{"id":118,"date":"2015-01-04T02:01:02","date_gmt":"2015-01-04T01:01:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=118"},"modified":"2015-01-04T17:02:17","modified_gmt":"2015-01-04T16:02:17","slug":"kapitel-06-schule-in-gersbach","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=118","title":{"rendered":"Kapitel 06 &#8211; Schule in Gersbach"},"content":{"rendered":"<p>Kapitel 06<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schule in Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Guido Gl\u00f6ckner<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ursprung der schulischen Bildung in unserer Heimatregion ist die Klosterschule der Benediktiner, von deren Existenz im Lebenslauf des Abtes Adalbero, der 972 bis 1002 dem Kloster vorstand, berichtet wird: Sie stand zun\u00e4chst den S\u00f6hnen des Adels offen, sp\u00e4ter auch den begabtesten S\u00f6hnen der Bewohner der Hornbacher Klosterh\u00f6fe und den dazugeh\u00f6renden Pfarrsprengeln. Es d\u00fcrfte sich dabei um die einzige Schule in der Region gehandelt haben, da die Pflege von Wissenschaft und Bildung \u00fcber Jahrhunderte allein Aufgabe der Kl\u00f6ster war. Das einfache Volk auf dem Lande war von der Bildung weitgehend ausgeschlossen: Kaum jemand war des Lesens und Schreibens m\u00e4chtig, lediglich durch den Kirchgang und den Gedankenaustausch im Dorf konnte etwas \u201chinzugelernt\u201d werden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst ab dem ausgehenden 15. und beginnenden 16. Jahrhundert \u00e4nderte sich das Bildungswesen, beeinflusst von Reformation und Aufkl\u00e4rung, jedoch immer noch gepr\u00e4gt durch die Kirche. Lesen und Schreiben sollten die Sch\u00fcler bef\u00e4higen, die Bibel lesen zu k\u00f6nnen. In der Kirchenordnung des Zweibr\u00fccker Herzogs Wolfgang von 1557 ist auf Seite 57 daher zu lesen: \u201c&#8230;denn dieses ist gewi\u00dflich Gottes Wille, da\u00df etliche Leute also auferzogen und unterwiesen werden, da\u00df sie der Propheten und Apostel Schrift lesen lernen und hernach werden f\u00fcrlesen k\u00f6nnen, dazu Verstand der Sprache und mer K\u00fcnste dienen, wie Paulus Thimotheo gebeut. Es soll anhalten mit lesen, lehren und tr\u00f6sten, doch kan nit sage, wo nicht rechte bestelte Schulen sind.\u201d Auch aus dem Amt Lichtenberg wird der Beweis geliefert, da\u00df die Schule zun\u00e4chst als Bestandteil der Kirche anzusehen ist. In dem Bericht einer Kirchenvisitation vom 22. September 1572 hei\u00dft es: \u201cDer Gl\u00f6ckner soll Schul halten gegen eine Abgabe von jedem Kind; will und kann er nicht, dann der Pfarrer, oder, da sie selbst auf einen Schulmeister dringen, soll der Landschreiber sehen, ob nicht die Beg\u00fcterten soviel zur Schul stiften wollen, da\u00df ein Schulmeister k\u00f6nnte besoldet werden; dann m\u00f6chte sie einen annehmen, doch da\u00df er bei der Kanzlei examiniert und approbiert werde&#8230;\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Einen j\u00e4hen Einschnitt in die Entwicklung der ersten kleinen Dorfschulen machte der Drei\u00dfigj\u00e4hrige Krieg (1618 bis 1648), in dem mit vielen Orten auch ihre Schulen untergingen. Erst in der zweiten H\u00e4lfte des 17. Jahrhunderts entstanden neue Schulen, immer noch durch die Kirche bestimmt, wobei sie sich allm\u00e4hlich von dem kirchlichen Einflu\u00df l\u00f6ste, indem Gemeindeschulen entstanden. Allerdings konnte die Kirche bis in das 20. Jahrhundert ihre Einflu\u00dfnahme auf die schulische Bildung erhalten, denn selbst nach dem ersten Weltkrieg bestand unter bayerischer Regierung in der Pfalz der Bezirksschulrat noch \u00fcberwiegend aus Pfarrern. Aber zur\u00fcck zu den Anf\u00e4ngen der allgemeinen Schulen, die jedenfalls schon im Jahr 1659 im Amt Lemberg in der Grafschaft Hanau-Lichtenberg existierten, sonst h\u00e4tte Graf Friedrich Casimir in diesem Jahr nicht die aus 18 Artikeln bestehende \u201cHanauische Schulordnung\u201d erlassen, die bis in die franz\u00f6sische Zeit f\u00fcr das Hanau-Lichtenbergische Herrschaftsgebiet G\u00fcltigkeit hatte. Pfarrer Harteneck von Pirmasens klagte noch im Jahr 1792: \u201cUnsere Schulen sind in hiesiger Gegend erb\u00e4rmlich gestellt, dem ungeachtet wir eine Hanauische Schulordnung haben, so ist doch nie darauf R\u00fccksicht genommen worden und die Leute haben stets nach Willk\u00fcr gehandelt.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u201cHanauische Schulordnung\u201d selbst, von einem Geistlichen (!) f\u00fcr das Gymnasium in Buchsweiler und \u201cins gemein allen anderen Schulen in der Herrschaft\u201d verfa\u00dft, besch\u00e4ftigte sich in 18 Artikeln mit dem \u00e4u\u00dferen Schulbetrieb. Das erste Kapitel bestimmt die Pfarrer zu Scholarchen und Inspektoren, und wo keine \u201cSpecial-Amptleute vorhanden, auch die Amtschaffner, Schulthei\u00dfen oder Burgermeister und Kirchenschaffner\u201d als Aufsichtspersonen. Gleich im zweiten Artikel verpflichtet die Schulordnung die \u201cPraeceptores\u201d und auch Pfarrer und Diacone, die Schule halten, zur \u00e4u\u00dfersten Pflichterf\u00fcllung gegen\u00fcber ihren Sch\u00fclern, als \u201cDiscipulen\u201d bezeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Winterschule beim Schuldiener<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie aber sahen diese Volksschulen aus, wie k\u00f6nnte eine Gersbacher Schule im 17. Jahrhundert beschrieben werden? Eines ist jedenfalls sicher, schon Ausgang des 17. Jahrhunderts wurden in Gersbach die Kinder unterrichtet, wof\u00fcr die Existenz des Schuldieners Johann Jacob Geblet, der von 1640 bis 1718 lebte, einen eindeutigen Beweis liefert. Auch f\u00fcr Gersbach muss G\u00fcltigkeit haben, was f\u00fcr andere Landgemeinden galt: In den einfachen Bauernd\u00f6rfern existierten nur \u201cWinterschulen\u201d, in denen die Kinder im Winterhalbjahr unterrichtet wurden, w\u00e4hrend sie in der warmen Jahreszeit in der Landwirtschaft der Eltern mithalfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oft waren es die Viehhirten, die in der kalten Jahreszeit diese Aufgaben \u00fcbernahmen und im Sommer das Vieh h\u00fcteten, nicht selten besser bezahlt als f\u00fcr die Unterrichtung als \u201cWinterschulmeister\u201d. Gerade f\u00fcr Gersbach ist anzunehmen, dass ein solcher Schulmeister angestellt wurde, weil die zweite damals m\u00f6gliche Form der Schule, bei der der Schulmeister gleichzeitig Kirchendiener war, mangels einer eigenen Gersbacher Dorfkirche nicht in Betracht kommt. Stattgefunden hat der Unterricht im 17. und 18. Jahrhundert wohl in einem Schulsaal in einem Bauernhaus im Dorf, sp\u00e4ter vielleicht auch in einer \u201cSchulschdubb\u201d in einem Gemeindehaus. Erst 1834 wurde die erste richtige Gersbacher Schule, der sp\u00e4tere \u201calte Betsaal\u201d, auf dem Dorfplatz gebaut. F\u00fcr den Nachbarort Windsberg ist eine solche Winterschule mit einem Unterrichtsraum in einem Bauernhof detailliert belegt, so da\u00df angesichts der \u00e4hnlichen Gersbacher Verh\u00e4ltnisse ein gleichartiges Schulwesen eingerichtet sein musste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus dem 18. Jahrhundert gibt es durch die im Sippenbuch aufgef\u00fchrten Berufsbezeichnungen zwar den Beweis, da\u00df in Gersbach Schule gehalten wurde, aber \u00fcber die n\u00e4heren Arbeits- und Unterrichtsumst\u00e4nde ist nichts bekannt: Fragen nach der Entlohnung &#8211; In M\u00fcnzen? In Naturalien? Gab es einen Schulacker? Wie wurde das Schulgeld aufgetrieben? &#8211; bleiben offen, auch nach dem Lehrstoff, der Dauer des Schulbesuchs, dem Leben des Lehrers und manch anderem. Hier die Liste der Gersbacher Schuldiener und Schulmeister aus dem 18. Jahrhundert:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1640 &#8211; 1718\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Johann Jacob Geblet, bisheriger Schuldiener Gersbach<\/p>\n<p>um 1707\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Johann Wagner (lutherisch)<\/p>\n<p>1720 &#8211; 1727\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Daniel Storck<\/p>\n<p>um 1723\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Johann Storck (lutherisch)<\/p>\n<p>1724 &#8211; 1740\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Johann Scheller (lutherisch)<\/p>\n<p>1740 &#8211; 1761\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Johann Buchleidner, evangelischer Schuldiener Burgalben\/Gersbach<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besoldungsholz f\u00fcr Lehrer Georg Roos<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder bleibt eine L\u00fccke von fast 60 Jahren, bis die Gersbacher Ortsgeschichte neue Aufschl\u00fcsse \u00fcber das Schulwesen im Dorf gibt. Alte Rechnungsb\u00fccher, die ersten noch aus der Franzosenzeit, die folgenden aus bayerischer Herrschaft, liefern nicht nur trockenes Zahlenmaterial, sondern auch einige detaillierte Informationen \u00fcber den Schullehrer, seinen Lohn, seine Lebensumst\u00e4nde. 1819 beziffert sich nach einem Rechnungsbuch der Schullehrersold auf elf Gulden und 28 Kreutzer im Jahr, ein Beweis f\u00fcr Schulunterricht in Gersbach in dieser Zeit. Ein Jahr sp\u00e4ter, 1820, offenbart das Rechnungsbuch sogar den Namen des Lehrers: Georg Roos. Er hat eine Quittung unterschrieben, in der er den Erhalt seines \u201cBesoldungsholzes\u201d best\u00e4tigt. Roos unterrichtete bis zu seinem Tod 1834 die Gersbacher Kinder. Seine Erben erhielten drei Gulden, acht Kreuzer r\u00fcckwirkend f\u00fcr den im Todesjahr gehaltenen Unterricht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In allen Rechnungsb\u00fcchern dieser Jahre nimmt die Finanzierung, Auslieferung und Bezahlung dieses Holzlegats, das dem Schullehrer zustand, breiten Raum ein. In jedem Jahr wurde der Auftrag, dieses Holz f\u00fcr ein Jahr \u201cvor die Th\u00fcrn zu liefern\u201d (Urkunde vom 17. November 1821), erneut vergeben. 1820 machte Jacob Ziliox, Ackersmann zu Gersbach, das g\u00fcnstigste Angebot f\u00fcr 44 Gulden. Finanziert wurde das Besoldungsholz durch die Gersbacher B\u00fcrger, deren Kinder unterrichtet wurden. Jeder mu\u00dfte seinen Beitrag leisten, wobei auch die H\u00f6he genau festgelegt war. So ist 1821 in einer Urkunde zu lesen: \u201c&#8230;da\u00df jeder B\u00fcrger, der auch sein Kind in die Schule sch\u00fcckt, doch f\u00fcr ein Kind bezahlen mu\u00df und die Wittber f\u00fcr ein halbes.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gersbacher Schulstube vor 1834<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch \u00fcber die Schule selbst liefern die Rechnungsb\u00fccher aus den zwanziger und drei\u00dfiger Jahren entscheidende Informationen. Belegt wird durch die Eintragungen der damaligen Gemeindef\u00fchrung zun\u00e4chst einmal, dass schon vor dem Schulbau 1834 in Gersbach eine Schule bestanden hat. Schon 1816 ist in einem solchen Rechnungsbuch zu lesen, da\u00df 74 Gulden, elf Kreuzer, f\u00fcr die am \u00f6rtlichen Schulhaus zu machenden Reparaturen veranschlagt sind. Nur sechs Jahre sp\u00e4ter waren wieder kleinere Arbeiten am Gersbacher Schulhaus f\u00e4llig, wobei Adjunkt Jakob Ziliox die drei Gulden f\u00fcr die Reparatur des \u201cprotestantischen Schulhauses\u201d Gersbach vorstreckte. Und sogar nur vier Jahre sp\u00e4ter ist wieder von einer Gersbacher Schule zu lesen: \u201cAusgabe von sechs Gulden, zwanzig sieben Kreuzer,an Adjunct D\u00e4ther f\u00fcr gemachte Vorlage bei Reparierung des Schulhauses laut genehmigter Certifikation und Quittung.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00dcber den Standort dieser Schule werden in den Rechnungsb\u00fcchern keine n\u00e4heren Angaben gemacht, aber anhand einiger anderer Bemerkungen in einigen Dokumenten aus dieser Zeit ist eine Hypothese m\u00f6glich: 1832 hat die Gemeinde Gersbach 117 Gulden, elf Kreuzer, f\u00fcr das Umgie\u00dfen der Gemeindeglocke ausgegeben, so dass zu dieser Zeit das Dorf also auch einen Glockenturm gehabt haben muss. Als zwei Jahre sp\u00e4ter Heinrich D\u00e4ther einige Quadratmeter Gel\u00e4nde f\u00fcr den Schulhausbau abtrat, ist im Kaufvertrag nicht von einem Neubau, sondern von einer \u201cVergr\u00f6\u00dferung\u201d der Gersbacher Schule die Rede. Schlie\u00dflich wird w\u00e4hrend des Schulbaues von 1. April bis 11. November 1834 beim Ackersmann Peter Weber ein Zimmer als Schulstube und ein weiterer Raum als Lehrerwohnung von der Gemeinde f\u00fcr zw\u00f6lf Gulden angemietet. Auch sind in jedem Jahr im Rechnungsbuch einige Gulden f\u00fcr die Unterhaltung eines Gemeindehauses veranschlagt. Alle diese urkundlich belegten Vorg\u00e4nge f\u00fchren zu der Schlussfolgerung, dass auf dem Platz des sp\u00e4teren Betsaals bis 1834 ein Gemeindehaus mit einem Glockenturm gestanden hat, in dem auch eine Schulstube eingerichtet war, die vergr\u00f6\u00dfert wurde, weshalb dann auch die Notunterkunft f\u00fcr die Schule w\u00e4hrend der Bauzeit gebraucht wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1918 Gulden f\u00fcr die Schule am Dorfplatz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Vermutungen aber zur\u00fcck zu Tatsachen: 1834 wird eine Schule gebaut, \u00fcber deren Standort und Gr\u00f6\u00dfe keine R\u00e4tsel mehr aufkommen, der heutige \u201calte Betsaal\u201d. 1918 Gulden lie\u00df sich die Gemeinde die neue Schule kosten, die zum Jahresende fertiggestellt sein mu\u00dfte. Nachdem aus dem Jahr 1834 Angebote und Rechnungen \u00fcber viele Handwerkerarbeiten vorliegen, existiert auch noch 1835 ein Rechnungsbucheintrag \u00fcber 24 Gulden f\u00fcr Tische und B\u00e4nke der Schule, die wohl im November oder Dezember des vorhergehenden Jahres geliefert worden waren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>67 Jahre wurden in der kleinen Schule mit ihrem markanten Glockenturm die Gersbacher Sch\u00fcler unterrichtet, wobei wohl nur zwei Lehrer \u00fcberhaupt in ihr t\u00e4tig waren. Kurz nach dem Tod von Georg Roos ist Schullehrer Friedrich Sch\u00e4fer erstmals erw\u00e4hnt, als er 1838 eine Gehaltszahlung von sieben Gulden, 48 Kreuzer, erhielt. 1863 ging Schaefer in den Ruhestand. Am 7. November dieses Jahres versetzte die Bayerische Regierung der Pfalz, Kammer des Innern, den protestantischen Schullehrer \u201cauf Grund nachgewiesener Dienstunf\u00e4higkeit\u201d zum 1. Dezember 1863 in bleibenden Ruhestand. 350 Mark betrug seine Pension, die aus der Schullehrerpensionskasse und einem Staatsfond finanziert wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cInterimistische Verwesung\u201d der Schulstelle<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Ausscheiden Schaefers begann eine problematische, sechs Jahre andauernde \u00dcbergangsphase, in der sich \u201cinterimistische Verweser\u201d der Lehrerstelle, sozusagen Aushilfslehrer, die Klinke der Gersbacher Schulpforte in die Hand gaben. Valentin Merk von Imsweiler war gerade zw\u00f6lf Tage an der Schule, dann wurde er schon von Friedrich Budert aus Frankweiler abgel\u00f6st. Wieviele dieser Aushilfen in den sechs Jahren, bis der n\u00e4chste festangestellte Schullehrer verpflichtet wurde, in Gersbach den Unterricht aufrecht erhielten, ist nicht nachvollziehbar. Lediglich ein Friedrich Buchert aus Siebeldingen, der am 1. Februar 1866 als Schulverweser nach Gersbach kam, ist noch bekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1869 hatte diese Notl\u00f6sung, nun schon sechs Jahre andauernd, ein Ende: Am 23. Januar bewarb sich Carl Royar aus Kleinsteinhausen &#8211; er unterrichtete in diesem Ort seit Dezember 1866 &#8211; um die protestantische Schullehrerstelle in Gersbach bei der Ortsschulkommission. Schon am 21. Februar wurde er von der Bayerischen Regierung der Pfalz ernannt und am 27. M\u00e4rz in Gersbach vereidigt. Neben Royars Bewerbung liegt im Pirmasenser Stadtarchiv auch eine Beeidigungsurkunde vor:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cHeute, den 27. M\u00e4rz 1869, erschien der durch Beschlie\u00dfung der bayerischen Regierung der Pfalz, Kammer des Inneren, vom 21. Februar d. J. als protest. Schullehrer zu Gersbach ernannte Carl Royar vor dem B\u00fcrgermeister Jakob Weber zu Gersbach und leistete nach vorg\u00e4ngiger Belehrung folgenden Eid.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cIch schw\u00f6re Treue dem K\u00f6nige, Gehorsam dem Gesetze und Beachtung der Staatsverfassung. Ich schw\u00f6re die mir als Lehrer obliegenden Pflichten zu erf\u00fcllen und mich genau nach den bestehenden oder noch zu erlassenden Schulordnungen zu benehmen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zugleich bekr\u00e4ftige ich bei meinem abgelegten Diensteseid, da\u00df ich keinem Verein dessen Bildung dem Staate nicht angezeigt ist, angeh\u00f6re, noch je angeh\u00f6ren werde, dann da\u00df ich in keinem Verband mit eine Verein verbleiben werde, und dessen Schlie\u00dfung von der zust\u00e4ndigen Polizeistelle und Beh\u00f6rde verf\u00fcgt worden ist, oder von welchen mir die Theilnahme in Gew\u00e4hrheit der jeweils bestehenden Disziplinarvorschriften untersagt sein wird.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dar\u00fcber wird gegenw\u00e4rtig Protokoll errichtet und nach Vorlesung von dem Beeidigten sowie dem B\u00fcrgermeister unterschrieben. Royar\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus Royars Dienstzeit existiert auch noch ein Vormerkbuch, in dem Schulvers\u00e4umnisse der Kinder und die Strafen f\u00fcr ihre Eltern, die durch die \u00f6rtliche Schulkommission festgesetzt wurden, f\u00fcr die Jahre 1880 bis 1892 aufnotiert wurden. Carl Royar war der zweite und zugleich letzte Lehrer, der noch in der alten Schule am Dorfplatz unterrichtete, er war aber auch noch in Gersbach Lehrer, als 1901 ein gr\u00f6\u00dferes Schulhaus &#8211; gleichzeitig Gemeindehaus &#8211; auf dem \u201cNeuhof\u201d eingeweiht und bezogen wurde. Dokumente aus den Jahren 1902 und 1903 &#8211; ein Zeugnis und ein Klassenbild &#8211; beweisen, dass Royar auch in der neuen Schule unterrichtete. Sie befand sich, wird die damalige Ortsgr\u00f6\u00dfe in Betracht gezogen, am Ortsrand im Oberdorf, wo sie auch heute noch an der Ecke Windsberger\/Sangstra\u00dfe existiert, immer noch in ihrer Doppelfunktion als Unterrichts- und Verwaltungsgeb\u00e4ude, nachdem bis zur Einweihung der Mehrzweckhalle Ortsvorsteher und Ortsbeirat in diesem Schulhaus ihr Domizil haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Viele Jahre, sogar Jahrzehnte gibt es kaum etwas \u00fcber die neue Gersbacher Schule zu lesen, erst im Dritten Reich werden wieder Details aus dem Schulgeschehen bekannt. Am 6. April 1937 hat die Regierung der Pfalz der Bezirksschulbeh\u00f6rde Pirmasens mitgeteilt, dass einem Antrag des Gersbacher B\u00fcrgermeisters stattgegeben und das achte Schuljahr in Gersbach mit dem Schuljahr 1937\/38 eingef\u00fchrt wird. Gleichzeitig ist die \u201cHauptschulpflicht\u201d in der Gemeinde auf acht Schuljahre ausgedehnt worden. \u00dcber die Ausstattung der Schule in jener Zeit gibt eine Aufstellung Aufschluss, die nach der R\u00fcckkehr aus der Evakuierung am 23. Juni 1941 \u00fcber verlorengegangene oder besch\u00e4digte Schulutensilien angefertigt worden ist: Luftgewehr, Regenmesser, Elektrotechnik-Baukasten, Lesek\u00e4sten, Plastilin und M\u00e4rchenbilder sind ebenso aufgef\u00fchrt wie der zweib\u00e4ndige Duden, \u201cDie Trommel &#8211; SA-Gedichte\u201d, besch\u00e4digte Schulb\u00e4nke und die zerst\u00f6rte Schulb\u00fchne.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Lehrer Geilings Not im Dritten Reich<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein sicher interessantes Zeitdokument \u00fcber das Schulgeschehen in Gersbach unter der nationalsozialistischen Diktatur stellt ein Schreiben vom 9. November 1945, in dem der erste Nachkriegsb\u00fcrgermeister Julius Weber einen m\u00f6glichst raschen Schulbeginn nach dem Krieg fordert, dar. Er geht in seinem Brief an das Landratsamt Pirmasens auch auf die politische Gesinnung des fr\u00fcheren Lehrers Bernhard Geiling ein, der nach dem Krieg noch nicht wieder unterrichten durfte. Webers Bericht \u00fcber die Leidensgeschichte Geilings im Dritten Reich: \u201cIch arbeitete schon vor 1933 als 1. B\u00fcrgermeister mit dem Lehrer Geiling zusammen und kenne seine politische Einstellung. Nach dem 30. Januar 1933 musste ich wiederholt die Gendarmerie abweisen, die im Auftrage des Ortsgruppenleiters geschickt war. Man wollte den Lehrer aus dem Dorfe entfernen. Schlie\u00dflich musste er dem Drucke der Ortsdiktatoren nachgeben und in die Partei 1941 eintreten. Trotzdem ging der Druck weiter, indem der Sohn des Lehrers vor Kriegsende acht Wochen lang keine Lebensmittelmarken erhielt, weil er sich dem HJ-Einsatz entzog und dem Lehrer selbst wurden im M\u00e4rz 1945 vom B\u00fcrgermeister die Marken verweigert. Schlie\u00dflich wollte man den ausgemusterten Lehrer in den letzten Tagen zum Heere einziehen. Aus allem d\u00fcrfte ersichtlich sein, da\u00df der Lehrer nur aus Not 1941 der Partei beitrat und wir bitten Sie deshalb, den Unterrichtsbeginn anzuordnen.\u201d<\/p>\n<p>Nun, die Gersbacher Kinder erhielten bald danach wieder Unterricht, auch von Lehrer Bernhard Geiling.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mehr als ein Jahrzehnt war es ruhig um die Gersbacher Schule, bevor Ende der f\u00fcnfziger Jahre eine Erweiterung der 1901 gebauten Schule ins Gespr\u00e4ch kam. Schon 1961 wurde der Schulanbau eingeweiht, im gleichen Jahr wurde aber auch ein weiteres Anliegen der Schule diskutiert. Weil der Weg zum Sportplatz f\u00fcr die Sch\u00fcler zu weit sei, forderte sie eine Spiel- und Turnwiese in Schuln\u00e4he einzurichten. Diese Idee wurde jedoch nie verwirklicht, weil der Gemeinderat am 6. Dezember entschied, dass der Sportplatz auch weiterhin von der Schule genutzt werden soll. Die erweiterte Schule hatte \u00fcbrigens zus\u00e4tzliche Investitionen nach sich gezogen, denn f\u00fcr das Lehrpersonal mussten Lehrerdienstwohnungen gebaut werden. Am 22. Juni 1961 war Baubeginn am Lehrerdienstgeb\u00e4ude in der M\u00fcllerstra\u00dfe 1. Im M\u00e4rz 1962 waren die beiden Dienstwohnungen, die in dem 85.000 Mark teuren Haus entstanden waren, schon fertiggestellt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von der Volksschule zur Grundschule<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Eingemeindung Gersbachs in die Stadt Pirmasens hatte auch f\u00fcr die \u00f6rtliche Schule weitreichende Konsequenzen, indem sie nacheinander mit den Grundschulen von Windsberg und Winzeln zusammengelegt wurde. 1972 erfolgte die Bildung der \u201cGrundschule Gersbach-Windsberg\u201d, 1977 verschmolz diese neue Schule mit der Winzler Grundschule dann zum neuen Schulbezirk \u201cGrundschule Gersbach-Windsberg-Winzeln\u201d. W\u00e4hrend in Windsberg inzwischen keine Schule mehr existiert, werden in Gersbach die ersten und zweiten Klassen, in Winzeln die dritten und vierten Klassen unterrichtet. Mit der Umstrukturierung wurde 1972 auch die Oberstufe der Hauptschule Gersbach aufgel\u00f6st, die Sch\u00fcler fahren heute in die Kirchbergschule, wenn sie nicht in die Realschule oder ein Gymnasium gehen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Abschluss der Gersbacher Schulgeschichte eine Liste der Gersbacher Lehrer vom fr\u00fchen 19. Jahrhundert bis zur heutigen Zeit, soweit sie bekannt sind. Einen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit kann die Auflistung nicht erheben, ebenso konnten die genauen Dienstzeiten nicht erforscht werden: Georg Roos, Friedrich Schaefer, Carl Royar, Lehrer Sch\u00f6rry, Karl Trauth, Eugen M\u00fcnschwander, Lehrer Fuchs, Karl May, Bernhard Geiling, Lehrer Kiefer, Otto Neu, Adolf Rothaar, Erich Sch\u00f6neberger, Maria Sengel aus \u00d6sterreich, Lothar Schreck, Annelie Anton, Gerlinde Werner, Walli Roschy, Frau Schwab, Marianne Schindeldecker, Frau Seeger, Christa Brenner, Ruth L\u00f6sch. Heute (Schuljahr 1995\/96) unterrichten in Gersbach Christoph Heisel, Ingrid Feyock, Christa Eggert, Gabriele Tilly, w\u00e4hrend sich Ingeborg Clemenz in Mutterschaftsurlaub befindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quellen:<\/p>\n<p>Theodor G\u00fcmbel, \u201cGeschichte des F\u00fcrstentums Pfalz-Veldenz\u201d, Kapitel XII, Kaiserslautern, 1900<\/p>\n<p>Wolfgang Kurz, \u201cDie Schulen im Gr\u00e4fensteiner Amt\u201d, in: \u201c750 Jahre Gr\u00e4fensteiner Land\u201d, Rodalben, 1987<\/p>\n<p>Stadtarchiv Pirmasens<\/p>\n<p>\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 06 &nbsp; Schule in Gersbach &nbsp; Von Guido Gl\u00f6ckner &nbsp; Ursprung der schulischen Bildung in unserer Heimatregion ist die Klosterschule der Benediktiner, von deren Existenz im Lebenslauf des Abtes <span class=\"readmore\"><a href=\"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=118\">Weiterlesen\u00a0\u2026<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":15,"menu_order":8,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"_mc_calendar":[],"footnotes":""},"class_list":["post-118","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P7TYLF-1U","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/118","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=118"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/118\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":173,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/118\/revisions\/173"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/15"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=118"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}