{"id":112,"date":"2015-01-04T01:56:51","date_gmt":"2015-01-04T00:56:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=112"},"modified":"2015-01-04T17:00:50","modified_gmt":"2015-01-04T16:00:50","slug":"kapitel-03-die-zeit-nach-dem-zweiten-weltkrieg","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=112","title":{"rendered":"Kapitel 03 &#8211; Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg"},"content":{"rendered":"<p>Gersbach &#8211; die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Guido Gl\u00f6ckner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Krieg war aus, vorbei &#8211; aber was kam danach? Am 20. M\u00e4rz 1945 stellte sich f\u00fcr die Gersbacher Zivilbev\u00f6lkerung diese entscheidende, ja lebenswichtige Frage. Versteckt, zusammengepfercht, gezeichnet von den harten Kriegsjahren, verbrachten sie ihre letzten Kriegstage in den Stollen an der alten Wehrmachtstra\u00dfe, als die ersten amerikanischen Soldaten ins Dorf kamen. Das Aufeinandertreffen verlief friedlich, erinnern sich alte Gersbacher heute: Otto Schmidt und Karl Gruber waren mit einem DKW-Wagen gerade am Ortsrand, als die amerikanischen Truppen vom Hochwald nach Gersbach vorstie\u00dfen. Trotz aller Verst\u00e4ndigungsprobleme gelang es den beiden, den US-Soldaten zu erkl\u00e4ren, dass sich die Zivilbev\u00f6lkerung ausnahmslos in den Stollen befinde und sich im Dorf &#8211; angeblich &#8211; kein deutsches Milit\u00e4r aufhalte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zwei oder drei Tage mussten die Gersbacher noch in den Stollen, die von den amerikanischen Soldaten bewacht wurden, ausharren, dann durften sie in ihre H\u00e4user zur\u00fcck: Ohne Furcht zwar vor den Fliegerangriffen der Allierten, vor der Artillerie des Feindes, aber mit der Angst vor einer ungewissen Zukunft: Wie w\u00fcrde es nun weitergehen? Wie verhielten sich die fremden, feindlichen Soldaten? Aber trotz dieser Ungewissheit stellte sich, kaum war der Krieg vorbei, ein &#8211; fast &#8211; normales Alltagsleben ein. Gersbach hatte kaum Kriegszerst\u00f6rungen erlitten, denn am 12. Juni berichtete die Gemeinde dem Landratsamt lediglich von drei zerst\u00f6rten H\u00e4usern in der Talstra\u00dfe 5, der Pirmasenser Stra\u00dfe 10 und der Feldstra\u00dfe 11. Viel zu diesem eher ruhigen Alltag &#8211; nat\u00fcrlich war er durch die Besatzungssoldaten gekennzeichnet &#8211; in den ersten Nachkriegswochen trugen aber auch die Sorgen und M\u00fchen um den Lebensunterhalt bei, erinnern sich heute alte Gersbacher: Selbst in den letzten Kriegstagen waren die Felder bestellt worden, und auch nach dem Kriegsende musste das Vieh versorgt und die Felder bestellt werden &#8211; schlie\u00dflich war die Landwirtschaft das Kapital, um in dieser schweren und entbehrungsreichen Zeit zu \u00fcberleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Not nach dem verlorenen Krieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber der Schein tr\u00fcgt, auch die Gersbacher hatten unter den Konsequenzen des verlorenen Krieges nicht weniger zu leiden als die Pirmasenser und die B\u00fcrger all der anderen D\u00f6rfer in der Region: Im August 1945 &#8211; die Franzosen hatten die Amerikaner als Besatzungsmacht abgel\u00f6st &#8211; mussten die Waffen abgegeben und die NS-Literatur vernichtet werden, au\u00dferdem wurde das Eigentum kontrolliert. Gefunden wurden drei Pferde ungarischer und polnischer Herkunft sowie ein franz\u00f6sisches Radio, die alle beschlagnahmt wurden. Auch die Entnazifizierung ging nicht spurlos an den Gersbachern vorbei. Ganz abgesehen von den \u00f6rtlichen NSDAP-Gr\u00f6\u00dfen, \u00fcber deren Schicksal nach Kriegsende nichts bekannt ist, wurden noch am 17. April 1946 vier ehemalige Gersbacher Parteimitglieder verhaftet. Weil darunter auch der einzig verbliebene Schmied war, protestierte B\u00fcrgermeister Christian M\u00fcller gegen das Vorgehen der Franzosen, weil nun 49 Bauernh\u00f6fe im Ort in arge Not gerieten. Im \u00dcbrigen habe der Schmied nie eine Funktion in der NSDAP ausge\u00fcbt. Der einzige Lichtblick war in diesen Tagen f\u00fcr viele Familien die R\u00fcckkehr der ersten Kriegsgefangenen in ihr Heimatdorf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beherrscht waren die ersten Nachkriegsjahre besonders vom wirtschaftlichen Elend vieler Menschen, vor allem der Stadtb\u00fcrger. \u201cManchmal standen mehr als zehn St\u00e4dter vor der T\u00fcr, die etwas gegen Lebensmittel tauschen wollten\u201d, erinnert sich Heinz D\u00e4ther noch heute an jene Tage im elterlichen Bauernhof. Soweit es m\u00f6glich war &#8211; die Bauern hatten so viel selbst nicht zu bieten, weil sie gro\u00dfe Mengen an Erntegut an die Besatzer abliefern mussten &#8211; , wurde den hungernden Bittstellern geholfen. Nicht jeder aber probierte seine Schuhe, Kleider oder Einrichtungsgegenst\u00e4nde zu tauschen, manch einer versuchte sich auch nachts versorgen, indem er auf den Feldern die Kartoffeln stehlen wollte. Wie in vielen anderen Bauernd\u00f6rfern auch mussten die Gersbacher Feldsch\u00fctzen aufstellen, die ihre \u00c4cker und Wiesen bewachten. Fast bis 1948 dauerte dieser Zustand, als der \u201cschwarze Markt\u201d und das Tauschgesch\u00e4ft bl\u00fchten. Nat\u00fcrlich erhielten die Gersbacher selbst auch ihre Lebensmittelrationen auf Marken, die \u201cbei\u00b4s Krauworschde unn Joase\u201d eingetauscht wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie in den F\u00fcnfzigern gefeiert wurde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die W\u00e4hrungsreform 1948 war die Schnittstelle im Nachkriegsdeutschland, auch f\u00fcr die Gersbacher: In den L\u00e4den gab es wieder etwas zu kaufen, die Fabriken &#8211; auch im eigenen Dorf &#8211; arbeiteten wieder auf Hochtouren. Die harten ersten Nachkriegsjahre wurden von den \u201cgoldenen F\u00fcnfzigern\u201d abgel\u00f6st, in denen es den Menschen nicht nur wirtschaftlich besser ging, sondern in denen sie auch wieder feierten und sich in vergn\u00fcgter Runde trafen. Viele \u00e4ltere Gersbacher erinnern sich noch an die tollen Tanz- und Fasnachtsveranstaltungen in der Alten Wirtschaft Sandt oder den Filmvorf\u00fchrungen und Theaterspielen \u201cins Seebalde Wertschaft\u201d. Es ist ging damals hoch her, wenn eine ausw\u00e4rtige Schauspielgruppe gastierte oder ein neuer Film vorgef\u00fchrt wurde, denn Fernsehger\u00e4te gab es noch nicht: Der Tanzsaal in der Wirtschaft war immer voll. Ein ganzer Aktenordner mit Bescheinigungen \u00fcber die \u201cAnmeldung einer vergn\u00fcgungssteuerlichen Veranstaltung\u201d ist noch im Stadtarchiv zu finden, n\u00fcchterne Fakten \u00fcber Erlebnisse wie das Gastspiel von Pfundtners Bauerntheater, das im Lokal Seebald\u00a0 \u201cDie Rosel vom Hofbr\u00e4uhaus\u201d aufgef\u00fchrt hat, oder den Auftritt von Ernst G\u00fcnther Menzel aus der Pirmasenser Horebstra\u00dfe, als er im Saal Zimmermann artistische Darbietungen durchf\u00fchrte. Nat\u00fcrlich waren auch die Vereine l\u00e4ngst wieder aktiv geworden, die Kerwe wurde wieder gefeiert und der Pfingstwuack und&#8230; Selbst das Wintervergn\u00fcgen der jungen Gersbacher aus dieser Zeit ist \u00fcberliefert, als die Buben vor das Dorf auf \u201cStuppern\u201d gingen, dort ein kleines Rinnsal &#8211; es liefert sein Wasser zum Gersbach &#8211; aufstauten und auf dem kleinen Teich dann Schlittschuh liefen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber nicht nur gefeiert wurde in Gersbach, auch die Probleme und N\u00f6te des Dorfes sollten jetzt, nachdem die schlimmen Nachkriegsjahre unter franz\u00f6sischer Besatzung endlich vorbei waren, beseitigt werden: An vorderster Stelle stand dabei die Ortsdurchfahrt, die 1949, erstmals nach dem Kriegsende, notd\u00fcrftig saniert worden ist. 1951 stritt sich die Gemeinde aber schon wieder mit dem Landratsamt \u00fcber einen grunds\u00e4tzlichen Ausbau der Windsberger Stra\u00dfe. Sie war wegen der Ortsumgehung &#8211; heute Rotm\u00fchlstra\u00dfe &#8211; zur Gemeindestra\u00dfe abgestuft worden, weshalb die Gersbacher die Baukosten von rund 45.000 Mark alleine aufbringen sollten. In einem Artikel der Pirmasenser Zeitung vom 28. April 1951 ist zu lesen: \u201cAn f\u00fcr sich m\u00f6chte die Gemeinde gar zu gerne die Windsberger Stra\u00dfe in einen ordentlichen Zustand versetzen. Aber wo die daf\u00fcr erforderlichen 45.000 DM hernehmen und nicht stehlen. Auch in diesem Falle w\u00e4re es \u00fcberaus w\u00fcnschenswert, wenn sich der Kreis zu einem tragbaren Kompromiss einlie\u00dfe, damit die Welt, die hinter Gersbach &#8211; auf Grund des verkehrswidrigen Zustandes der Windsberger Stra\u00dfe &#8211; gewisserma\u00dfen mit Brettern zugenagelt ist, bald wieder gefahrlos befahren werden kann.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Prozess um den Faulweg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Stra\u00dfen und Wege &#8211; seit dem Kriegsende bereiteten sie immer wieder den Gersbachern Probleme. Die Gemeinde besch\u00e4ftigte nicht nur die Stra\u00dfensanierung in der Ortsdurchfahrt, sondern auch ein Prozess wegen eines Fu\u00dfpfades zwischen Gersbach und dem Erlenteich, der \u00fcber die Winzler Gemarkung f\u00fchrte. 1946 hatte dieser jahrelange Streit begonnen, der schlie\u00dflich die beiden Gemeinden Gersbach und Winzeln vor das Verwaltungsgericht f\u00fchrte und bis in die f\u00fcnfziger Jahre andauerte: Am 1. Oktober 1946 hatte das Landratsamt Pirmasens den Pfad aufgelassen und damit seine Benutzung unter Strafe gestellt. Die beiden Gemeinden Gersbach und Windsberg protestierten am 28. Oktober des gleichen Jahres dagegen, weil der Pfad mindestens seit 70 Jahren benutzt werden und die Wegstrecke zwischen Gersbach und Pirmasens um etwa zehn bis 15 Minuten verk\u00fcrze. Weil das Wegerecht bereits nach 30j\u00e4hriger st\u00e4ndiger Benutzung einsetze, hielten die beiden Gemeinden die Verf\u00fcgung des Landratsamtes f\u00fcr rechtswidrig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Sperrung des uralten Fu\u00dfweges war aber nur der erste Akt in diesem Streit, weil schon am 16. Oktober 1946 eine Magdalena Schneider, weil sie den gesperrten Weg, den Faulpfad, benutzt hatte, von der Gemeinde Winzeln angezeigt wurde. B\u00fcrgermeister Christian M\u00fcller kritisierte dieses Vorgehen ebenso wie die Entscheidung des Landratsamtes, das auf den Gersbacher Widerspruch wochenlang nicht reagiert hatte. 1948 wurde die Wegsperrung schon vor dem Bezirksverwaltungsgericht Neustadt verhandelt, wobei Gastwirt Karl Zimmermann aus Gersbach als Kl\u00e4ger gegen die Gemeinde Winzeln auftrat, ein Jahr sp\u00e4ter aber von der Gemeinde Gersbach abgel\u00f6st wurde. Leider ist nicht mehr nachzuvollziehen, wie der Rechtsstreit um die Wegnutzung endete.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich hatte die Gemeinde Gersbach in den f\u00fcnfziger Jahren auch andere Probleme und Pl\u00e4ne. 1953 etwa monierte der \u00f6rtliche Feuerwehrkommandant den schlechten Zustand des Feuerwehrger\u00e4tehauses, das dringend renoviert werden m\u00fcsse. Daraufhin setzte eine Diskussion um eine Sanierung und einen Ausbau des Feuerwehrger\u00e4tehauses ein, selbst ein Schlauchtrockenturm, der das kleine T\u00fcrmchen &#8211; es existiert heute nicht mehr &#8211; auf dem Dach des Feuerwehrdomizils ersetzen sollte, war geplant. 1956 lag sogar ein Kostenvoranschlag \u00fcber 8.000 Mark f\u00fcr seinen Bau vor. Nachdem heute kein solcher Feuerwehrturm zu sehen ist, m\u00fcssen die Pl\u00e4ne jedoch gescheitert sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach bekommt eine Gendarmeriestation<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Verwirklicht wurde, auch wenn sie inzwischen l\u00e4ngst schon wieder Geschichte ist, jedoch eine Gendarmeriestation in Gersbach. Am 11. M\u00e4rz 1954 hat der Gemeinderat mit neun gegen eine Stimme beschlossen, das Gendarmeriegeb\u00e4ude zu bauen, am 22. November des gleichen Jahres wurden die Pl\u00e4ne und eine Darlehensaufnahme f\u00fcr den Neubau genehmigt und schon 1955 stand das \u00f6rtliche Polizeigeb\u00e4ude. Stationiert wurden darin zwei Gendarme, die den Polizeibezirk Winzeln, Gersbach, Windsberg und N\u00fcnschweiler zu betreuen hatten. In dem Geb\u00e4ude, das noch heute an der Ecke Rotm\u00fchlstra\u00dfe\/Am alten Friedhof steht, wurden neben den Dienstr\u00e4umen auch zwei Wohnungen f\u00fcr die Polizeibeamten eingerichtet. Schon 1957 wurde die Polizeistation ausgebaut. Bis zum 31. Dezember 1970 bestand die Gersbacher Gendarmeriestation, die \u00fcbrigens schon mehrere Monate vor der Fertigstellung des Dienstgeb\u00e4udes in anderen R\u00e4umen ihre Arbeit aufgenommen hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1955 wurde auch ein Projekt begonnen, das die Gersbacher 13 Jahre lang besch\u00e4ftigen sollte, bevor es endg\u00fcltig realisiert war: der Kirchenneubau. Jahrelang war um ein passendes Grundst\u00fcck gestritten worden, bevor 1966 die Grundsteinlegung stattfand und zwei Jahre sp\u00e4ter die Gersbacher Protestanten in ihre neue Kirche einziehen durften. Schlie\u00dflich hatten es 1959 die B\u00fcrger noch mit einer Neuerung zu tun, die damals sicher weniger, heute umso mehr im Blickpunkt des \u00f6ffentlichen Interesses steht: In diesem Jahr wurde die M\u00fcllabfuhr eingef\u00fchrt. Weil sie jedoch auf einer freiwilligen Beteiligung basierte, bef\u00fcrchtete ein Gersbacher B\u00fcrger in einem Schreiben an die Gemeinde, dass die Bev\u00f6lkerung wie bisher den Abfall auf die Stra\u00dfe sch\u00fctten und sich nicht an der M\u00fcllentleerung durch die Gemeinde beteiligen w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1959 wurde aber auch die \u201cSiedlung\u201d gebaut. In den H\u00e4usern dieses Ortsteils, der neben der Rotm\u00fchlstra\u00dfe gegen Winzeln zu entstand, fanden Fl\u00fcchtlingsfamlien aus den fr\u00fcheren deutschen Ostgebieten &#8211; sie bekamen die von einer Baufirma erstellten\u00a0 H\u00e4user zugewiesen &#8211; ein neues Zuhause. \u00dcbrigens, dieses Zuhause haben sie l\u00e4ngst auch in Gersbach gefunden, wo sie nach vielen Jahren l\u00e4ngst in das Dorf integriert sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon in den f\u00fcnfziger Jahren begann auch die Flurbereinigung die Gersbacher zu besch\u00e4ftigen: Weil zu dieser Zeit das Dorf noch stark von der Landwirtschaft gepr\u00e4gt war, sorgte die geplante Neuordnung der Felder, \u00c4cker und Wiesen f\u00fcr viele Diskussionen. Schlie\u00dflich bildete sich aus der landbesitzenden Bev\u00f6lkerung &#8211; etwa 300 Grundst\u00fccksbesitzer gab es damals au\u00dferhalb des Ortsbereiches &#8211; aber eine Teilnehmergemeinschaft, die vom Kulturamt Kaiserslautern die Flurbereinigung durchf\u00fchren lie\u00df: 1966\/67 erfolgte die Zuteilung der neuen Flurst\u00fccke.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cBauboom\u201d in den sechziger Jahren<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die sechziger Jahre d\u00fcrfen den Gersbachern als ereignisreiche, zukunftsorientierte Jahre in Erinnerung bleiben. In diesem Jahrzehnt entwickelte sich Gersbach wie noch nie zuvor, nachdem ein regelrechter \u201cBauboom\u201d eingesetzt hatte. Anzufangen ist zun\u00e4chst einmal mit der Schulerweiterung. Am 10. Juni 1961 wurde der heute noch bestehende Anbau der 1901 errichtete Gersbacher Schule eingeweiht. Ein Jahr sp\u00e4ter war auch das neue Lehrerdienstgeb\u00e4ude, in dem die Lehrkr\u00e4fte wohnten, fertiggestellt. Das zweite gro\u00dfe Bauprojekt des Jahrzehnts war die protestantische Kirche, die &#8211; wie schon erw\u00e4hnt &#8211; im Jahr 1968 eingeweiht wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weniger spektakul\u00e4r war der Stra\u00dfenbau, der in den sechziger Jahren wirklich intensiv vorangetrieben wurde. Schon 1962 wurde die Ortsdurchfahrt in der Windsberger Stra\u00dfe kanalisiert und saniert, ein Jahr sp\u00e4ter, ebenfalls in der Ortsdurchfahrt, die Pirmasenser Stra\u00dfe ausgebaut. Im gleichen Jahr stand auch die M\u00fcllerstra\u00dfe zur Instandsetzung an und 1964 sind die Feld-, Wald, Goethe- und Schillerstra\u00dfe f\u00fcr zusammen knapp 150.000 Mark ausgebaut worden. Im gleichen Jahr ist auch die Kl\u00e4ranlage am Talweg gebaut worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gro\u00dfbr\u00e4nde in Bauernh\u00f6fen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Aufregung im Dorf sorgten in den Sechzigern auch zwei Gro\u00dfbr\u00e4nde auf Bauernh\u00f6fen. Am Kerwesonntag, 24. September 1961, wurden mehrere Scheunen und Stallungen in den landwirtschaftlichen Betrieben Brendel und Krebs ein Opfer der Flammen. Gegen 4.30 Uhr am Sonntagmorgen war bei Ludwig Brendel in der Pirmasenser Stra\u00dfe in einem offenen Heu- und Strohschuppen das Feuer aufgebrochen, das von der Frau des B\u00e4ckermeisters M\u00fcller vom Nachbarhaus aus entdeckt wurde. Weil es im Heu, Stroh und den dort ebenfalls gelagerten Erntevorr\u00e4ten reichlich Nahrung fand, breitete es sich rasch aus und griff auf den Nachbarhof \u00fcber. Die Gersbacher Feuerwehr, die von der Frau alarmiert worden war, konnte aber nicht mehr verhindern, dass die Wirtschaftsgeb\u00e4ude beider Bauernh\u00f6fe bis auf die Grundmauern niederbrannten. Die Feuerwehr &#8211; inzwischen waren auch L\u00f6schz\u00fcge aus Pirmasens, Lemberg und von den US-Streitkr\u00e4ften zur Unterst\u00fctzung angekommen &#8211; konnte lediglich verhindern, dass die Wohngeb\u00e4ude vom Feuer erfasst wurden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Menschen kamen nicht zu Schaden, auch K\u00fche, K\u00e4lber und Schweine konnten vor dem verheerenden Feuer gerettet werden, lediglich einige H\u00fchner verendeten in den Flammen. W\u00e4hrend Friedrich Krebs noch viele Maschinen retten konnte, verlor sein Nachbar Ludwig Brendel alle Ger\u00e4te. 100.000 Mark &#8211; 60.000 Mark bei Ludwig Brendel und 40.000 Mark bei Friedrich Krebs &#8211; betrug der durch das Feuer entstandene Schaden. Die Gendarmerie vermutete nach ihren Ermittlungen, dass der Gro\u00dfbrand durch eine fahrl\u00e4ssige oder vors\u00e4tzliche Brandstiftung entstanden ist, die in Zusammenhang mit der Kerwe und ihren Auswirkungen stehe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vier Jahre sp\u00e4ter w\u00fctete noch einmal eine Feuersbrunst in einem landwirtschaftlichen Betrieb: Am 7. Juli 1965 brannten Scheuer und Stallung auf dem Bauernhof von Willi Schmidt ab. 20 Schweine und etwa acht Jungrinder verbrannten, der gesamte moderne Maschinenpark des Landwirts wurde zerst\u00f6rt. Der Schaden wurde auf mehrere hunderttausend Mark gesch\u00e4tzt. Gegen 21.45 Uhr hatte sich an diesem Mittwochabend vermutlich Heu in den beiden Geb\u00e4uden &#8211; 60 Wagenladungen waren darin gelagert &#8211; selbst entz\u00fcndet. Willi Schmidt, sein Sohn und herbeigeeilte Nachbarn hatten noch das Gro\u00dfvieh, 32 K\u00fche und 20 Schweine, befreien k\u00f6nnen. Kein ungef\u00e4hrliches Unterfangen, wie ein Zeitungsbericht der Pirmasenser Zeitung vom 8. Juli beweist: \u201cDer Gersbacher Landwirt Heinz D\u00e4ther, der zur Hilfeleistung herbeigeeilt war, hatte Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck. Er wollte den Traktor, dessen Reifen bereits brannten, noch ins Freie fahren, als ihn die ersten funkenspr\u00fchenden Balken, die von der Decke der Scheune st\u00fcrzten, an der Schulter trafen. Heinz D\u00e4ther zur PZ: `Wann mich de Bohle Fritz net runnergeri\u00df hett, det ich jetzt do drinn leie, so dot wie die Wutze.` \u201c Die Gersbacher Feuerwehr, die von ihren Kollegen aus Pirmasens, Winzeln, N\u00fcnschweiler und der US-Army unterst\u00fctzt wurde, hatte alle H\u00e4nde voll zu tun, um eine Ausbreitung des Feuers zu verhindern. Zwar war es gelungen, das angrenzende Wohngeb\u00e4ude der Familie Appel zu retten, aber Willi Schmidts Stall und Scheune brannten vollkommen nieder.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der entscheidende Tag: Eingemeindung nach Pirmasens am 10. April 1972<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Genau am 10. April 1972 fand das wohl bedeutendste Ereignis der Nachkriegszeit f\u00fcr die Gersbacher statt: An diesem Tag unterzeichnete Ortsb\u00fcrgermeister Armin B\u00e4hr die Urkunde, mit der das Dorf in die Stadt Pirmasens eingemeindet wurde (gleichzeitig kam auch Windsberg zur Stadt Pirmasens). Zuvor hatte der Gemeinderat des damals 1.450 Einwohner z\u00e4hlenden Dorfes den Eingemeindungsvertrag einstimmig gebilligt. In dem im Pirmasenser Rathaus unterzeichneten Dokument war festgelegt, dass die Stadt in ihrem neuen Vorort bis 1986 3,5 Millionen Mark investieren soll. Damit sollten in erster Linie die Ortsdurchfahrt mit B\u00fcrgersteig und Beleuchtung ausgebaut, die Wasserl\u00e4ufe befestigt und die offene Kl\u00e4ranlage am Ortseingang beseitigt werden. Zus\u00e4tzlich sollte ein beleuchteter Gehweg zwischen Gersbach und Winzeln eingerichtet werden. Die Stadt versprach auch, sich zu bem\u00fchen, dass beim Autobahnbau zwischen Gersbach und der Stadt eine direkte Stra\u00dfenverbindung zum Stadtkern geschaffen wird. Letztendlich verpflichtete sich die Stadt im Paragraphen zehn, Absatz drei, des sogenannten \u201cAuseinandersetzungsvertrages\u201d zwischen Pirmasens und Gersbach, zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob ein Schwimmbad oder eine Mehrzweckhalle in dem neuen Vorort realisiert werden kann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Was hat sich aber nun unter st\u00e4dtischer Regie in den siebziger Jahren in Gersbach wirklich getan? An erster Stelle ist der st\u00e4dtische Kindergarten zu nennen, dessen Bau noch 1971 vom fr\u00fcheren Gemeinderat beschlossen worden war und &#8211; der Eingemeindungsvertrag verlangte es &#8211; von der Stadt Pirmasens realisiert werden musste. Am 20. August 1973 wurde mit dem Bau der dreigruppigen Kindertagesst\u00e4tte begonnen, fast genau ein Jahr sp\u00e4ter, am 30. August 1974, war sie fertig. 750.000 Mark hatte damals der Kindergarten gekostet. Knapp die H\u00e4lfte der Bausumme verschlang 17 Jahre sp\u00e4ter die bisher gr\u00f6\u00dfte Sanierungsma\u00dfnahme an dem Geb\u00e4ude, die Aufbringung eines Satteldaches, mit 348.000 Mark. \u00dcbrigens, schon 1976 investierte die Stadt Pirmasens wieder in die Kinder des Vorortes Gersbach: F\u00fcr rund 95.000 Mark wurde gegen\u00fcber dem Kindergarten ein Spielplatz angelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weiterentwicklung durch neue Baugebiete<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aber auch die Weiterentwicklung des Stadtteils Pirmasens-Gersbach lie\u00df sich die Stadt in den siebziger Jahren einiges kosten: Vom 14. April 1972 bis 4. Juni 1973 wurde das Industriegebiet \u201cHooriger Wald\u201d f\u00fcr 226.000 Mark erschlossen, auf dem sich inzwischen schon seit Jahren mehrere Gewerbe- und Industriebetriebe angesiedelt haben. Gleichzeitig wurde auch mit dem Neubaugebiet \u201cHooriger Wald\u201d begonnen, dessen Erschlie\u00dfung f\u00fcr rund 594.000 Mark bis 14. Oktober 1975 dauerte. In den dabei entstandenen Stra\u00dfen \u201cAm neuen Ring\u201d, \u201cAm Sch\u00fctzenst\u00fcck\u201d, Kindergarten- und Christian-M\u00fcller-Stra\u00dfe waren neue Baupl\u00e4tze geschaffen worden, die inzwischen jedoch l\u00e4ngst bebaut sind. In der Jakob-Sandt-, Felsalb- und Moosalbstra\u00dfe wurden von September 1978 bis Juni 1979 die B\u00fcrgersteige f\u00fcr rund 70.000 Mark erneuert. Nicht zuletzt ist ein neuer Friedhof geschaffen worden, der 1972 fertiggestellt war. Aber auch eine schlimme Entwicklung setzte in diesen Jahren ein: Die Schuhindustrie, das wirtschaftliche Standbein des neuen Vorortes, geriet immer mehr in Bedr\u00e4ngnis, bis auch in Gersbach Betriebsschlie\u00dfungen unvermeidbar waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit einem zukunftsweisenden Projekt begannen in Gersbach die achtziger Jahre: Vom 12. Mai bis 5. November 1980 wurde das Neubaugebiet \u201cIm Birkloch I\u201d f\u00fcr 364.000 Mark erschlossen. Wieder konnte durch die neu entstandenen Baupl\u00e4tze der Vorort wachsen. Wenig hat sich allerdings in den folgenden Jahren bewegt, zumindest f\u00fcr das Auge waren die \u201cAchtziger\u201d durch Stillstand gepr\u00e4gt. Erst ausgangs dieses Jahrzehnts hat sich zumindest unter der Erde etwas getan, denn 1987 wurde f\u00fcr 1,43 Millionen Mark in den Stra\u00dfen \u201cAm Matzenberg\u201d, \u201cAm Kohlberg\u201d und im Westring der Kanal erneuert, zwei Jahre sp\u00e4ter f\u00fcr 379.000 Mark im Bereich Westring\/\u201dIm Birkloch\u201d. Zwischen dem neuen Friedhof und dem Sportplatz wurde durch eine Arbeitsbeschaffungsma\u00dfnahme im Fr\u00fchjahr 1989 f\u00fcr 55.000 Mark eine Wegverbindung angelegt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vorbereitung f\u00fcr die Gro\u00dfprojekte der neunziger Jahre<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die achtziger Jahre dienten aber auch dazu, die Projekte der neunziger Jahre auf den Weg zu bringen. 1983 wurden die Bem\u00fchungen um die Mehrzweckhalle &#8211; sie wird 1996 eingeweiht &#8211; mit der Gr\u00fcndung der F\u00f6rdergemeinschaft gestartet, in deren Folge auch ein Dorffest ins Leben gerufen wurde, das heute als Stra\u00dfenfest weiter existiert und inzwischen viele Besucher am ersten Augustwochenende in die Stra\u00dfen am Matzenberg lockt: ein Ereignis nicht nur f\u00fcr die G\u00e4ste, sondern auch f\u00fcr die Gersbacher, die sich in Vereinen und Privatinitiativen bei diesem Fest wieder als Dorfgemeinschaft zeigen. Aber auch das Neubaugebiet \u201cIm Birkloch II\u201d, das vom 11. September 1991 bis 27. Mai 1992 f\u00fcr 967.000 Mark erschlossen wurde, ist schon in den achtziger Jahren geplant worden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Voller Elan und Aktivit\u00e4ten scheinen nun wieder die neunziger Jahre zu sein. Nicht nur ein neues Baugebiet und eine Mehrzweckhalle sind entstanden, Gersbach hat auch seine eigene Ampel bekommen: Im Mai 1992 wurde die Fu\u00dfg\u00e4ngerampel in der Rotm\u00fchlstra\u00dfe vom damaligen Oberb\u00fcrgermeister Karl Rheinwalt erstmals benutzt. Dieser \u201cEinweihung\u201d vorausgegangen war die Installation der Ampel f\u00fcr 100.000 Mark, die den Fu\u00dfg\u00e4ngern auf ihrem Weg zum Friedhof und den angrenzenden Spazierwegen mehr Sicherheit gibt. Aber l\u00e4ngst ist der neue Elan nicht erloschen, schon hat der Ortsbeirat 1995 neue Pl\u00e4ne geschmiedet: Nicht zuletzt steht wieder der Ausbau der Ortsdurchfahrt zur Diskussion.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gersbach &#8211; die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg &nbsp; Von Guido Gl\u00f6ckner &nbsp; Der Krieg war aus, vorbei &#8211; aber was kam danach? Am 20. 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