{"id":128,"date":"2015-01-04T02:15:22","date_gmt":"2015-01-04T01:15:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=128"},"modified":"2015-01-04T17:05:18","modified_gmt":"2015-01-04T16:05:18","slug":"kapitel-11-gewerbe-handel-handwerk-und-industrie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=128","title":{"rendered":"Kapitel 11 &#8211; Gewerbe, Handel, Handwerk, Industrie"},"content":{"rendered":"<p>Kapitel 11<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gewerbe\/Handel\/Handwerk\/Industrie<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>a) Vom B\u00e4cker, Metzger, Kr\u00e4mer und Wirt<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Karoline Hoffmann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alte Handwerke und Berufe, die f\u00fcr Essen und Trinken in Gersbach sorgen, lassen sich in der Dorfgeschichte weit zur\u00fcckverfolgen. Bis in das 19. Jahrhundert reichen die Erinnerungen an die B\u00e4ckerdynastie M\u00fcller zur\u00fcck, noch weiter die Wirtshauschronik des Dorfes.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der B\u00e4cker, der M\u00fcller hei\u00dft, backt seit dem Jahr 1875 f\u00fcr die Gersbacher die \u201cLickeweck\u201d. F\u00fcr die Gersbacher Ortschronik hat die B\u00e4ckerfamilie M\u00fcller ihre eigene Firmengeschichte aufnotiert und zur Verf\u00fcgung gestellt. Hier ihre Erinnerungen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cSeit vier Generationen ist die B\u00e4ckerei M\u00fcller im Familienbesitz. Vorfahr und Gr\u00fcnder des Handwerksbetriebes war Georg M\u00fcller, ein Abenteurertyp. Er wurde in Donsieders geboren und wanderte in jungen Jahren in den \u201cGoldenen Westen\u201d, nach Amerika, aus. Dort lernte er auch das B\u00e4ckerhandwerk, kehrte aber vor 120 Jahren in die alte Heimat zur\u00fcck. Allerdings nicht nach Donsieders, sondern nach Gersbach, wo er sich auch niederlie\u00df und Brot zu backen begann.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Aus anf\u00e4nglich noch etwas sch\u00fcchternen Versuchen entwickelte sich eine B\u00e4ckerei, die bald f\u00fcr jeden im Dorf ein Begriff war. Weder der erste Weltkrieg und die folgende Inflationszeit der zwanziger Jahre noch der zweite Weltkrieg konnten dem Unternehmen etwas anhaben: Eisern bissen sich die M\u00fcllers auch in schweren Zeiten durch. Georg M\u00fcllers Sohn Albert \u00fcbernahm 1913 die B\u00e4ckerei, nachdem er die Meisterpr\u00fcfung in Kaiserslautern abgelegt hatte. Als Albert 1914 in den Krieg eingezogen wurde, mu\u00dften seine Frau und ein Geselle das Gesch\u00e4ft weiterf\u00fchren. Nach seiner R\u00fcckkehr wuchs eine kinderreiche Familie heran: Drei T\u00f6chter und vier S\u00f6hne gingen aus der Ehe hervor. Drei S\u00f6hne lernten B\u00e4cker, der vierte k\u00fcmmerte sich um die Landwirtschaft, die ein Standbein der Existenz war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der zweite Weltkrieg traf die B\u00e4ckerfamilie hart: Drei S\u00f6hne kehrten aus dem Krieg nicht mehr zur\u00fcck, nur der \u00e4lteste Sohn Walter kam 1948 aus der Kriegsgefangenschaft wieder. Er \u00fcbernahm das elterliche Gesch\u00e4ft, als er die Meisterpr\u00fcfung absolviert hatte. Walter M\u00fcller heiratete 1949 Ida Gruber. Aus der Ehe gingen zwei S\u00f6hne, Herbert und Walter, hervor. Frau Ida und die Zwillingsschwester Walter M\u00fcllers, Liesel M\u00fcller, im Dorf auch heute noch \u201cLies Tante\u201d genannt, standen zu jeder Zeit tatkr\u00e4ftig hinter dem Betrieb. In den f\u00fcnfziger Jahren zog die B\u00e4ckerei vom \u201cG\u00e4wweleck\u201d hoch an das Denkmal. 1983 ging die B\u00e4ckerei in die H\u00e4nde der beiden S\u00f6hne Herbert und Walter \u00fcber, die beide den B\u00e4ckerberuf erlernt haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Herbert M\u00fcller absolvierte zus\u00e4tzlich eine Konditorlehre in T\u00fcbingen. Nach Gesellenjahren in Konditoreien in Garmisch-Partenkirchen, auf der Insel Mainau und in Saarbr\u00fccken legte er 1972 die Meisterpr\u00fcfung in Stuttgart ab. Danach kehrte er in den elterlichen Betrieb zur\u00fcck. Sein Bruder Walter hat ebenfalls die Meisterschule in Stuttgart besucht. In den folgenden Jahren hat sich die B\u00e4ckerei stetig vergr\u00f6\u00dfert: Heute wird nicht nur im Hauptgesch\u00e4ft in Gersbach, sondern auch in drei Filialen Brot und Kuchen verkauft. In der Hoffnung, da\u00df die beiden S\u00f6hne der Betriebsinhaber in die Fu\u00dfstapfen ihrer V\u00e4ter treten, hofft die Familie auf eine f\u00fcnfte Generation der B\u00e4ckerei M\u00fcller.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In der Zeit nach dem Krieg gab es kurzfristig zwei weitere B\u00e4cker im Ort, die Betriebe von Reinhold Matz (1965 bis 1980) und von B\u00e4ckermeister Erwin Edrich (1977 bis 1991).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem wichtigen Beruf des Brand- und Hausmetzgers verbindet sich in Gersbach ein entscheidender Familiennamen: G\u00f6ttel. Karl G\u00f6ttel, geboren 1829 in Jettenbach, war Brandmetzger, Presbyter und Landwirt. F\u00fcnf Generationen folgten ihrem Stammvater nach: Jakob G\u00f6ttel, geboren 1853, der zwei S\u00f6hne hatte: Jakob G\u00f6ttel junior, geboren 1891, und Emil G\u00f6ttel, geboren 1905. Auf Emil G\u00f6ttel folgten ein Sohn gleichen Namens, geboren 1930, und Gerhard G\u00f6ttel, geboren 1961. Jakob G\u00f6ttel junior wiederum er\u00f6ffnete 1925 am Matzenberg eine Metzgerei, die sp\u00e4ter in einen Neubau gegen\u00fcber dem Denkmal verlegt wurde. Einer seiner beiden S\u00f6hne, Kurt G\u00f6ttel, f\u00fchrte den Betrieb weiter, bis er ihn 1982 an die Metzgerei H\u00f6hl verpachtet hat. Daneben lebte und arbeitete Metzgergeselle Oswald Kiefer aus Hettenhausen von 1920 bis 1976 in Gersbach.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als der Salzhering noch aus dem Fa\u00df gefischt wurde<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vergangenheit sind in Gersbach l\u00e4ngst die Kr\u00e4mergesch\u00e4fte, die sich mit dem Flair der \u201cTante-Emma-L\u00e4den\u201d verbinden lassen. Auch jetzt erinnern sich die alten Gersbacher sicher noch ans \u201cSandte Spezerei\u201d oder \u201ces Krautworschde\u201d. Einen der ersten Kr\u00e4merl\u00e4den im Ort hatte aber am Matzenberg Maria Katharine Weber, geborene Bi\u00dfbort, die am 15. Dezember 1868 das Licht der Welt erblickte und 1931 gestorben ist, betrieben. Genaue Daten \u00fcber Anfang und Ende des Gesch\u00e4ftes sind aber unbekannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jakob Georg Sandt hatte seine in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts gebaute Gastst\u00e4tte bald auf Spezereien erweitert. Schon 1911 war Sohn Gustav gestorben, so dass seine Witwe Philipine und die Tochter Erna, geboren im Jahr 1900, das Gesch\u00e4ft weiterf\u00fchrten. Ich erinnere mich noch heute daran, wie penibel der Kr\u00e4merladen gef\u00fchrt wurde. Petroleum und Salzheringe im Fa\u00df waren au\u00dferhalb des eigentlichen Ladens in anderen Geb\u00e4uden untergebracht. F\u00fcr den Verkauf von Salzheringen musste man Zeitungspapier mitbringen, in das die Heringe dann mit einer gro\u00dfen Holzzange gelegt wurde, zum Preis von 20 Pfennigen f\u00fcr drei Fische. 1922 heiratete Tochter Erna den weitgereisten Kaufmann Fritz Krautwurst. Er baute das Gesch\u00e4ft zu einem Kaufhaus um: Alles was nicht auf Lager war, besorgte er schnellstens f\u00fcr seine Kunden. Das Gesch\u00e4ft bestand bis 1968, als es aus Altersgr\u00fcnden aufgegeben wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch Anna Thei\u00df, geborene Lehmann, betrieb in der Pirmasenser Stra\u00dfe einen Kr\u00e4merladen, der etwa 1907\/08 gegr\u00fcndet wurde. Mit ihrem Tod am 3. Oktober 1946 wurde auch der Laden aufgel\u00f6st. Einen Gemischtwarenhandel hatte ebenfalls Jakob M\u00fcller, geboren am 19. Juli 1871 und gestorben am 9. Juni 1955, etwa 1898 bis 1900 er\u00f6ffnet. Der Laden wurde zwischen 1930 und 1935 aufgegeben. Bis in die siebziger Jahre bestand dagegen das Gesch\u00e4ft von Heinrich M\u00fcller in der Pirmasenser Stra\u00dfe, das etwa in den Jahren 1920 bis 1923 er\u00f6ffnet worden war. \u201cKolonialwaren, Spirituosen und Drogerie\u201d nannte sich M\u00fcllers Laden, der 1930 an Robert Joas verkauft worden ist. Dieser verpachtete das Gesch\u00e4ft sp\u00e4ter aus Altersgr\u00fcnden, bevor 1975 das Haus verkauft und der Laden endg\u00fcltig geschlossen wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Weitere Lebensmittelgesch\u00e4fte betrieben Erna Walter, Hilde Bauer und Lea Weber. Bis zu Beginn der neunziger Jahre existierte gegen\u00fcber der Friedenskirche ein Rewe-Frische-Markt, sp\u00e4ter in Markant-Mark umbenannt. Alle diese Gesch\u00e4fte gibt es heute nicht mehr, lediglich ein Schlecker-Drogeriemarkt und ein Getr\u00e4nkemarkt mit Gem\u00fcse- und Zeitungsverkauf, Lottostelle und Postagentur in der Breitsitterstra\u00dfe sind vorhanden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schon im 18. Jahrhundert hat es in Gersbach eine Wirtschaft gegeben, wie die Existenz des 1751 im Ort gestorbenen Johann Jakob Knerr, der Leinenweber und Wirt war, beweist. Am 17. M\u00e4rz 1795 wird Johann Peter Weber geboren, der sp\u00e4ter als Land- und Gastwirt erw\u00e4hnt ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wirtshausbrand am Matzenberg<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Erst aber mit Land- und Gastwirt Johann Adam Weber III., geboren am 7. Juli 1849, wird auch der Standort einer Gersbacher Wirtschaft bekannt: Sein Gasthaus stand am Matzenberg. 1868 brannte die Wirtschaft bis auf die Grundmauern ab, nachdem die Tochter des Wirtes \u201cgez\u00fcndelt\u201d hatte. Nachdem die Brandversicherung jedoch gezahlt hatte, wurde das Geb\u00e4ude wieder aufgebaut, existiert jedoch seit diesem Zeitpunkt nur noch als Wohnhaus.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Georg Jakob Sandt bekam von seinem Vater eine Gastwirtschaft als Ausgleich f\u00fcr die Maschinenfabrik, die sein Bruder aufbaute, errichtet. Das Baujahr ist unbekannt, aber schon seit 1888 wurden darin Parkbr\u00e4u und B\u00fcrgerbr\u00e4u ausgeschenkt. Sohn Gustav, geboren 1875, \u00fcbernahm sp\u00e4ter die Wirtschaft, starb aber schon 1911. Seine Witwe verpachtete die Wirtschaft noch im gleichen Jahr. Seit dieser Zeit ist das Gasthaus schon in fremder Hand, lebt aber als \u201cAlte Wirtschaft Sandt\u201d bis heute im Dorf fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine lange Geschichte hat auch das Gasthaus M\u00f6rschel, wann es aber gegr\u00fcndet wurde, ist nicht genau nachzuvollziehen. Die Chronik der Gastwirtschaft ist aber m\u00fcndlich \u00fcberliefert, wobei davon die Rede ist, da\u00df Vorfahren von Franz Klag und Jakob M\u00f6rschel das Gasthaus gegr\u00fcndet haben. Georg S\u00fc\u00df, geboren 1838, betrieb sp\u00e4ter die Wirtschaft. Seine Frau Margarete Weber war die Enkeltochter von Georg Jakob M\u00f6rschel, geboren 1814. Wer Nachfolger als Wirt wurde, ist unbekannt. Seit 1. Januar 1903 bezog August M\u00f6rschel, geboren 1870, Bier von der B\u00fcrgerbr\u00e4u aus Pirmasens. Wann er die Wirtschaft kaufte, kann nicht in Erfahrung gebracht werden. Ab 1. Dezember 1930 ist das Gasthaus verpachtet worden. Am 8. Juli 1953 kaufte Heinrich Seebald von den \u201cErben M\u00f6rschel\u201d die Gastwirtschaft, die er schon seit 1939 gepachtet hatte. Er gab ihr den Namen \u201cZur Linde\u201d. Ab 1. Mai 1964 hatte auch er sie in andere H\u00e4nde gegeben: Es gab im Laufe der Jahre gleich f\u00fcnf Lindenwirte und Lindewirtinnen. Im Dezember 1970 wurde das Wirtshaus an Liesel Schott-Drews und Max Drews verkauft. 1978 wurde Ulrike Hase Lindenwirtin, 1980 Gustav H\u00f6h, im Jahr 1984 kam dann das endg\u00fcltige Ende f\u00fcr die Gastwirtschaft. Das Geb\u00e4ude wurde von den Gebr\u00fcdern Meinhold erworben, die es zu einem Wohnhaus umbauten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Alber D\u00e4ther baute Anfang der f\u00fcnfziger Jahre ein Caf\u00e9. Anfangs betrieb er es selbst, sp\u00e4ter war es verpachtet. 1965 wurde das Geb\u00e4ude verkauft und zum Wohnhaus umfunktioniert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>b) Handwerk, Handel und Gewerbe<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Karoline Hoffmann<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Handwerk hat auch in Gersbach Tradition. Lang ist die Liste aller Handwerksbetriebe, Handels- und Gewerbeunternehmen, die in den vergangenen Jahrzehnten entstanden sind. Karoline Hoffmann, genannt \u201cLine\u201d Hofmann, hat mit ihren 82 Lebensjahren nicht nur viele Erinnerungen an Handwerk, Handel und Gewerbe aus sieben Jahrzehnten, sie hat nach langen und m\u00fchsamen Recherchen eine Liste der Gersbacher Handwerks- und Gewerbebetriebe zusammengestellt. Diese Auflistung l\u00e4sst sich, ihres Umfangs wegen, nicht in ihrer vollen L\u00e4nge ver\u00f6ffentlichen, aber die wichtigsten Berufe, die Namen und die Gr\u00fcndung oder Ansiedlung von Unternehmen werden in der Folge genannt. Eingangs muss aber eines gesagt werden: Im \u201cDorf der Weber und Ackerer\u201d war in den letzten 200 Jahren kein \u201cWeber\u201d zu finden, lediglich im Sippenbuch wird um 1733 der Leinenweber und Wirt Johann Jakob Knerr genannt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Dorfschmied ist das \u00e4lteste Gewerbe in Gersbach. Es ist zu vermuten, da\u00df die Vorfahren des 1840 geborenen Jakob Weber, genannt \u201cSchmieds\u201d, schon seit zwei bis drei Generationen in Gersbach ans\u00e4ssig gewesen sind, etwa ab 1750.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die bekanntesten Gersbacher Schmiede sind die Nachfahren des 1806 in Rimschweiler geborenen Georg Sandt. Sein Sohn Jakob war der Begr\u00fcnder der Maschinenfabrik Sandt\u00a0 im Jahr 1867, die etwa sechs Jahre sp\u00e4ter nach Pirmasens verlegt wurde. Drei Gesellen aus der Sandtschen Schmiede, Jakob Theis, Friedrich Maas und Friedrich Rupp wurden im Dorf se\u00dfhaft und er\u00f6ffneten zwischen 1880 und 1910 eigene Schmiede- und Schlosserwerkst\u00e4tten. 1922 ist Ernst Sch\u00e4fer aus Mittelbrunn als Schmiedegeselle nach Gersbach gekommen, wo er 1927 seinen eigenen Betrieb er\u00f6ffnete. Er \u00fcbergab seine Werkstatt nach dem Krieg 1946 an Friedrich Kn\u00f6rzer, dessen Sohn Bernd Kn\u00f6rzer heute den inzwischen entstandenen Metallbaubetrieb mit 25 Besch\u00e4ftigten weiterf\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schreiner Peter Schmidt &#8211; wir h\u00f6ren von ihm in der Aussiedlergeschichte von Erneste Fuhrmann-Stone &#8211; lebte etwa von 1840 bis 1900 in Gersbach. Einer seiner S\u00f6hne, Ferdinand, \u00fcbernahm den Betrieb um die Jahrhundertwende. In der dritten Generation gab\u00a0 Ferdinand junior die Schreinerei 1948 auf. Auch die 1929 gegr\u00fcndete Schreinerei von Albert D\u00e4ther stellt Anfang der sechziger Jahre den Betrieb ein. Um die gleiche Zeit wird der Betrieb \u201cSchreinerei und M\u00f6belbau Lehmann\u201d gegr\u00fcndet, der heute unter Regie von Udo Lehmann weiterexistiert. Der seit 2. Januar 1995 von Markus Braun, Tischlermeister und Restaurator, gef\u00fchrte Betrieb er\u00f6ffnete dessen Vater Hans Braun im Jahr 1963 in Pirmasens, bevor er ihn sp\u00e4ter nach Gersbach verlegte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wagner Jakob Weber d\u00fcrfte seinen Handwerksbetrieb um 1850 gegr\u00fcndet haben. Sein Sohn Otto Weber f\u00fchrte die Wagnerei ab 1910. Im Jahr 1932 stirbt Weber. Ihm folgen die Wagner Adolf Schwarz und Albert Sch\u00e4fer.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Schneider Adam Sch\u00e4fer d\u00fcrfte um die Jahrhundertwende aus Oberauerbach gekommen sein. Er stirbt 1941. Um die Zeit der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert haben sich viele Gersbacher Frauen als Schneiderin im Gewerberegister eintragen lassen. Drei Jahre lang gab es im Ort auch einen K\u00fcrschner: August Dietrich war von 1946 bis 1949 t\u00e4tig. Die in Dietrichingen geborene Schuhmacher Heinrich und Ludwig Schmidt \u201cbesohlten\u201d die Gersbacher ab etwa 1875 bis in die sp\u00e4ten 30iger Jahre.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sattler, Polsterer und Tapezierer August Weber arbeitete von 1920 bis 1950 in Gersbach. Sein Nachfolger Adam Frey, gab seinen Beruf 1989 aus Altergr\u00fcnden auf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom Barbier und dem Friseursalon<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Barbier und Friseur Heinrich Haag rasierte die Gersbacher bis 1936, indem er von Haus zu Haus zog und sein Gewerbe aus\u00fcbte. Erwin Zorzi gr\u00fcndete sein Friseurgesch\u00e4ft im Jahr 1932, das er in den f\u00fcnfziger Jahren von der \u201cHohlga\u00df\u201d an das Denkmal in einen Neubau verlegte. Er \u00fcbergab es im Jahre 1975 seiner Tochter Hannelore Krebs. Otto Sch\u00e4fer, Friseur und Forstarbeiter, lebte von 1937 bis 1987 im Ort, wo er zeitweise auch ein Gesch\u00e4ft betrieb. Gertrud Kissmann f\u00fchrte ihren Friseursalon von 1960 bis 1991. Seit dem Jahr 1987 \u201cmacht\u201d Friseurmeister Gerd Schmitt den Gersbachern \u201cdie Haare\u201d.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Elektriker Philipp Becker hatte alle Gersbacher an der langen Leitung: 1921 kam er mit der Firma BBC, die das Gersbacher Ortsnetz errichtete, in das Dorf. Die von ihm 1928 gegr\u00fcndete Firma Elektro Becker betreute das Stromnetz bis zum Jahr 1972. Philipps S\u00f6hne Edgar und Ernst f\u00fchrten das Gesch\u00e4ft zun\u00e4chst weiter, sp\u00e4ter schied Edgar Becker aus, so da\u00df das Gesch\u00e4ft bis heute in Besitz von Ernst Becker ist. 1978 gr\u00fcndete Joseph Burger eine Firma f\u00fcr elektrische Schalt- und Industrieanlagen. Helmut Bertsche, seit 1984 Elektromeister, hat sein Gesch\u00e4ft in der Denkmalstra\u00dfe.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Maler und T\u00fcncher Heinrich Sprau aus Rieschweiler arbeitete von 1892 bis 1922 in Gersbach. Ihm folgte 1929\/30 Max Greiner senior, der sein Gesch\u00e4ft 1965 an seinen Sohn \u00fcbergab. Heute werden von ihm auch Autos lackiert. Emil Scheib hatte seinen Malerbetrieb von 1974 bis 1992.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem Bau verbunden sind Dachdecker Robert Elig (seit 1971), Heizungsbauer Claus Schindeldecker, die Isolierer Josef Rhode (seit 1987) und Zahler GmbH (seit 1985), die Steinmetze Hussung und Schmidt (von 1954 bis 1974), deren Gesch\u00e4ft von 1974 bis 1991 von Emil S\u00fc\u00df \u00fcbernommen worden war, und die \u201cMaurer\u201d DWB Wohnungsbau (seit 1993) und Werner Thoretz (seit 1995).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Auch rund ums Auto hat sich in Gersbach das Handwerk im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt. Seit 1965 gibt es die Kraftfahrzeugwerkstatt und den Autohandel von Joachim Gronow, der zwischendurch auch einmal eine Tankstelle betrieben hatte, und seit 1966 repariert Wolfgang Kadner Autos. Au\u00dferdem gibt es die Karosseriebauer Peter Zacher, der 1966 angefangen hat und heute im Gewerbegebiet an der Rotm\u00fchlstra\u00dfe zu finden ist, und Karl-Heinz Widmann (seit 1983). Im Jahr 1995 hat in der Windsberger Stra\u00dfe Friedrich Schellenbaum seinen Autoan- und -verkauf sowie Reifendienst er\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gewerbegebiet in der Eichelsbacher Stra\u00dfe hegt und pflegt die G\u00e4rtnerei Drumm ihre Pflanzen und am Westring versorgt das Blumenhaus Wagner die Gersbacher mit frischen Blumen. Von Ende der siebziger Jahre bis 1983 gab es auch das Blumenhaus und Blumengro\u00dfhandel Pein im Ort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Vom Viehh\u00e4ndler und vom landwirtschaftlichen Konsumverein<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht vergessen werden darf der Handel, angefangen beim Viehh\u00e4ndler Karl Wagner, \u00fcber Kohlenh\u00e4ndler bis hin zu den Genossenschaften, wobei es in Gersbach schon vor dem zweiten Weltkrieg einen landwirtschaftlichen Konsumverein gegeben hat. Auch von einer Spar- und Darlehenskasse gibt es Nachweise. Nach dem Krieg hat bis in die neunziger Jahre die Raiffeisenbank in der heutigen oberen Windsberger Stra\u00dfe eine Zweigstelle betrieben. Inzwischen existiert nur noch die Zweigstelle der Kreissparkasse in der Breitsitterstra\u00dfe, die in den achtziger Jahren er\u00f6ffnet worden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von April 1972 bis zum Juni 1973 wurde an der Rotm\u00fchlstra\u00dfe das Gewerbegebiet \u201cHooriger Wald\u201d erschlossen, in dem sich auch einige Industrie- und Gewerbebetriebe angesiedelt haben. Gr\u00f6\u00dfter Arbeitgeber in Gersbach ist heute das kunststoffverarbeitende Unternehmen Regra, das 1980 in den Ort gekommen ist, mit seinen 90 Besch\u00e4ftigten. Sieben Mitarbeiter hat der chemische Betrieb (Klebstoffe, Farben, etc) Siema, der schon seit 1974 in dem Gewerbegebiet produziert. Neben dem Transportunternehmer Schellenbaum haben sich im Gewerbegebiet noch die Firma Zwaans, die in der Schuhmaschinenbranche t\u00e4tig ist, und das Betonwerk Dittmar mit seinen 15 Besch\u00e4ftigten, das 1959 gegr\u00fcndet und 1962 nach Gersbach gezogen ist, angesiedelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ol>\n<li>c) Die Schuhindustrie in Gersbach<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von Lothar Moog<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nicht nur in der Stadt Pirmasens wurden Schuhe produziert: Bereits um das Jahr 1910 begannen die ersten Pioniere der Schuhindustrie, sich auch in Gersbach niederzulassen. Auf 1907 sind Aufnahmen der ersten Belegschaft der Schuhfabrik August Ziliox datiert. Die fr\u00fchen \u201cSchuhfabrikanten\u201d verdienten ihren Lebensunterhalt mit der Herstellung von Schuhwaren, zuerst in Kellern in handwerklicher Fertigung, danach in gr\u00f6\u00dferem Rahmen mit Hilfe von Maschinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1928 stellte die Firma Jakob Schmidt (Herrenschuhe) als erster Schuhhersteller in Gersbach die bereits seit 1911 bestehende handwerkliche Fertigung von Schuhen auf mechanische Fabrikation um.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kurze Zeit darauf folgten Neugr\u00fcndungen verschiedener Schuhfabriken:<\/p>\n<p>Friedrich Hildenbrand (1918 gegr\u00fcndet; orthop\u00e4dische Damenschuhe)<\/p>\n<p>Heinrich Moog (1930 in Pirmasens gegr\u00fcndet, 1933 nach Gersbach gezogen; zun\u00e4chst<\/p>\n<p>Damensportschuhe, sp\u00e4ter Kinder- und Jugendschuhe)<\/p>\n<p>Jakob Hildenbrand (\u201cPalatia-Schuhfabrik\u201d 1930 gegr\u00fcndet)<\/p>\n<p>Korb und Schmidt (1932 von Fritz Korb und Otto Schmidt gegr\u00fcndet, 1962 an Erich<\/p>\n<p>Schweitzer verpachtet; Kinderschuhe)<\/p>\n<p>Heinrich Ziegler<\/p>\n<p>Hugo Sprau (1936 gegr\u00fcndet; Kinderschuhe)<\/p>\n<p>Walter Sprau (1949 gegr\u00fcndet als \u201cGoldspatz-Schuhfabrik; Kinderschuhe)<\/p>\n<p>Eisenmann<\/p>\n<p>Fritz Bohrer<\/p>\n<ol>\n<li>Huber<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Von 1950 bis 1980 war die Bl\u00fctezeit der heimischen Schuhindustrie. Tag f\u00fcr Tag wurden Tausende von Schuhen aus der Region Pirmasens in alle Welt verschickt. Auch Gersbach profitierte von diesen Jahren des Aufschwungs: Bald reichten die Arbeitskr\u00e4fte nicht mehr aus. Pendler aus Windsberg, Winzeln, ja selbst von Pirmasens kamen jeden Morgen mit dem Bus, Fahrrad, dem eigenen Auto oder gar zu Fu\u00df zur Arbeitsst\u00e4tte. Die Gersbacher Fabriken erreichten erstaunliche Gr\u00f6\u00dfen, so waren etwa in der Schuhfabrik Moog in den sechziger Jahren 50 bis 60 Mitarbeiter besch\u00e4ftigt, in der Palatia 120 Besch\u00e4ftigte (1963) und bei Jakob Schmidt 85 Mitarbeiter (1963).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die \u201cPressante\u201d f\u00fcr den Nachtexpress<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In diesen Jahren versahen flei\u00dfige M\u00e4nner und Frauen voller Stolz ihre Arbeit in den Schuhunternehmen. Bis tief in die Nacht hinein waren oft die Fabriken beleuchtet, man fabrizierte noch \u201cPressante\u201d, die mit dem letzten Expre\u00dfzug nach Mitternacht verschickt wurden. Man war noch eine verschworene Gemeinschaft: Der \u201cChef\u201d oder der \u201cM\u00e4schder\u201d hatten das Sagen und die Schuharbeiter sprachen von \u201cihrem Betrieb\u201d. \u201cDer blaue Montag\u201d war in Gersbach nicht bekannt, alles ging seinen geregelten d\u00f6rflichen Gang.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sicher erinnern sich noch die \u00e4lteren Gersbacher, wie zur Gr\u00fcnderzeit jeden Nachmittag die Zuschneid- und Zwickerlehrlinge mit ihren Leiterw\u00e4gelchen mit waghalsig aufgebauten Paketladungen zur Post fuhren, manchmal sollen auch regelrechte Wagenrennen stattgefunden haben. Man br\u00fcstete sich, die gr\u00f6\u00dfte Fuhre abgeladen zu haben, erlebte aber auch traurige Momente, wenn die gleichen Schusterbuben Retouren abholen mussten: Man freute sich und litt mit \u201cseinem\u201d Betrieb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Gersbach war diese Zeit auch ein Teil des Wirtschaftswunders nach dem zweiten Weltkrieg, der aber nur bis in die siebziger Jahre anhielt: Internationale Konkurrenz aus Italien, Spanien, Portugal, aus den Ostblockl\u00e4ndern und aus Ostasien \u00fcberschwemmte den deutschen Markt mit billigen Importschuhen. Diesem Druck war auch die heimische Industrie nicht gewachsen. Heute ist von der Gersbacher Schuhindustrie nichts mehr \u00fcbriggeblieben: Alle Betriebe haben nach und nach die Tore geschlossen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Quelle: Facharbeit Susanne Moog, 1. Juli 1979<\/p>\n<p>p<\/p>\n<p>p\/p<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kapitel 11 &nbsp; Gewerbe\/Handel\/Handwerk\/Industrie &nbsp; a) Vom B\u00e4cker, Metzger, Kr\u00e4mer und Wirt &nbsp; Von Karoline Hoffmann &nbsp; Alte Handwerke und Berufe, die f\u00fcr Essen und Trinken in Gersbach sorgen, lassen <span class=\"readmore\"><a href=\"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/?page_id=128\">Weiterlesen\u00a0\u2026<\/a><\/span><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":15,"menu_order":13,"comment_status":"closed","ping_status":"open","template":"","meta":{"_mc_calendar":[],"footnotes":""},"class_list":["post-128","page","type-page","status-publish","hentry"],"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/P7TYLF-24","jetpack_sharing_enabled":true,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=128"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/128\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":178,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/128\/revisions\/178"}],"up":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/pages\/15"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.ps-gersbach.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}