaltung\u201d zu sp\u00fcren war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Ergebnis der kurz nach der Machtergreifung der NSDAP anberaumten Reichstagswahl vom 5. M\u00e4rz 1933 l\u00e4sst erkennen, dass in Gersbach &#8211; wie in vielen pf\u00e4lzischen Orten &#8211; die Macht\u00fcbernahme durch die Nazis von einem gro\u00dfen Teil der Bev\u00f6lkerung, aus vielerlei Gr\u00fcnden, begr\u00fc\u00dft oder, wie die Stimmabgabe zeigt, zumindest toleriert worden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Ergebnis der Gemeinderatswahl am 5. M\u00e4rz 1933 in Gersbach:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>NSDAP\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 SPD\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 KPD\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0Dnat.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 DVP<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>307\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 113\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 10\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 10<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das am 24. M\u00e4rz 1933 gegen die Stimmen der SPD vom Reichstag verabschiedete Erm\u00e4chtigungsgesetz (Gleichschaltungsgesetz) trat bereits am 31. M\u00e4rz in Kraft. Dem Willen des Gesetzes entsprechend, erfolgte die Umbildung der Landesparlamente, des Bezirkstages und der Gemeindeparlamente. Aufgrund dieses Gesetzes wurde die B\u00fcrgermeisterei Winzeln aufgel\u00f6st. Gersbach ist selbst\u00e4ndige Gemeinde geworden, mit Gemeinderat und B\u00fcrgermeister.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu den ersten Beschl\u00fcssen des nationalsozialistisch gesetzten Gemeinderats z\u00e4hlte die Anschaffung von Hitler-Bildern zur Ausschm\u00fcckung der Schule und des Gemeindeb\u00fcros. In der gleichen Sitzung wird Reichskanzler Adolf Hitler und in sp\u00e4teren Sitzungen werden Reichsmarschall\u00a0 Hermann G\u00f6ring, Gauleiter Josef B\u00fcrckel, Reichsminister Dr. Frick und Reichsstatthalter Franz Ritter von Epp zu Ehrenb\u00fcrgern der Gemeinde Gersbach ernannt.<\/p>\n<p>Die politisch unzuverl\u00e4ssigen Vereine, Parteien und kirchlichen Organisationen wurden unmittelbar nach der Machtergreifung verboten, aufgel\u00f6st und deren Verm\u00f6gen beschlagnahmt. Die \u201cgeduldeten\u201d Vereine wurden \u201cgleichgeschaltet\u201d, das hei\u00dft die Vorst\u00e4nde mit Parteileuten besetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das F\u00fchrerprinzip galt als oberstes Prinzip des Staates. Selbst der Inhaber eines Betriebes, der Chef, hatte zugleich die Position des \u201cBetriebsf\u00fchrers\u201d inne. Die \u201cDeutsche Arbeitsfront\u201d \u00fcbernahm nach dem Verbot der freien Gewerkschaften die Interessenvertretung der berufst\u00e4tigen Volksgenossen. Die von ihr berufenen Vertrauensleute sorgten f\u00fcr linientreue Disziplin in den Betrieben und vertraten gegen\u00fcber der Gefolgschaft die vom Staat diktierten L\u00f6hne und Arbeitsbedingungen. Die Landwirte wurden Mitglied der Reichsbauernschaft, den Jugendorganisationen blieb nur der Weg zur Selbstaufl\u00f6sung oder der \u00dcbertritt zur Hitler-Jugend. Die politische Bespitzelung und Verfolgung der Regimegegner verschonte auch die B\u00fcrger von Gersbach nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das F\u00fchrerprinzip und die \u201carische Abstammung\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem B\u00fcrgermeister oblag die verwaltungsm\u00e4\u00dfige F\u00fchrung der Gemeinde, dem Ortsbauernf\u00fchrer Georg Rothhaar die F\u00fchrung der Bauernschaft. Ortsgruppenleiter war zun\u00e4chst Fritz Hildenbrand, sp\u00e4ter Robert Joas, danach Otto Schmitt. Sie hatten f\u00fcr eine m\u00f6glichst starke nationalsozialistische Pr\u00e4senz am Ort zu sorgen, daf\u00fcr, da\u00df die Parteigliederungen SA, Hitlerjugend, BDM und Frauenschaft das \u00f6rtliche und gesellschaftliche Leben, oft bis in die Familien hinein, mitbestimmten und da\u00df die nationalsozialistischen Feiertage in w\u00fcrdiger Form Gestaltung fanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einer dieser Feiertage war der Heldengedenktag, an dem allj\u00e4hrlich vor dem Gefallenen-Ehrenmal der Ortsgruppenleiter in einer Rede sowohl den Gefallenen der letzten Kriege, als auch den \u201cHelden der Nation\u201d gedachte. Zur Feierstunde marschierte eine Formation der SA, die Mitglieder des Kriegervereines, ein Musikzug und die uniformierte Jugend des Dorfes auf. Der Gesangverein sang das Lied vom guten\u00a0 Kameraden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jeder aber, der in der Partei eine F\u00fchrungsrolle \u00fcbernehmen wollte, wer bei der Gemeinde oder im \u00f6ffentlichen Dienst t\u00e4tig gewesen ist, alle Beamten, die Milit\u00e4rs, die Schullehrer und selbst die Pfarrer mu\u00dften ihre arische Abstammung nachweisen. Denn nur derjenige, in dessen Adern \u201crein deutsches Blut\u201d pulsierte, hatte im NS-Staat eine Chance. Die Partei bediente sich f\u00fcr diese rassistische Aktion der Mitarbeit der Pfarrer, die f\u00fcr die Erledigung der Anfragen jeweils die Tauf-, Trau- und Sterberegister \u00fcber mehrere Generationen durchsehen mu\u00dften. Hierzu schreibt Pfarrer Wilhelmy in seinen Lebenserinnerungen: \u201cMit ruhigem Gewissen und Gehorsam gegen die Obrigkeit, f\u00fcllten wir die vielen Bescheinigungen auf dem amtlichen Vordruck aus und ahnten nicht, was f\u00fcr eine Plage und Schinderei, was f\u00fcr Schicksale die Bescheinigung einer \u201cnichtarischen Gro\u00dfmutter\u201d \u00fcber Menschen brachte\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Elite der \u201cHerrenrasse\u201d tr\u00e4umte indessen den Traum des Gro\u00dfdeutschen Reiches, sonnte sich im Glanz ihrer Macht, blendete mit Milit\u00e4rparaden, Aufm\u00e4rschen und gro\u00dfen Reden das Fu\u00dfvolk, dem die R\u00fcstungsindustrie und im Grenzland auch der Bau des Westwalles Arbeit und Brot verschaffte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem BDM und der HJ auf Fahrt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind die Namen auch heute noch Begriffe: BDM, HJ und wie die Parteiorgane der Nationalsozialisten sonst hie\u00dfen. Wie aber sah der Alltag in der Hitlerjugend aus, wie fassten die M\u00e4dchen eines kleinen Dorfes, wie es Gersbach war, Mitgliedschaft und Arbeit im Bund Deutscher M\u00e4dchen (BDM) damals auf? Einblicke in die Gersbacher BDM-Ortsgruppe gibt Karoline Hoffmann, die sich an diese Zeit noch gut erinnert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201cMitte des Jahres 1933 bildete die NSDAP auch in Gersbach den Bund Deutscher M\u00e4dels (BDM) und die Hitlerjugend (HJ). Einmal w\u00f6chentlich trafen wir uns zum Liedersingen und h\u00f6rten Vortr\u00e4ge oder Parolen der Partei. Wir M\u00e4dchen fertigten dar\u00fcber hinaus Handarbeiten an oder bastelten, was uns Spa\u00df machte. An der Sonnenwende etwa entfachten wir, zusammen mit der HJ, ein H\u00f6henfeuer, sangen Lieder und tanzten um das Feuer.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>In der Hexennacht gingen wir auf Nachtwanderung, wobei besonders viel Bl\u00f6dsinn gemacht wurde. Bei Ludwig Scherer in Windsberg nahmen wir in dieser Nacht einen Wagen mit. Einer der Buben lenkDer wirtschaftliche, soziale und gesellschaftliche Wandel in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts ver\u00e4nderten auch das Gemeinschaftsleben in Gersbach. Sitte und Brauchtum, das Zusammenleben an sich wandelte sich rasch: Anstelle der \u201cMaistuben\u201d traten die Gastr\u00e4ume der Wirtschaften. Dort wurde nun \u00f6ffentlich gefeiert, was zuvor im Kreis der Gro\u00dffamilie getan worden war. Gesellige Vereine fanden Zulauf, die Menschen trafen sich zu Gesang, Sport und Spiel, aber auch in Gruppierungen mit beruflichen, wirtschaftlichen und sozialen Interessen. Schon im Jahr 1890 wird der Obst- und Gartenbauverein im Ort gegr\u00fcndet. Um die Jahrhundertwende sangen die Gersbacher, standesgem\u00e4\u00df getrennt, im Arbeitergesangverein oder im b\u00fcrgerlichen Chor. Die Gesangstradition wird bis heute von der 1907 gegr\u00fcndetepn \u201cLiedergemeinschaft\u201d fortgef\u00fchrt.p\/em\/p\/pte mit den Beinen die Deichsel, ein anderer machte den Bremser. Mit lautem Get\u00f6se &#8211; der Wagen hatte Eisenr\u00e4der &#8211; rollten wir die steile Dorfstra\u00dfe hinunter. Im Tal lie\u00dfen wir den Wagen stehen, um weiter nach Kleinsteinhausen zu wandern, wo wir schlie\u00dflich mitten an der Nacht am Dorfbrunnen sa\u00dfen und deutsche Weisen sangen. Beschwerden wegen Ruhest\u00f6rung gab es keine, wir ernteten nur Beifall. Bis Bottenbach waren wir gewandert und erst gegen Morgen wieder heimgekehrt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Im Sommer 1934 sind wir an einem Samstag mit der Bahn nach Dahn in die Jugendherberge gefahren. Eine Gruppe junger M\u00e4nner war schon angekommen, von denen zwei Musikinstrumente mitgebracht hatten. Liedersingen und Pf\u00e4nderspiele l\u00f6sten einander ab, es wurde auch viel gelacht an diesem Abend, bis die Herbergsmutter rief: \u201cMarsch in die Bet\/p\/p ten.\u201d Am Sonntag mu\u00dften wir fr\u00fch am Morgen aufstehen, denn wir wanderten zum Sch\u00f6nauer Weiher, wo ich auch Bilder aufgenommen habe. Leider erlauben es einige ehemalige BDM-Mitglieder nicht, da\u00df diese Aufnahme heute ver\u00f6ffentlicht werden. Am Sonntag abend sind wir dann mit dem Zug nach Pirmasens zur\u00fcckgefahren.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Auch am S\u00e4ngerwettstreit in Hauenstein beteiligten wir uns. Zu Fu\u00df hatten wir uns auf den Weg gemacht, begleitet von der HJ-Ortsgruppe. Mit unserem Lied \u201cEs dunkelt schon in der Heide\u201d gewannen wir den Liederwettbewerb, allerdings wurde uns, weil wir betreut worden waren, der erste Preis versagt.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Im August 1934 erhielt ich den Befehl der Ringf\u00fchrerin Mali Keller, da\u00df ich mich p umgehend bei ihr melden solle. Warum? Ich hatte keine Ahnung. Sie sprach dann Anschuldigungen gegen mich aus, die ich l\u00e4cherlich fand und ihr daher entgegnete, da\u00df ich keine BDM-F\u00fchrerin sein m\u00fc\u00dfte, mein Leben w\u00e4re ohne dieses Amt freier. Ich stand auf und wollte gerade gehen, als sie ihr Verhalten pl\u00f6tzlich \u00e4nderte und freundlich wurde. Eigentlich machte sie den Eindruck, als ob sie allein ihre Machtstellung beweisen wollte, denn wir Gersbacher M\u00e4dels hatten uns nie v\u00f6llig ihrem geforderten bedingungslosen Gehorsam angepa\u00dft.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Beim Gautreffen auf der Zweibr\u00fccker Festwiese wurde aus vollen Kehlen \u201cDeutsch ist die Saar, deutsch immerdar\u201d gesungen &#8211; 1935 entschied sich das Saarland dann auch f\u00fcr das Reich. Die Festrede in Zweibr\u00fccken hatte Gauf\u00fchrerin Else Storck gehalten. \u201cDas Christentum hat in seiner 2000j\u00e4hrigen Geschichte total versagt\u201d, erkl\u00e4rte sie in ihrer Ansprache: Was nach diesen Worten kommen w\u00fcrde, merkte ich sofort.<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Im Wintersemester besuchte ich auf Wunsch meines Vaters die landwirtschaftliche Haushaltsschule. Ein gewisser Dr. Laub behandelte dort Themen wie die NSDAP-Politik oder die Vererbungslehre nach Darwin, sprach auch \u00fcber alles, was gut und richtig am Dritten Reich sei. Ich mu\u00df wohl eine gute (?) Sch\u00fclerin gewesen sein, denn er empfahl in einer Bewertung: \u201cNach Ende der Schulzeit gleich in das Lehr- und F\u00fchrungslager des Reichsn\u00e4hrstandes zur Schulung entsenden.\u201d Au\u00dferdem stand da zu lesen: \u201cF\u00fchrungskr\u00e4fte junger Frauen fehlen.\u201d<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Meine Antwort auf die geforderte Laufbahn war ein kategorisches Nein. Am 1. November 1935 wurde ein anderes Gersbacher M\u00e4dchen meine Nachfolgerin auf der Haushaltsschule. Sie hatte zuvor auch die Gersbacher BDM-Ortsgruppe geleitet, nachdem ich nur noch an Wochenenden nach Hause kam, denn der Schulbesuch war mit einem Internatsaufenthalt verbunden. Ich selbst wurde am gleichen Tag, als sie in die landwirtschaftliche Haushaltsschule eintrat, Sch\u00fclerin im S\u00e4uglingsheim der evangelischen Diakonissenanstalt in Speyer.\u201d<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach in der Zeit des Westwallbaues<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Westwall zog sich von Basel bis Aachen \u00fcber 630 Kilometer entlang der deutschen Westgrenze gegen Frankreich. Der \u201cSiegfriedslinie\u201d gegen\u00fcber stand die in den Jahren 1926\/27 errichtete Maginot Linie. Organisation und Durchf\u00fchrung des im Mai 1938 begonnenen Baus des Westwalles lag in der Verantwortung der \u201cOrganisation Todt\u201d, benannt nach dem damaligen Generalinspektor f\u00fcr das deutsche Stra\u00dfenbauwesen, Dr. Fritz Todt. Bis zum Beginn des Krieges 1939 waren etwa 14.000 Bunker und Kampfanlagen fertiggestellt, rund 3,5 Milliarden Mark \u201cin den Grund gesetzt\u201d.<\/p>\n<p>Alle Beteiligten, von den Staatsunternehmen bis hinunter zu den kleinsten Handwerksbetrieben, sowie das gro\u00dfe Heer der Arbeitskr\u00e4fte aus allen Gauen Deutschlands, waren \u201cverpflichtet\u201d. Der Staat war zum gro\u00dfen \u201cZahlmeister\u201d geworden, was dem nicht besonders wohlhabenden Grenzland einen sp\u00fcrbaren wirtschaftlichen und finanziellen Aufschwung brachte. Die Westwallarbeiter waren in Barackenlagern des RAD, in Schulh\u00e4usern und Gastst\u00e4tten untergebracht. Einige wohnten auch privat in den\u00a0 Baustellen nahen D\u00f6rfern. Von dort fuhren sie mit dem Bus oder Lastwagen zur Zw\u00f6lf-Stunden-Schicht. Die Verpflegung \u00fcbernahmen die Kantinen der Gro\u00dfbauunternehmen oder die K\u00fcchen des Reichsarbeitsdienstes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Gemarkung Gersbach wurde schon fr\u00fch beim Sportplatz ein gro\u00dfes RAD-Barackenlager errichtet. Dort fand am 20. April 1939, aus Anla\u00df des 50. Geburtstages von Adolf Hitler, eine gro\u00dfe Lagerparade mit der Vereidigung junger RAD-M\u00e4nner statt. Einen Monat sp\u00e4ter &#8211; Hitler war viermal auf Inspektionsreise in der Pfalz &#8211; wurde f\u00fcr ihn bei Walshausen eine Gefechts\u00fcbung inszeniert. Zuvor war er auch durch Gersbach gefahren, von den f\u00e4hnchenschwingenden Schulkindern begr\u00fc\u00dft. Im Gersbacher Bann standen zwei weitere Barackenlager: im \u201cRundrum\u201d bei den Dell\u00e4ckern und drunten im Bl\u00fcmelstal am Hang zum Rimschberg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Obwohl zwischen den Lagern und den B\u00fcrgern keine gro\u00dfe Beziehungen bestanden, belebten die RAD-Leute, Soldaten und Arbeiter in ihrer kurzbemessenen Freizeit das Dorf, insbesondere die Wirtschaften, in deren Tanzs\u00e4len die von der NS-Gemeinschaft \u201cKraft durch Freude\u201d organisierten Unterhaltungsprogramme, kulturelle Veranstaltungen und Filmabende abliefen, zu denen auch zuweilen die Bev\u00f6lkerung Zutritt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Westwallbau griff tief in die Landschaft ein, aber nicht minder in das Leben der Menschen. Abgesehen von der berechtigten Sorge nachdenklicher Zeitgenossen, da\u00df die Errichtung eines solchen gigantischen Befestigungssystems unweigerlich auf Krieg hindeute, gab es auch sonst der Bedr\u00fcckung genug. Besonders zu leiden hatten die Landwirte durch die Abtretung von Fl\u00e4chen f\u00fcr Bunker, Panzergr\u00e4ben und Sch\u00fctzenhindernisse. Der wirtschaftliche Schaden wurde ihnen bezahlt, doch kann man einem Bauern ideellen Wert ersetzen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel 02f<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Entstehung des Westwalls<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Steffen Sandoz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem die Wehrmacht am 7. M\u00e4rz 1936 die entmilitarisierte Zone westlich des Rheines besetzt hatte, wurde mit der Planung und Erkundung einer Landesbefestigung entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches begonnen. Ab 1936 erfolgte der Ausbau durch die Festungspionierorganisationen unter der Leitung der Festungspionierst\u00e4be (Fest.Pi.Stb.), die ihrerseits der Inspektion der Festungen beim Generalstab des Heeres (In.Fest.) unterstanden und deren Disziplinarvorgesetzter der Inspekteur der Pioniere und Festungen war. Nach der Planung der \u201cIn.Fest.\u201d vom M\u00e4rz 1936 sollten alle Verteidigungsanlagen bis 1948 fertiggestellt sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der Mobilmachung des tschechoslowakischen Heeres am 20. Mai 1938 ordnete Adolf Hitler am 28. Mai 1938 den beschleunigten Aufbau einer Festungszone gegen\u00fcber dem mit der Tschechoslowakei verb\u00fcndeten Frankreich an. Vorgegebenes Ziel war die Schaffung eines Kampffeldes f\u00fcr die Abwehrschlacht an der Westgrenze bis zum 1. Oktober 1938.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Reichsmarschall Hermann G\u00f6ring in Begleitung des Generalinspektors f\u00fcr das deutsche Stra\u00dfenwesen, Dr. Fritz Todt, im Juni 1938 eine Besichtigungsreise in die f\u00fcr die Westbefestigung in Frage kommenden Gebiete unternommen hatte und am 14. Juni 1938 Hitler auf dem Berghof berichtete \u201eEs ist so gut wie nichts da\u201c , erhob Hitler schwere Vorw\u00fcrfe gegen den Generalstab des Heeres und gab Todt den Auftrag, in eineinhalb Jahren 10.000 Betonbauten, die H\u00e4lfte bis zum Herbst 1938, zu erstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Westwall im Raum Pirmasens<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 1. Januar 1937 wurde die Festungsbaugruppe zw\u00f6lf von Ludwigsburg nach Pirmasens verlegt und gleichzeitig umbenannt in \u201cFest.Pi.Stb 12\u201d. Der \u201cFest.Pi.Stb. 12\u201d war f\u00fcr die Zeichnungen, Berechnungen und Konstruktionen in den einzelnen Bauabschnitten im Raum Pirmasens zust\u00e4ndig. Die Pirmasenser Region geh\u00f6rte nach der ersten Planungen der \u201cIn.Fest.\u201d zu dem Bereich der Festungsfronten und sollte somit Bauwerke der h\u00f6chsten Baust\u00e4rken, Rundumverteidigung , Hohlgangsysteme und starke Hindernisse auch gegen Panzerkampfwagen erhalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dem \u201cFest.Pi.Stb.12\u201d standen zu dieser Zeit noch keine konkreten Unterlagen f\u00fcr die Bauausf\u00fchrung zur Verf\u00fcgung. Die in dieser Zeit schon gebauten Anlagen sind von dieser Dienststelle selbst entworfen worden und deshalb auch Einzelst\u00fccke wie etwa die beiden B-Werke bei Obersimten und nahe des Rodalberhofs . Dies \u00e4nderte sich jedoch, als im Mai 1938 die Bestimmungen f\u00fcr Regelbauten der Baust\u00e4rken D-B1 durch die \u201cIn.Fest.\u201d herausgegeben wurden. Diese Bestimmungen sollten den \u201cFest.Pi.Stb.\u201d als Grundlage dienen und somit durch Generalisierung der Bauten eine Produktion in gr\u00f6\u00dferen St\u00fcckzahlen zulassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Hitler am 28. Mai 1938 den beschleunigten Aufbau einer Festungszone entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches angeordnet und aufgrund des G\u00f6ring-Berichtes am 14. Juni 1938 den Generalinspektor f\u00fcr das deutsche Stra\u00dfenwesen mit der Durchf\u00fchrung der Bauma\u00dfnahmen beauftragt hatte, begann auch in Pirmasens eine rege Baut\u00e4tigkeit am Westwall. Um den von Hitler geforderten Zeitplan zu erf\u00fcllen, mussten nun Arbeiter und Material aus dem gesamten Reich an die Westgrenze herangef\u00fchrt werden. An einen Weiterbau der bisher erstellten Regelbauten war nicht mehr zu denken, da die geforderte Massenfertigung durch meist unerfahrene Baufirmen und eine Bau\u00fcberwachungsorganisation, die Organisation Todt (OT), die bisher nur Erfahrungen im Bau von Autobahnen gesammelt hatte, m\u00f6glichst einfache Bauformen voraussetzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf der Gemarkung Gersbach wurden Arbeiter, die der OT unterstanden, und die RAD-Abteilungen 2\/224 und 6\/107 eingesetzt (RAD: Reichsarbeitsdienst). Die OT-Arbeiter waren in Gersbach in einem Barackenlager untergebracht. Die Deutsche Arbeitsfront \u00fcbernahm die Betreuung der Arbeiter, sorgte f\u00fcr Quartiere, Verpflegung und f\u00fcr die Gestaltung der Feierabende. Die SA stellte Feldk\u00fcchen und Zeltbahnen zur Verf\u00fcgung. Das NSKK bildete Motorstaffeln. Die SS \u00fcbernahm die Sicherung der Baustellen. Die Arbeitszeit betrug t\u00e4glich bis zu 13 Stunden, die Regel war eine Zw\u00f6lf-Stunden-Schicht. Wegen \u00dcberm\u00fcdung kam es zu zahlreichen Unf\u00e4llen auf den Baustellen. In den Massenquartieren brachen Schl\u00e4gereien aus. Bis zum 1. Oktober gab es keine Heimfahrt f\u00fcr die Arbeiter. Die Entlohnung entsprach den Autobahntarifen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Westwallanlagen im Abschnitt Felsalb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Abschnitt des Westwalles entlang des Felsalbtales geh\u00f6rte nach den ersten Planungen der \u201cIn.Fest.\u201d zu dem Bereich der Festungsfronten und nach den Bestimmungen f\u00fcr Regelbauten der Baust\u00e4rken D-B1 durch die \u201cIn.Fest.\u201d sollte aus den Scharten der Eingangsverteidigung auch in die Tiefe des Kampffeldes gewirkt werden k\u00f6nnen. Dies hatte zur Folge, da\u00df in diesem Abschnitt zuerst mit dem Bau von Anlagen auf den Hochfl\u00e4chen \u00fcber den T\u00e4lern begonnen wurde, auch um Gersbach. In den T\u00e4lern wurde nur der Sperrausbau bis zum 16. Juni 1938 betrieben, zu diesem Zeitpunkt wurde der Bau solcher Anlagen durch die Pionierinspektion der Westbefestigungen untersagt. Die noch nicht ausgef\u00fchrten Anlagen wurden bis einschlie\u00dflich dem 8. August 1938 in einer st\u00e4rkeren Ausf\u00fchrung weitergebaut.<\/p>\n<p>Aufgrund des Hitler-Befehls vom 28. Mai 1938 waren bis zum 1. Oktober 1938 zus\u00e4tzlich zu den schon im Bau befindlichen Anlagen weitere 1.800 Schartenst\u00e4nde und 10.000 Bunker zu bauen, so da\u00df das oben erw\u00e4hnte Konzept nicht mehr aufrecht erhalten werden konnte. Unter der OT-Leitung wurde nun auch im Felsalbtal mit dem Bau einer Hauptkampflinie begonnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Felsalb wurde mit einem Dampfbagger zu einem Na\u00dfpanzergraben umgestaltet und in den in Flie\u00dfrichtung links liegenden Wiesen wurden Minenfelder angelegt. Oberhalb des heutigen Weges von der Eichelsbacherm\u00fchle nach Dusenbr\u00fccken entstand danach eine Vielzahl verschiedener Bunker und Schartenst\u00e4nde mit den verschiedensten Aufgaben. Den gr\u00f6\u00dften Anteil bildeten die sogenannten Gruppen- und Doppelgruppenunterst\u00e4nde. Gegen\u00fcber von ins Felsalbtal f\u00fchrenden Taleinschnitten wurden MG-Schartenst\u00e4nde eingebaut. An besonders gef\u00e4hrdeten Stellen wurden Pak-Schartenst\u00e4nde errichtet, die das Einfallen von feindlichen Panzerkraftwagen vereiteln sollten, so auch beiderseits der Stra\u00dfe von Winzeln nach Vinningen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auf den Hochfl\u00e4chen hinter diesen Anlagen entstand danach die zweite Verteidigungslinie, die durch Artillerie, Schall- und Lichtme\u00dfst\u00e4nde erg\u00e4nzt wurde. Im Bereich der Gemarkung Gersbach entstanden zudem auch noch einige minierte Anlagen, die der Lagerung von Material und Munition sowie der Unterbringung des Stabes der eingesetzten Truppen dienten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kapitel 02g<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach im Zweiten Weltkrieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Fritz Burger<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kriegsbeginn, Evakuierung und Heimkehr 1939\/40<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Eindr\u00fccke der ersten Kriegstage im September 1939 sind bei den betagten Gersbacher B\u00fcrgern bis heute in lebendiger Erinnerung geblieben. Auch Heinz D\u00e4ther und Gerwin Gruber machen keine Ausnahme, wie ihre Erz\u00e4hlungen und Berichte \u00fcber diese Zeit zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Noch im Sommer 1939 wurde am Westwall fieberhaft gearbeitet. W\u00e4hrend die Bauern von den Feldern die Ernte einbrachten, zogen Milit\u00e4rkolonnen &#8211; damals noch mit Pferd und Wagen &#8211; durch das Dorf, um in den neuen Bunkern Stellung zu beziehen. Noch aber dachte niemand an den Ernstfall. Dr\u00fcben in der Stadt richteten die Schausteller den Herbstmarkt aus: Schie\u00dfbuden, Reitschulen und das gro\u00dfe Festzelt standen f\u00fcr den Grenadiermarkt bereit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Derweil liefen bei den Parteiorganisationen die Vorbereitungen f\u00fcr die R\u00e4umung der \u201cRoten Zone\u201d auf Hochtouren, in der Amtssprache genannt: \u201cDie Freimachung von Wohngebieten in der Kampfzone.\u201d Mit den Worten Adolf Hitlers am 1. September 1939 vor dem Reichstag:\u00a0 \u201cSeit 5.45 Uhr wird in Polen zur\u00fcckgeschossen\u201d begann auch f\u00fcr das Grenzland im Westen der Krieg.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus den Grenzd\u00f6rfern trieben die Soldaten das Vieh in gro\u00dfen Herden nach Osten. Auch die Gersbacher Bauern \u00f6ffneten &#8211; so war\u00b4s ihnen befohlen worden &#8211; ihre Stallt\u00fcren. Auch sie sahen, wie ihre K\u00fche, Rinder und Schweine fortgetrieben wurden. F\u00fcr die Bauern selbst galt der Befehl, ihr Dorf zu r\u00e4umen, ihre Scholle zu verlassen: Die Pferde wurden angespannt, die Familie, Verwandte und das notwendigste Hab und Gut aufgeladen &#8211; und die Fahrt ins Ungewisse begann. Wer \u00fcber ein eigenes Gef\u00e4hrt nicht verf\u00fcgte, wurde mit Lastwagen und\u00a0 Omnibussen abtransportiert, unterwegs in Sonderz\u00fcge umgeladen und weiter in die \u201csicheren deutschen Gaue\u201d gefahren. Haus und Hof, die Ernte in der Scheune blieben zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur\u00fcck blieben auch, und wenn nur wenige Tage, die wehrpflichtigen M\u00e4nner, die jede Stunde mit ihrer Einberufung zu rechnen hatten. Noch eine weitere Gruppe, \u201cErntehelfer\u201d genannt, musste zur\u00fcckbleiben: Es waren etwa 15 zumeist junge, noch nicht wehrf\u00e4hige Burschen, die &#8211; halbwegs kaserniert &#8211; gemeinschaftlich untergebracht und verpflegt wurden. In ihre eigenen H\u00e4user und Wohnung durften sie nicht gehen. Die Aufgabe der \u201cErntehelfer\u201d war es, reihum im Dorf das Getreide zu dreschen und die Erntevorr\u00e4te der \u201cVersorgung zuzuf\u00fchren\u201d. Im Fr\u00fchjahr, nachdem sich der Krieg nach Frankreich verlagert hatte, bestellten die jungen M\u00e4nner einen Teil der Felder und sorgten so f\u00fcr die \u201cHeimkehrer\u201d vor.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jene aber, die ihr Dorf verlassen mussten, hatte es \u00fcberwiegend nach Mainfranken verschlagen. So fanden sich viele als &#8222;R\u00fcckwanderer&#8220; in Dittelbrunn bei Schweinfurt wieder. Dort waren sie unter der Obhut der Partei bei Privatleuten untergebracht und hofften auf eine baldige Heimkehr in die Heimat.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus der Familienmappe von Jakob Schindeldecker, geboren 1885, ist zu erfahren, dass ihm und seiner Frau Katharina ein \u201cR\u00e4umungsfamilienunterhalt\u201d von monatlich 138 Reichsmark gew\u00e4hrt worden ist; davon 58 Mark f\u00fcr das Familienoberhaupt, f\u00fcr die Ehefrau 29 Mark, dazu eine Quartierverg\u00fctung von 21 Mark und eine Beihilfe von 30 Mark. W\u00e4hrend des Aufenthaltes in Dittelbrunn erhielt er vom Landratsamt Schweinfurt eine einmalige Beihilfe von 23,02 Mark und Bezugsscheine f\u00fcr Schuhe, Arbeitskleidung, W\u00e4sche und Handt\u00fccher. Das Arbeitsamt in Schweinfurt und die Kreisleitung der NSDAP hatten gegen die R\u00fcckkehr nach Gersbach am 7. August 1940, keine Einwendungen zu erheben. Vorausgegangen war eine \u201cAufforderung zur R\u00fcckkehr in das freigemachte Gebiet\u201d. \u201cIm Auftrag des Reichskommissars f\u00fcr die Saarpfalz\u201d schreibt der Landrat von Pirmasens, datiert auf den 19. Juli 1940 in Heltersberg, \u201cberufe ich Frau Katharina Schindeldecker, Landwirtin aus Gersbach zur\u00fcck\u201d. Mit ihr kamen in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen alle, die nicht berufen waren, das \u201cgraue Kleid\u201d zu tragen, zur\u00fcck in ihr Heimatdorf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Neues Leben begann in Gersbach: Es war Sp\u00e4tsommer, die meisten Felder lagen brach, Haus und Hof mussten in Ordnung gebracht und f\u00fcr die St\u00e4lle wieder Vieh beschafft werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbacher Zukunftspl\u00e4ne 1940<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Menschen im Sp\u00e4tjahr 1940 die Folgen der R\u00fcckf\u00fchrung beseitigten und so mit den Problemen des Alltages besch\u00e4ftigt waren, gingen die Parteioberen, geblendet von den Erfolgen der Blitzkriege in Polen und Frankreich, ans Werk, um den Aufbau des \u201cNationalsozialistischen Gro\u00dfdeutschen Reiches\u201d zu vollenden. Die Westmark, in der viele D\u00f6rfer und Gemeinden zerschossen darniederlagen, schien das geeignete \u00dcbungsfeld zu sein. Hier sollte mit dem \u201cAbriss\u201d und dem Wiederaufbau begonnen werden. Bereits am 28. August 1940 forderte der Beauftragte f\u00fcr den Wiederaufbau der Orte im ehemaligen Grenzgebiet, Regierungsbaumeister Heuser, die B\u00fcrgermeister der betroffenen Gemeinden auf, eine Denkschrift \u00fcber die Zukunftsperspektive ihres Dorfes zu erstellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Denkschrift der Gemeinde Gersbach legte B\u00fcrgermeister Fritz Hildebrand am 18. September 1940 dem Landrat in Pirmasens vor. Aus dem mehrseitigen Konzept k\u00f6nnen nur die wesentlichen Punkte angef\u00fchrt werden, die mit der Dorfentwicklung in Verbindung stehen: W\u00fcnsche, die l\u00e4ngst vergessen sind, die heute nur noch ein Kopfsch\u00fctteln hervorrufen, und andere, die gl\u00fccklicherweise unerf\u00fcllt geblieben sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Gersbach lebten 1940 in 133 Wohnh\u00e4usern und 190 Haushaltungen 850 Einwohner. Von den Erwachsenen sind 50 Prozent Industriearbeiter, sechs Prozent Heimarbeiter, sieben Prozent Gewerbetreibende, drei Prozent Handwerker, 14 Prozent Bauern (elf Erbh\u00f6fe), 20 Prozent Landwirte und knapp ein Prozent Landarbeiter gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hinter der Unterscheidung zwischen Bauern und Landwirten verbirgt sich die Erbhofpolitik der Nationalsozialisten. \u201cErbhofbauer\u201d war derjenige, der mehr als zehn Hektar Land besa\u00df. Gersbach sollte ein Dorf der Erbh\u00f6fe werden. Die Landwirte, also Klein- oder Nebenerwerbsbauern, sollten zur Aufgabe bewegt oder in das zur\u00fcckeroberte Reichsland Elsa\u00df-Lothringen, selbst bis nach Ostpreu\u00dfen ausgesiedelt werden. Bei der \u00e4lteren Generation ist eine Auflistung \u00fcber die vorgesehenen \u201cAussiedler\u201d in Erinnerung geblieben. Die erhoffte baldige Durchf\u00fchrung der Flurbereinigung sollte ein erster Schritt zur Umwandlung des Dorfes sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von der Bauernschaft war im Jahr 1940 die Anlage eines Dreschplatzes mit Scheune, die Erstellung eines Waschhauses und die Gr\u00fcndung einer Ortssparkasse, in Verbindung mit einer Verkaufsstelle zur Beschaffung landwirtschaftlicher Betriebsmittel, gew\u00fcnscht worden. Anstelle einer zentralen Unterkunft f\u00fcr Erntearbeiter sollte bei den Verwaltungs- und Wirtschaftsgeb\u00e4uden der Erbh\u00f6fe Landarbeiterwohnungen angebaut werden<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Gemeinde erhoffte, an zentraler Stelle ein repr\u00e4sentatives Verwaltungsgeb\u00e4ude, in dem auch die R\u00e4ume f\u00fcr Parteidienststellen und Formationen, ein \u201cFeierraum\u201d und ein Raum f\u00fcr das Heimatmuseum vorhanden sein sollten, errichten zu k\u00f6nnen. Dem Verwaltungsgeb\u00e4ude sollte nach der Planung des Gauleiters das HJ-Heim angef\u00fcgt werden. Au\u00dferdem waren ein neues, gr\u00f6\u00dferes Schulhaus, ein Kindergarten, ein Spritzenhaus mit Schlauchturm, beim Friedhof ein Leichenhaus und f\u00fcr die Gemeinde drei gr\u00f6\u00dfere Luftschutzr\u00e4ume gefordert worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drau\u00dfen vor dem Dorf war die Schaffung einer gro\u00dfen Kampfbahn mit Sportplatz, Turnhalle und Schie\u00dfstand geplant, zus\u00e4tzlich die Errichtung eines Schwimmbades, das schon seit l\u00e4ngerer Zeit vorgesehen war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Bahnhof f\u00fcr Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In Sachen Verkehrserschlie\u00dfung \u201cerhebt die Gemeinde Anspruch auf eine Bahnverbindung\u201d. Im Interesse der \u201cgutgehenden und schon auf dem Schuhmarkt bekannt gewordenen Schuhindustrie, wird die Verlegung der Bahnlinie Pirmasens-Bitsch \u00fcber Gersbach beantragt\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Verkehrsverbesserung im Ortsbereich sollte der Verlauf der Durchgangsstra\u00dfe verbessert werden. Es fehle f\u00fcr die inzwischen im Dorf gehaltenen 25 Fahrzeuge eine Tankstelle und eine Reparaturwerkstatt, und da \u201czu vermuten ist, dass in absehbarer Zeit der Volkswagen sich im starken Ma\u00dfe einf\u00fchrt, wird die Erstellung einer gro\u00dfen gemeinschaftlichen Garage f\u00fcr 20 bis 30 Wagen in Erw\u00e4gung gezogen\u201d. Eine Gendameriestation sowie eine Fernsprech- und Radioanlage war nicht f\u00fcr erforderlich gehalten worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Versch\u00f6nerung des Dorfbildes \u201cist inmitten des Ortes, wo die zwei m\u00e4chtigen Kastanienb\u00e4ume stehen, die Herstellung eine sch\u00f6nen Versammlungsplatzes vorgesehen\u201d. Am Rande des Platzes sollte der Dorfbrunnen neu gestaltet und die alte Scheuer abgerissen werden: \u201cDas im Jahre 1930 errichtete Kriegerdenkmal bedarf der \u00c4nderung, insbesondere ist der Ersatz der Denkmalfigur durch einen aufrechtstehenden Krieger beabsichtigt\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Letztendlich wurde die \u201cUniformierung\u201d des Ortsbildes als Zeichen der Ordnung und der Disziplin aller Volksgenossen angestrebt. So sollten \u201calle B\u00fcrger zu einem einheitlichen Hausverputz und einem einheitlichen \u00d6lanstrich der T\u00fcren, Fenster, Tore und Dachrinnen angehalten und erzogen werden. Alle von der Stra\u00dfe aus sichtbaren Fenster sollen k\u00fcnftig mit Blumen bestellt sein. Die Z\u00e4une aller an die Stra\u00dfe angrenzenden G\u00e4rten m\u00fcssen ebenfalls einen einheitlichen Anstrich tragen. Gegen die Stra\u00dfe zu sollen die G\u00e4rten mit Rosen und Buschwerk bepflanzt werden\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum guten Schluss schreibt der B\u00fcrgermeister in seiner Denkschrift: \u201cEs bleibt Ziel der Gemeindeverwaltung Gersbach, die in dieser Denkschrift bekundeten W\u00fcnsche und Vorhaben durchzuf\u00fchren. Der unterzeichnete B\u00fcrgermeister ist sich all der gro\u00dfen Aufgaben, die dabei zu l\u00f6sen sind, bewusst. Er wird sie im Geiste der an ihn von der nationalsozialistischen Bewegung gestellten Anforderungen in Angriff nehmen.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis zum bitteren Ende: Der\u00a0 Zweite Weltkrieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom Krieg, von den M\u00e4nnern und S\u00f6hnen in der grauen Uniform, von gefallenen und vermi\u00dften Soldaten war in der Dokumentation des B\u00fcrgermeisters kein Wort zu lesen.<\/p>\n<p>Voller Optimismus ist auch ein Beitrag des Ortsgruppenleiters im \u201cSoldatenbrief\u201d der Kreisleitung, Ausgabe 1\/1942: Dort ist ein Bild ver\u00f6ffentlicht von der Pirmasenser Stra\u00dfe mit dem Schulhaus. Gleich vier wehende Hakenkreuzfahnen, aufgereiht am Stra\u00dfenrand, zeigen \u201dda\u00df Fahnenschmuck nunmehr einheitlich im Dorf durchgef\u00fchrt ist\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im folgenden Gru\u00dfwort schreibt der Ortsgruppenleiter an seine Gersbacher Kameraden: \u201cIn der Heimat geht die Arbeit unerm\u00fcdlich weiter. Die Ernte ist restlos eingebracht. Wir zu Hause m\u00fcssen es als unsere Pflicht Euch gegen\u00fcber ansehen, \u00fcberall tatkr\u00e4ftig mitzuwirken, um so die Heimatfront zu garantieren. Mit Stolz muss festgestellt werden, dass die Heimat ein Wille beseelt und nur einem Ziele zustrebt&#8230; Ich w\u00fcnsche Euch, meine Kameraden, \u00fcberall, wo Ihr auch steht, alles Gute f\u00fcr die Zukunft&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Drei Jahre noch w\u00e4hrte der Krieg: Von Afrika bis zum Nordkap, von Ru\u00dfland \u00fcber den Balkan bis zur Westk\u00fcste Frankreichs, \u00fcberall standen die Gersbacher M\u00e4nner und S\u00f6hne mit an der Front, erlebten die Wende, die Niederlagen und f\u00fcr viele den todbringenden R\u00fcckzug.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Krieg tobte l\u00e4ngst auch in der Heimat, St\u00e4dte und D\u00f6rfer waren das Ziel der alliierten Luftwaffe. So lagen die Gersbacher Bauern w\u00e4hrend der Kartoffelernte am 9. August 1944 in den Ackerfurchen des Eischberges und erlebten den Bombenangriff auf Pirmasens. Am 15. M\u00e4rz 1945 sahen sie von der Sang hin\u00fcber auf die brennende Stadt, nur noch f\u00fcnf Tage sollte da der Krieg dauern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach blieb von den Fliegerangriffen weitgehend verschont. Lediglich in der Nacht vom 24. auf den 25. April 1944 kam das kleine Bauerndorf mit der feindlichen Luftwaffe in \u201cBer\u00fchrung\u201d: Ein englischer Bomber, der auf dem R\u00fcckflug von einem Angriff auf Ludwigshafen war, wurde von der Pirmasenser Luftabwehr getroffen und st\u00fcrzte brennend in den Breitsitterswald, dabei &#8211; so wird heute jedenfalls erz\u00e4hlt &#8211; noch Brandbomben auf das Dorf werfend. Von sieben Toten im \u201cZuhang\u201d wird berichtet, auf dem Gersbacher Friedhof waren aber nur f\u00fcnf unbekannte britische Soldaten beerdigt worden. Sie wurden am 19. April 1948 ausgegraben und auf den englischen Nationalfriedhof \u00fcberf\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fliegerangriffe hatten die Gersbacher kaum zu f\u00fcrchten, aber die n\u00e4her r\u00fcckenden Amerikaner schossen mit der Artillerie auf das Dorf. Drei H\u00e4user kamen zu Schaden. Die deutschen Soldaten verlie\u00dfen fluchtartig das Dorf: Ihr Verfolger aus dem Westen war die \u201c3. US Infanterie Division\u201d, die sich \u201cdesert rats\u201d nannte. Karl M\u00f6rsch schrieb dar\u00fcber in der Pirmasenser Zeitung: \u201cNach der Einnahme von Zweibr\u00fccken am 20. M\u00e4rz ging der Vormarsch \u00fcber die Sickinger H\u00f6he und durch das Schwarzbachtal weiter. Winzeln, Windsberg, Gersbach und alle im Osten und Norden liegenden Nachbarorte von Pirmasens, wurden durch die 3. USID besetzt.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nachdem Reichsmarschall Hermann G\u00f6ring in Begleitung des Generalinspektors f\u00fcr das deutsche Stra\u00dfenwesen, Dr. Fritz Todt, im Juni 1938 eine Besichtigungsreise in die f\u00fcr die Westbefestigung in Frage kommenden Gebiete unternommen hatte und am 14. Juni 1938 Hitler auf dem Berghof berichtete \u201eEs ist so gut wie nichts da\u201c , erhob Hitler schwere Vorw\u00fcrfe gegen den Generalstab des Heeres und gab Todt den Auftrag, in eineinhalb Jahren 10.000 Betonbauten, die H\u00e4lfte bis zum Herbst 1938, zu erstellen.<\/p>\n<p>nbsp;<\/p>\n<p>p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 02a &nbsp; Auf den Spuren der Altvorderen &nbsp; Von Fritz Burger &nbsp; Nach altb\u00e4uerlicher Tradition l\u00e4utet in Gersbach t\u00e4glich um elf Uhr die Mittagsglocke: Ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df sich <span class=\"readmore\"><a href=\"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=110\">Weiterlesen\u00a0\u2026<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":15,"menu_order":4,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"_mc_calendar":[],"footnotes":""},"class_list":["post-110","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P7TYLF-1M","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/110","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=110"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/110\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":170,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/110\/revisions\/170"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/15"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=110"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}