{"id":114,"date":"2015-01-04T01:58:27","date_gmt":"2015-01-04T00:58:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=114"},"modified":"2015-01-04T17:01:28","modified_gmt":"2015-01-04T16:01:28","slug":"kapitel-04-die-politische-geschichte","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=114","title":{"rendered":"Kapitel 04 &#8211; Die politische Geschichte"},"content":{"rendered":"<p>Kapitel 04<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die politische Geschichte<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Birgitta Weber<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach als selbst\u00e4ndige Verwaltungseinheit bestand nur knapp 40 Jahre &#8211; vom 1. April 1934 bis 21. April 1972: Vier Jahrzehnte, beginnend in einem Abschnitt der Geschichte, der gepr\u00e4gt war von der menschenverachtenden Macht der Nationalsozialisten, vier Jahrzehnte, die aber auch den tatkr\u00e4ftigen Wiederaufbau, die freiheitlich-demokratische Entwicklung, die erneute Selbstverwaltung nach der Landesverfassung f\u00fcr Rheinland-Pfalz und dem Grundgesetz f\u00fcr die Bundesrepublik Deutschland beinhalten, vier Jahrzehnte, in denen sich ein letzter Strukturwandel vollzogen hat durch die \u201eVerwaltungsvereinfachung\u201c 1972, vier Jahrzehnte, in denen die kommunale Verwaltung und ihre Aufgaben st\u00e4ndigem Wechsel unterworfen waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Regierung der Pfalz, Kammer des Innern, in Speyer bestimmte mit ihrer Entschlie\u00dfung \u201cNo. b 7156\u201d vom 9. Dezember 1933: \u201eDie Aufl\u00f6sung der B\u00fcrgermeisterei Winzeln-Gersbach erfolgt zum 31. M\u00e4rz 1934\u201c. Dies f\u00fchrte zur Einrichtung einer eigenen B\u00fcrgermeisterei f\u00fcr Gersbach am 1. April 1934. Landwirt Julius Weber \u00fcbernahm, wie bereits im Gemeindeverband, die F\u00fchrung der Gemeinde. Er hatte kein leichtes Amt in einer Zeit, in der bereits die Auswirkungen des Nationalsozialismus deutlich zu sp\u00fcren waren. Dies zeigt auch die Hauptsatzung f\u00fcr die Gemeinde Gersbach vom 28. Juni 1935: \u201eAuf Grund des \u00a7 3 Abs. 2 der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. 1. 1935 (RGBl. I S. 49) wird nach Beratung mit den Gemeinder\u00e4ten und mit Zustimmung des Beauftragen der NSDAP. folgende Hauptsatzung erlassen: \u00a7 1. Dem B\u00fcrgermeister stehen zwei Beigeordnete zur Seite. \u00a7 2. Die Zahl der Gemeinder\u00e4te betr\u00e4gt sechs&#8230;\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als die \u201cPartei\u201d die Verwaltung kontrollierte<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Selbstverwaltung der Gemeinden, geregelt durch die bayerische Bezirksordnung f\u00fcr die Pfalz von 1927, fiel mehr und mehr der alles umfassenden Beherrschung und Kontrolle durch den Staat, vertreten durch die NSDAP.-Parteifunktion\u00e4re, zum Opfer. Der B\u00fcrgermeister spielte eigentlich eine untergeordnete Rolle. Bei allen Entscheidungen sprach \u201edie Partei\u201c ein Wort mit. Nichts ging ohne sie. Mit der Deutschen Gemeindeordnung von 1935 wurde bisheriges Recht au\u00dfer Kraft gesetzt. In den Gesetzverordnungsbl\u00e4ttern von 1935, Paragraph 33, deutsche Gemeindeordnung, ist klar definiert: \u201e&#8230;Die NSDAP. ist die den Staat tragende Partei&#8230;1. Ausschlaggebend f\u00fcr die Sicherung des Einklangs der Gemeindeverwaltung mit der Partei ist die Besetzung der Stellen der leitenden Gemeindebeamten mit Pers\u00f6nlichkeiten, die unbedingte Gew\u00e4hr daf\u00fcr bieten, da\u00df sie das ihnen \u00fcbertragene Amt in steter Ausrichtung auf die politischen Ziele der NSDAP. zu f\u00fchren gewillt und bef\u00e4higt sind&#8230;\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch die Gersbacher Verwaltung war durchdrungen von Parteigenossen, die, \u201cvon oben\u201c gesteuert, alle Bereiche des privaten und \u00f6ffentlichen Lebens \u00fcberwachten. Gemeinderatsprotokolle aus den Anfangsjahren\u00a0 liegen leider nicht vor, so da\u00df man sich auf die wenigen vorhandenen Dokumente beziehen mu\u00df. Sehr vielf\u00e4ltig waren nach wie vor die Aufgaben der Gemeinde: Der B\u00fcrgermeister war auch Standesbeamter, der Gemeindediener hatte unter bestimmten Voraussetzungen Polizeigewalt, die Gemeinde war verantwortlich f\u00fcr den Einzug von Steuern, die Erhebung von Geb\u00fchren f\u00fcr die Versorgungsbetriebe und dergleichen mehr. Der Haushalt im ersten Jahr der Selbst\u00e4ndigkeit schloss \u00fcbrigens mit einem Plus von 2.455,27 Reichsmark bei Einnahmen von 34.011,50 Reichsmark und Ausgaben von 31.556,13 Reichsmark ab. \u00d6ffentliche Bekanntmachungen wurden zu dieser Zeit durch den Gemeindediener \u201eausgeschellt\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Weber erf\u00fcllte die Kriterien und Erwartungen der Partei und ihres \u00f6rtlichen Stellvertreters, dem ersten Beigeordneten Friedrich Hildenbrand, nicht zu deren Zufriedenheit.\u00a0 So weigerte Weber sich, \u201edie Kosten der durch diesen erstellten Judenschilder auf die Gemeindekasse zu \u00fcbernehmen\u201c, sondern forderte vielmehr die Entfernung der Schilder. Ferner kam er der Aufforderung, \u201everschiedene Ortsb\u00fcrger zur Sterilisation zu melden\u201c, nicht nach. Schlie\u00dflich verkaufte er sogar eine Kuh aus seinem landwirtschaftlichen Betrieb an einen Juden. All dies brachte ihm zwei Parteigerichtsverfahren ein, worauf er sein Amt \u201ewegen andauernder Auseinandersetzungen mit dem Pol. Leiter der Gemeinde Gersbach und dauernder Anfeindungen von derselben Seite&#8230;\u201c am 2. Mai 1936 zur Verf\u00fcgung stellte und seinen Austritt aus der Partei erkl\u00e4rte. Mit der vorl\u00e4ufigen F\u00fchrung der Gesch\u00e4fte beauftragte das Bezirksamt Pirmasens Friedrich Hildenbrand. Richard Ziliox als erster und Jakob Thei\u00df als zweiter Beigeordneter vervollst\u00e4ndigten das Dreiergremium an der Gemeindespitze.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fr\u00fchzeitig bekamen die Gersbacher auch die Begleiterscheinungen des nahenden Krieges zu sp\u00fcren. Seit 1937 waren st\u00e4ndig Wehrmachtsoldaten im Ort einquartiert, hinzu kamen die Insassen der Reichsarbeitsdienstlager auf dem Sportgel\u00e4nde und an der Wehrmachtstra\u00dfe. So hatte Gersbach \u201einklusive der Ein\u00f6den Eichelsbacherm\u00fchle und Apfelsdelle\u201c am 17. Mai 1939 eine Einwohnerzahl von 837 zuz\u00fcglich 397 Westwallarbeitern. Am Matzenberg und an der Wehrmachtstra\u00dfe richtete die Gemeinde 1940\/41 Kriegsgefangenenlager ein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 1. September 1939 hatte schlie\u00dflich die Wehrmacht das gesamte Dorf \u201cbeschlagnahmt\u201d. Gersbach, als grenznaher Ort in der \u201eRoten Zone\u201c gelegen, wurde fast komplett evakuiert. Zur\u00fcck blieben nur die Funktion\u00e4re der Partei und einige Getreue. Zeitweise waren bis zu 3000 Soldaten in der Gemeinde stationiert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach der R\u00fcckkehr\u00a0 in die Heimat (Stichtag f\u00fcr die \u201eBeendigung der Wiederbesiedlung freigemachter Gemeinden im Westen\u201c war laut \u201cMinisterial-Blatt des Reichs- und Preu\u00dfischen Ministeriums des Innern\u201d der 1. September 1940) sahen sich die B\u00fcrger vielfach chaotischen Zust\u00e4nden gegen\u00fcber, was den B\u00fcrgermeister veranla\u00dfte, beim<\/p>\n<p>Reichskommissar f\u00fcr die Saarpfalz Antrag auf Aufnahme in den Wiederaufbauplan zu stellen. In einer Denkschrift vom 18. September 1940 sind die Forderungen f\u00fcr die Gemeinde aufgelistet. Trotz Elend, Not und Chaos schien die alles beherrschende Organisation der NSDAP. auch lange Zeit in den Kriegsjahren zu funktionieren. Das gesamte \u00f6ffentliche und private Leben war zentral gesteuert, die B\u00fcrger waren einer alles umfassenden Kontrolle durch die Partei und ihre \u00f6rtlichen Vertreter ausgesetzt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach dem Einmarsch der alliierten Truppen am 21. M\u00e4rz 1945 wurde Georg Burkhardt von der amerikanischen Milit\u00e4rregierung zum kommissarischen B\u00fcrgermeister f\u00fcr die ersten Monate ernannt. Es begann die Zeit der Neuordnung und Neuorientierung. \u201eEntnazifizierung\u201c war das erste Ziel: Alle f\u00fchrenden Parteigenossen und Funktion\u00e4re, ihrer \u00c4mter enthoben, mu\u00dften sich einer Untersuchungskommission stellen und wurden zumeist in Internierungslager \u00fcberstellt. Zum Zwecke der \u201epolitischen Reinigung\u201c waren Personaleinstellungen ohne zustimmenden Bescheid der \u201eZentralen S\u00e4uberungskommission\u201c strengstens untersagt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten freien Wahlen nach dem Zweiten Weltkrieg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 2. November 1945 \u00fcbertrug man die F\u00fchrung der Gemeinde wieder auf Julius Weber, im M\u00e4rz 1946 schlie\u00dflich auf Christian M\u00fcller. Diese drei M\u00e4nner, Burkhardt, Weber und M\u00fcller, f\u00fchrten die Gemeinde \u00fcber die erste schlimme Zeit hinweg. In relativ kurzer Zeit entstand wieder eine funktionierende Gemeindeverwaltung, mit vielen Hemmnissen und Problemen zwar, aber auch mit viel Optimismus und Tatkraft. Dennoch sollten noch lange Zeit Elend und Armut das Leben bestimmen. Alle Dinge des t\u00e4glichen Lebens waren Mangelware und \u00fcber die Gemeinde nur auf Bezugsscheine erh\u00e4ltlich. Unter der franz\u00f6sischen Besatzungsmacht hatte zun\u00e4chst die Sicherstellung der Ern\u00e4hrung Vorrang. Die Gemeinde war verantwortlich f\u00fcr die Ausgabe der Lebensmittelkarten an die 578 Einwohner in 177 Haushalten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die ersten drei Jahre waren f\u00fcr die Gemeindeverwaltung bestimmt von Erhebungen, Nachforschungen, Statistiken&#8230; Hatten die Jahre zuvor die Nationalsozialisten die Bestimmungsgewalt, so war man jetzt von den Entscheidungen der Milit\u00e4rregierung abh\u00e4ngig und verpflichtet, deren Anordnungen nachzukommen. Der Gemeinde wurde beispielsweise zur Auflage gemacht, die \u00dcberwachung des Munitionslagers zu koordinieren und Arbeitstrupps zu Aufr\u00e4umarbeiten aufzustellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 14. November 1948 fanden die ersten Gemeinderatswahlen nach dem Gemeindegesetz von Rheinland-Pfalz statt. Allerdings hatte es schon am 15. September 1946 die ersten freien Gemeindewahlen nach dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft gegeben, bei denen in Gersbach 233 Stimmen auf die SPD und 163 Stimmen auf die neugegr\u00fcndete CDU entfallen waren. Nachdem die CDU 1948 ihren Wahlvorschlag in letzter Minute zur\u00fcckgezogen hatte und somit nur noch die SPD-Liste vorlag, fand in Gersbach eine Mehrheitswahl statt: Christian M\u00fcller wurde erneut B\u00fcrgermeister, Gustav Rothhaar erster Beigeordneter und Heinrich D\u00e4ther zweiter Beigeordneter. Weiter geh\u00f6rten dem Gemeinderat Andreas Gruber, Georg Clauer, Adolf Lehner, Hugo Sprau, Gustav Dorst, Otto Rothhaar, Friedrich Jeckel, Alfred M\u00fcller, Karl Franzreb und Adam Knecht an. Zun\u00e4chst noch unter der Aufsicht der Milit\u00e4rregierung stehend,\u00a0 konnte der Gemeinderat seine Arbeit aufnehmen. Gro\u00dfe Aufgaben standen bevor: Es galt den Wiederaufbau der Gemeinde und die Neuordnung der Verwaltung voranzutreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es gelang relativ schnell, den Ort wieder zum \u201enormalen\u201c Leben zur\u00fcckzuf\u00fchren. Investiert hat man in Neubaugebiete, die Verbesserung der Stromversorgung, Schaffung von Wohnraum. Alle Belange der kommunalen Verwaltung waren auf das B\u00fcrgermeisteramt konzentriert: Standesamt, Fundb\u00fcro, Schulverwaltung, Meldekontrolle der Arbeitslosen, Feuerwehr, F\u00fcrsorge, Bauaufsicht, um nur einiges zu nennen. Aber auch Termine wie Versammlungen von Vereinen, Versteigerungen der Forstbeh\u00f6rde, Mitteilungen der Gastst\u00e4tten und Gewerbebetriebe wurden durch die Gemeinde \u201ebekanntgemacht\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es wurden regelm\u00e4\u00dfig Sitzungen abgehalten, \u00fcber die allerdings zum jetzigen Zeitpunkt keine Protokolle vorliegen. Lediglich Ausz\u00fcge aus Niederschriften belegen einige Entscheidungen und Projekte in den f\u00fcnfziger Jahren: 1952 Instandsetzung und Kanalisation der Windsberger Stra\u00dfe, 1953 Erstellung eines Baulinienplanes f\u00fcr Ring-, Matzenberg-, Feld-, Tal- und Pirmasenser Stra\u00dfe (Teilst\u00fcck), 1954 Anlegung eines Schuttabladeplatzes in der Windsberger Stra\u00dfe und 1955 Instandsetzung und Verl\u00e4ngerung der Schulstra\u00dfe. Au\u00dferdem bekam die Gemeinde die Genehmigung, ein Ortswappen zu f\u00fchren: Das Wappen zeigt auf goldenem Untergrund einen roten Querbach, der von einem schwarzen Stiefel mit rotem Aufschlag \u00fcberdeckt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christian M\u00fcller wurde auch nach der Gemeinderatswahl am 11. November 1956 wieder B\u00fcrgermeister und blieb dies bis zum Jahr 1960. W\u00e4hrend seiner Amtszeit wurde enorme Aufbauarbeit geleistet. Wegen seiner langj\u00e4hrigen Verdienste und seines uner-<\/p>\n<p>m\u00fcdlichen Einsatzes verlieh ihm sein Nachfolger Hugo Sprau am 10. Juni 1961 die Ehrenb\u00fcrgerw\u00fcrde. Eine weitere Ehrung widerfuhr ihm nach der Eingemeindung 1972: Im Zuge der Stra\u00dfenumbenennung wurde aus der \u201eM\u00fcller\u201c- die \u201eChristian-M\u00fcller-Stra\u00dfe\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bis 1964 leitete nun Hugo Sprau die Geschicke der Gemeinde. Die Wahl am 25. Oktober 1964 brachte aber erneut einen Wechsel: Armin B\u00e4hr von der gleichnamigen W\u00e4hlergruppe \u00fcbernahm den B\u00fcrgermeisterposten. Als Verwaltungsfachmann, zusammen mit einem verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig jungen \u201eTeam\u201c, gelang es ihm, die Aufw\u00e4rtsentwicklung des Ortes weiter positiv zu beeinflussen. In seine Amtszeit fallen unter anderem die Erschlie\u00dfung weiterer Neubaugebiete, die Anlage des neuen Friedhofes, der Neubau einer Leichenhalle und der Bau des Kindergartens, aber auch die kommunale Neugliederung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Ende der selbst\u00e4ndigen Gemeinde Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bereits 1967 war die Rede von der Reform \u201ezur St\u00e4rkung der Verwaltungskraft der Gemeinden\u201c. Bis es so weit war, sollten allerdings noch f\u00fcnf Jahre vergehen. Nach langwierigen Verhandlungen wurde schlie\u00dflich der \u201eAuseinandersetzungsvertrag zwischen der Stadtgemeinde Pirmasens und der Gemeinde Gersbach\u201c am 10. April 1972 unterzeichnet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e\u00a7 1 Eingliederung und Name<\/p>\n<p>(1) Aufgrund \u00a7 4 des 14. Landesgesetzes \u00fcber die Verwaltungsvereinfachung im Lande Rheinland-Pfalz vom 1. 3. 1972 (GVBl. S. 127) wird die Gemeinde Gersbach mit Wirkung vom 22. 4. 1972 aufgel\u00f6st und in das Gebiet der Stadt Pirmasens eingegliedert\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>20 Paragraphen erl\u00e4utern die Rechte und Pflichten beider Vertragspartner, hier ein Auszug:<\/p>\n<p>\u201e\u00a7 8 Investitionsma\u00dfnahme<\/p>\n<p>(1) Die Stadt Pirmasens verpflichtet sich, die haushaltsrechtlich gesicherten und bereits begonnenen Bauma\u00dfnahmen der Gemeinde Gersbach fortzusetzen und ordnungsgem\u00e4\u00df abzuschlie\u00dfen, soweit sie nicht der Gesamtentwicklung der Stadt Pirmasens zuwiderlaufen.<\/p>\n<p>(2) Die Stadt verpflichtet sich weiterhin, den Ortsteil Gersbach k\u00fcnftig so zu f\u00f6rdern, da\u00df die Weiterentwicklung dieses Gebietes gew\u00e4hrleistet bleibt. Sie wird insbesondere bis zum 31. 12. 1986 einen Betrag von mindestens DM 3,5 Mio. im Ortsteil investieren.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach erhielt einen Ortsbeirat, der an die Stelle des bisherigen Gemeinderats tritt. Er besteht aus neun Mitgliedern. Durch die Neustrukturierung ergibt sich eine gravierende Ver\u00e4nderung: Die gew\u00e4hlten Gemeindevertreter haben keine Entscheidungsbefugnis, sondern nur noch beratende und empfehlende Funktion, wie in der Deutschen Gemeindeordnung nachzulesen ist:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201e\u00a7 75 &#8211; Ortsbeirat<\/p>\n<p>(1) Der Ortsbeirat hat die Belange des Ortsbezirks in der Gemeinde zu wahren und die Gemeindeorgane durch Beratung, Anregung und Mit-gestaltung zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>(2) Der Ortsbeirat ist zu allen wichtigen Fragen, die den Ortsbezirk ber\u00fchren, vor der Beschlu\u00dffassung des Gemeinderats zu h\u00f6ren. &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Entscheidendes politisches Organ ist seit der Eingemeindung der Stadtrat Pirmasens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 16. Juni 1972 fand sich der Ortsbeirat unter dem Vorsitz von Oberb\u00fcrgermeister Karl Rheinwalt zu seiner konstituierenden Sitzung im Pirmasenser Rathaus am Exerzierplatz zusammen. Armin B\u00e4hr wurde wurde erster Ortsvorsteher von Gersbach. Nach seinem Tod 1973 \u00fcbernahm Karl Rheinwalt den Vorsitz im Ortsbeirat bis zur Kommunalwahl 1975.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am 12. Dezember 1975 wurde schlie\u00dflich Helmut Weber zum neuen Ortsvorsteher gew\u00e4hlt. W\u00e4hrend seiner Amtszeit wurden die entscheidenden Schritte f\u00fcr den Bau der Mehrzweckhalle eingeleitet. Auf seine Initiative hin wurde die F\u00f6rdergemeinschaft Mehrzweckhalle Gersbach gegr\u00fcndet, die in Zusammenarbeit und mit Unterst\u00fctzung des Ortsbeirats in den folgenden Jahren federf\u00fchrend bei der Realisierung des \u201eJahrhundertbauwerks\u201c wirkte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Helmut Weber kandidierte 1989 nicht mehr f\u00fcr das Amt des Ortsvorstehers. Walter M\u00fcller trat stattdessen am 19. Oktober 1989 an die Spitze der Ortsvertretung. Somit stellt die SPD seit der Eingemeindung ununterbrochen den Ortsvorsteher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ortsbeirat:<\/p>\n<p>1972: SPD 7, CDU 2 Mandate<\/p>\n<p>1975: SPD 7, CDU 2 Mandate<\/p>\n<p>1979: SPD 6, CDU 3 Mandate<\/p>\n<p>1984: SPD 6, CDU 3 Mandate<\/p>\n<p>1989: SPD 7, CDU 2 Mandate<\/p>\n<p>1994: SPD 4, CDU 3, B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen 1, FWB 1 Mandate<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbach hat seit 1972 auch st\u00e4ndig Vertreter in den Stadtrat entsandt. Zur Zeit sind dies Arno Schmitt (SPD) und Karola Streppel (B\u00fcndnis 90\/Die Gr\u00fcnen).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Ortsvorsteher, in seiner Funktion als Bindeglied zwischen B\u00fcrger und Verwaltung, h\u00e4lt regelm\u00e4\u00dfige Sprechstunden ab, bei denen die Einwohner Gelegenheit haben, Probleme oder Konflikte mit der st\u00e4dtischen Verwaltung vorzubringen. Es wird so versucht, ein St\u00fcck b\u00fcrgernahe Verwaltung zu bewahren.<\/p>\n<p>p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 04 &nbsp; Die politische Geschichte &nbsp; Von Birgitta Weber &nbsp; Gersbach als selbst\u00e4ndige Verwaltungseinheit bestand nur knapp 40 Jahre &#8211; vom 1. April 1934 bis 21. 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